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Wissen nicht, wohin mit ihren Kleinen: Eltern vor der öffentlichen Kindertagesstätte an der Straßberger Straße. 

Was bewirkt der Dringlichkeitsantrag?

Kita-Krise im Olympiadorf: Einzige Krippe muss schließen

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Die einzige öffentliche Krippe im Olympiadorf muss schließen – der Fachkräftemangel trifft Einrichtungen überall in der Landeshauptstadt.

München - Zwei Krippen und eine Eltern-Kind-Initiative gibt es bislang im Olympiadorf, wo rund 6000 Menschen wohnen. Doch nun muss die einzige öffentliche Kindertagesstätte für Ein- bis Dreijährige wohl schließen. Der Grund: Die Leitung der Krippe Frieden Christi an der Straßberger Straße 7 findet einfach kein neues Personal mehr.

Schwierige Personalsuche

Ende 2017 hatte die Kinderpflegerin, die die Gruppe mit zehn Kindern zusammen mit einer Erzieherin betreute, gekündigt. Ihre Stelle konnte der Träger, der Katholische Kita-Verbund München Nord, bisher nicht neu besetzen. Nun hat auch noch die Erzieherin, die acht Jahre lang in der Einrichtung arbeitete, zu Ende August gekündigt.

Schon im laufenden Jahr sei die Krippengruppe nur mehr mit fünf statt zehn Kindern belegt, berichtet Juliane Staffler vom Elternbeirat. Die Mutter zweier Kinder ist selbst von der wahrscheinlichen Schließung betroffen. „Meine zweijährige Tochter sollte hier in die Krippe gehen“, sagt sie. Ihre große besucht derzeit den Kindergarten, den die Einrichtung genauso anbietet wie einen Hort. Nun muss Staffler anderswo eine Betreuung für ihre Kleine suchen. „Das ist sehr schade und auch schwieriger für uns als Eltern.“ Die Versorgung für die Kleinsten im Stadtbezirk sei ohnehin schlecht. Nach Angaben des Bildungsreferats ist die Versorgungsquote für Ein- bis Dreijährige in Milbertshofen-Am Hart derzeit mit 43 Prozent weit schlechter als im Stadtschnitt (63 Prozent).

Der Kita-Träger hat nach Angaben des Elternbeirats zwar nach neuem Personal gesucht. „Im Herbst vergangenen Jahres haben die Bemühungen aus unserer Sicht aber deutlich nachgelassen“, sagt Staffler. Auch die Eltern selbst seien deshalb tätig geworden. Sie organisierten einen Tag der offenen Tür, inserierten auf Websites, machten Mund-zu-Mund-Propaganda.

„Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Bettina Göbner, Sprecherin der Erzdiözese München und Freising. Die schlechte Nachricht sei aber, dass „die eingruppige Krippe im Schuljahr 2019/2020 voraussichtlich vorerst nicht weiterbetrieben“ werden könne. Seit 2018 liefen umfangreiche Aktivitäten, um offene Stellen in der Krippe, im Kindergarten und im Hort zu besetzen, „unter anderem in Zeitungen, auf fachspezifischen, aber auch allgemeinen Stellenportalen im Internet, über Pfarreien und andere Kindergärten, über die Arbeitsagentur und über das Erzbistum“, wie Göbner sagt. Die Resonanz sei leider sehr gering gewesen – und die wenigen Bewerber wollten im Kindergarten arbeiten.

Dringlichkeitsantrag der Grünen

Die Schließung der Krippe hat nun auch die Politik auf den Plan gerufen. Nachdem Eltern sich an die Landtagsabgeordnete Katharina Schulze (Grüne) gewandt hatten, stellte nun die Stadtratsfraktion der Grünen einen Dringlichkeitsantrag, der im Bildungsausschuss am 2. Mai behandelt wurde. Die Stadt müsse „alle möglichen Maßnahmen ergreifen, welche zu einem Weiterbetrieb der Krippe führen“, heißt es darin. Die drohende Schließung der Krippe sei ein „herber Schlag“ und verstärke „die Not der Eltern“ im Olympischen Dorf.

Personalmangel in Kitas enorm

Personalmangel gibt es überall in den Kindertageseinrichtungen. Laut Bildungsreferat sind in den städtischen Kitas 8,5 Prozent der Erzieherstellen (250 von 3032) und 7,2 Prozent der Kinderpflegerstellen (100 von 1622) nicht besetzt. Es komme immer wieder zu Engpässen. Städtische Einrichtungen mussten bislang nicht schließen, auch können alle Gruppen, wenn auch nicht immer in voller Stärke, betrieben werden.

Anders sieht es bei freien und gemeinnützigen Trägern aus. So warten Eltern etwa bis heute auf die Eröffnung der neuen Krippe des „Vereins Stadtteilarbeit“ mit mobiler Tagesbetreuung an der Piccoloministraße im Stadtbezirk Milbertshofen. Für Oktober 2018 war sie geplant. Und auch beim Erzbistum heißt es: „Der Arbeitsmarkt für pädagogische Kräfte ist nahezu leer gefegt.“ In den meisten kirchlichen Kindertageseinrichtungen gebe es offene Stellen.

Derzeit sorgt die für Kitas und Schulen geplante Masern-Impfpflicht für Aufregung: Ärzte üben massive Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Moosach – mein Viertel“.

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