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Münchens Mietmarkt ist unentspannt - und Besserung ist aktuell nicht in Sicht.

Was läuft in dieser Stadt falsch?

Bizarrer Münchner Immobilienmarkt: Finanzamt fordert von Eigentümerin Mieterhöhung

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Wie weit soll sich der Mietmarkt in München noch erhitzen? Das Verhalten des Finanzamts in diesem Fall macht einfach sprachlos. Werden faire Vermieter drangsaliert?

München - Über 20 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter in Moosach – für das Münchner Finanzamt ist diese Wuchermiete die Norm. Obwohl im Mietspiegel nur 13 Euro stehen. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist bitterer Ernst. Vermieterin Sybille Neumann sollte für ihre Einzimmerwohnung mit 38 Quadratmetern nach dem Willen des Finanzamts satte 22,85 Euro pro Quadratmeter kalt verlangen – statt bislang neun Euro.

Doch Neumann weigert sich: Sie will die Wohnung weiterhin bezahlbar vermieten. „Unsere Mieterin lebt dort seit 20 Jahren, den Vertrag hat noch mein Vater mit ihr geschlossen“, sagt die Fremdsprachensekretärin. Sie sei froh über die gute Mieterin, die sorgsam mit der Wohnung umgehe. „Mir ist es wichtig, dass ich nicht draufzahle, um Profit geht es mir nicht.“ Ursprünglich verlangte Neumann sechs Euro kalt – nach einer großen Sanierung erhöhte sie dann im Jahr 2017. Die Mieterin zahlt seither insgesamt 500 Euro warm, inklusive Garage.

Immobilienmarkt München: Finanzamt fordert drastische Mieterhöhung

Viel zu niedrig, befand das Finanzamt. Nach dessen Vorstellung müsste die Miete bei fast 900 Euro kalt liegen. In durchschnittlicher Lage, in einem alten Haus. „Das heißt, ich müsste von der Mieterin ungefähr das Doppelte verlangen. Ein Irrsinn“, sagt Neumann. Schon rechtlich könnte sie die Miete gar nicht so weit erhöhen – schließlich gilt die Mietbremse.

Vermieterin Sybille Neumann zeigt das Schreiben vom Finanzamt, in dem die Behörde über 20 Euro pro Quadratmeter als normal ansetzt.

Dem entgegen stand der Brief, den Neumann vom Finanzamt bekam. Da bemängelte die Behörde die niedrige Miete. Hintergrund: Wer seinen Mieter zu günstig wohnen lässt, darf Werbungskosten nicht in vollem Umfang anrechnen. Genau das ist bei Neumann geschehen. Das Finanzamt schrieb, man werde „nur 45 Prozent der Werbungskosten berücksichtigen“. Wie das Amt auf den Quadratmeter-Preis von 22,85 Euro kam, ließ sich auch durch eine Anfrage unserer Zeitung nicht klären. Die Behörde schreibt, man richte sich nach dem Mietspiegel.

München: Das Finanzamt reagiert auf Einspruch

Rechtsanwältin Stephanie Schmid, die Neumann vertritt, sagt zu dieser Behörden-Antwort: „Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe einen anderen Fall mit einer Wohnung in Schwabing, bei der das Finanzamt ebenso 22,85 Euro ansetzt.“ Was Neumann passiert sei, sei „absolut kein Einzelfall“. Und: „Öffentlich werden Vermieter von der Politik oft als gewinnsüchtig hingestellt – umso verrückter, wenn dann der Staat ausgerechnet die fairsten Vermieter besonders drangsaliert!“ Rechtsanwältin Schmid hat in Neumanns Auftrag Einspruch eingelegt. Erst nach ihrem Einschreiten ruderte die Behörde zurück. Die Durchschnittsmiete gemäß Mietspiegel liege bei 11,61 Euro kalt. Einen neuen Steuerbescheid hat Neumann bislang aber noch immer nicht bekommen.

Anfang des Jahres erreichte uns ein ähnlicher Fall aus Trudering von einem Ehepaar, das wegen seiner zu günstig vermieteten Wohnung ebenfalls Ärger mit dem Finanzamt hatte.

Susanne Sasse

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