Moosach Kunstaktion „Geschlossene Gesellschaft“ Atelierdiagonale
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Draußen feiert es sich genauso gut wie in einem Zelt: Moosacher und Kunstfreunde kamem zahlreich zum Projekt „Geschlossene Gesellschaft“.

Kunstprojekt

Moosacher feiern Bierfest der besonderen Art

Ein Zelt, in das man nicht hinein darf, acht Schläge und ein Prosit der Gemütlichkeit: In Moosach wurde ein besonderes Bierfest gefeiert - bei einer Kunstaktion mit dem Titel „Geschlossene Gesellschaft“

Moosach – Von weitem klingt es, als gäbe es kein Corona, Geräusche eines spätsommerlichen Dorffest erschallten: Man hört Menschen in fröhlicher Feierlaune, in ausgelassener Stimmung, dazu Bierzeltmusik. Dazwischen immer wieder: „Ein Prosit der Gemütlichkeit.“ Stimmengewirr. Dann wieder Blasmusik. Auch die Durchfahrt durch Moosach ist gesperrt, an den Straßenrändern parkende Fahrzeuge. Eine liebgewonnene Gepflogenheit: So sieht es aus und so klingt es in nahezu jeder Gemeinde beim örtlichen Dorffest. Nur, dass Feste dieser Art in diesem Sommer coronabedingt nicht möglich sind.

Bierfeststimmung als Fake

Ganz Bayern ist 2020 ohne Bierzelte. Nicht so vergangenes Wochenende in Moosach. Gegenüber der Kirche steht dort doch tatsächlich ein hübsch illuminiertes Zelt. Beim Näherkommen entpuppt sich der von Ferne so verlockend klingende Frohsinn jedoch als Täuschung. Denn, das, was da zu hören ist, ist inszeniert, ein Fake. Im Zelt stehen Lautsprecher, aus denen diese Feststimmung erklingt, arrangiert vom Geräuschemacher Max Bauer unter zu Hilfenahme von Originaleinspielungen der „Blechbagage“.

Betreten verboten

Das Bierzelt ist leer, hinein darf man nicht. Betreten verboten, die Türen sind geschlossen. Die Situation, die hier ein Wochenende lang vorgetäuscht wurde, ist Illusion, inszeniert von den beiden Künstlern Maximilian Erbacher und Andreas Mitterer. „Geschlossene Gesellschaft“ nennen sie ihr Werk, das mit Realität spielt, mit Möglichkeit und Unmöglichkeit, mit einem Wunschbild. Ein Spiegel eben, der die gegebenen Pandemie-Umstände mit Augenzwinkern reflektiert.

Dass das Zelt just an der Stelle aufgebaut wurde, wo einst das alte Pfarrhaus stand, in dem die legendäre Künstlergruppe „Spur“ ihre Anfänge nahm, darf gern als wohlüberlegter Eingriff verstanden werden. Was Erbacher und Mitterer da tun, ist eine geschickte Intervention in die gesellschaftliche Realität.

Ein Bierzelt in Corona-Zeiten mitten in einem Dorf, aus dem Feststimmung erklingt, man aber nicht mitfeiern darf – gar nicht kann –, ist ein starkes Bild.

Spiel mit kollektiven Sehnsüchten in Corona-Zeiten

Die beiden Künstler spielen mit der realen Situation, tun nur so als ob, und legen damit Wunden frei und geben individuellen wie kollektiven Sehnsüchten ein Gesicht. Fast alles ist durch die Pandemie ins Wanken geraten, warum nicht die Stiche aufzeigen, hier für jeden zugänglich im Öffentlichen Raum. Freilich ist eine Fata Morgana ein Trugbild. Wer Wasser sieht und trinken will, verzweifelt, wenn das vorgegaukelte Bild sich auflöst. Doch darum geht es hier nicht, denn die beiden Künstler markieren die Lehrstelle mit transparenter Ironie.

Und so kommt es auch nicht von ungefähr, dass man bei der Eröffnung dieses Kunstwerks vergangenen Freitag auf einen Bieranstich nicht verzichten wollte. Dem Zelt gegenüber hatte man Biertische und -bänke aufgestellt und ein Fass Bier organisiert. Der örtliche Bürgermeister Michael Eisenschmid darf das dann anstechen. Acht Schläge braucht er, wenn sich der Gummiring nicht verdreht hätte, wären es wohl nur drei gewesen. Und dann fließt der goldene Gerstensaft. Der Bierbänke sind an diesem lauen Abend voll besetzt. Dort darf man auch ohne Maske sitzen, beim Herumlaufen hingegen herrscht Maskenpflicht.

Alle zugelassenen Plätze besetzt

Bis zu 200 Gäste waren zugelassen. Und die waren auch gekommen. Am Eingang muss man einige abweisen. Und es ist dabei eben nicht nur das typische Kunstpublikum anwesend, sondern auch viele Moosacher, deren Bürgermeister sich freut, dass mit diesem Kunstwerk auch die Dorfgemeinschaft nach langer Zeit wieder einmal zusammen kommen konnte. Schade eigentlich, dass dieses Zelt nur für ein Wochenende stand. Man hätte es gerne länger gesehen. Doch das hat schlicht mit der Atelierdiagonale im Landkreis zu tun, denn „Geschlossene Gesellschaft“ war der Beitrag von Erbacher und Mitterer dazu, wenn man so will als Alternative zur Eröffnung des Münchner Oktoberfestes, das dieses Jahr ausfallen muss.

Peter Kees

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