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Smajl Segashi (l.) hat beim OEZ-Amoklauf seine Tochter verloren, Waffenhändler Philipp K. muss sich seit August vor dem Oberlandesgericht verantworten.

Anklage wegen Beihilfe zum Mord

OEZ-Prozess gegen Waffenhändler: Angehöriger mit flammendem Appell 

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Der Waffenhändler des Münchner OEZ-Amokläufers muss sich vor Gericht seiner Verantwortung stellen. Bei den Angehörigen der Opfer werden im Prozess alte Wunden aufgerissen.

München - Er hatte es nur gut gemeint, doch seine Worte rissen tiefe Wunden wieder auf. Langsam und quälend genau zählte Onur Özata am Montag die Opfer des OEZ-Amoklaufs auf – und nannte die Zahl der Kugeln, die ihre Körper durchbohrt hatten. „Bei Juliano waren es fünf. Er wurde auf niederträchtige Weise ermordet“, sagte der Rechtsanwalt. Mehrere Angehörige verließen danach weinend den Gerichtssaal – einer schlug mit der Faust gegen die Wand. Der größte Schockmoment im Waffenhändler-Prozess!

Seit August verhandelt das Oberlandesgericht gegen Philipp K. (33). Er hatte vor der Tat im vergangenen Juli die Waffe an Amokläufer David S. verkauft und ist deshalb wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Seit Montag plädieren die Nebenklage-Vertreter.

Waffenhändler soll elf Jahre in Haft

Auch Philipp K. ist schuld daran, dass neun Menschen am OEZ starben – darin sind alle einig. Und forderten erneut eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord. Denn K. hatte sich zweimal mit S. getroffen, der dabei laut Ermittlern Tatpläne äußerte: „Kanaken“ wolle er erschießen. Und: „Ich brauche etwas, mit dem ich sofort losballern kann.“

Der Tatort am Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Blumen sollen an die Opfer erinnern.

All das habe der Waffenhändler gewusst – und den Tod junger Migranten billigend in Kauf genommen. „Schon aus dem Nachkauf der Munition war ersichtlich, dass S. die Waffe tatsächlich benutzt hatte“, sagte Rechtsanwalt Jochen Uher. „Seine Gesinnung ist unübersehbar. Ob rechtsradikal oder rechtsextrem: In jedem Fall ist sie abstoßend.“ Für den Angeklagten forderte Uher eine Strafe von nicht weniger als elf Jahren.

Angehöriger mit flammendem Appell

Auf mindestens zehn Jahre plädierte Claudia Neher: „Die Angehörigen kämpfen nicht um Rache, sondern darum, im Leben klarzukommen.“ Philipp K. habe aus Menschenverachtung und Fremdenhass gehandelt. K. habe gewusst, dass die Glock 17 gegen Menschen eingesetzt würde. Und S. wollte vom Angeklagten sogar noch mehr Munition kaufen, „um noch mehr Menschen zu töten“, stellte Reinhard Köppe fest. „Meine Mandantin ist gebrochen, ihr Lebenswille ist zerstört.“

Was die Angehörigen benötigen, „kann so ein Prozess nicht leisten“, sagte Anwalts-Kollege Nico Werning – und gab das Wort weiter an Smajl Segashi, dessen Tochter Armela am OEZ erschossen wurde. „Nur sieben Jahre?“, rügte er die Forderung des Staatsanwalts. „Für zwei Minuten würde ich gerne mit Ihnen tauschen. Damit Sie verstehen, dass acht Monate für jeden der neun Morde zu wenig ist.“ Unter Tränen fügte er hinzu: „Wie wenig wert kann ein Leben nur sein?“ Am Freitag folgen weitere Plädoyers – auch die der Verteidiger.

Andreas Thieme

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