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Leon (11) brach sich den Arm, als er von den Betonplatten der roten Stadt stürzte - kein Einzelfall.

Eltern schlagen Alarm: „Lebensgefährlich“

„Was die Kinder da machen, ist brutal“: Leon bricht sich auf Olympiadorf-Spielplatz den Arm

Die „rote Stadt“ ist alles andere als ein gewöhnlicher Spielplatz. Im Olympiadorf wird vor allem dem Parkour-Sport gefrönt. Manchmal mit schlimmen Folgen.

München - Das Rot der Ziegelsteinmauern auf dem Spielplatz im Olympiadorf ist längst unter bunten Graffiti verschwunden, trotzdem heißt dieser Ort im Volksmund noch immer „die rote Stadt“. Auf einer der Mauern sitzt Leon (11), den Arm in einer Schlinge und fast bis zur Schulter eingegipst, und deutet auf die Betonklötze vor sich. Er erzählt vom waghalsigen Mariasprung, wie ihn die Jugendlichen nennen - ein Hüpfer aus drei Metern Höhe, gut zwei Meter weit, von einem bis zum nächsten Betonklotz. Etwa 20 Mal war er schon hier, zum Spielen, jedes Mal habe er sich ein bisschen mehr Sprünge zugetraut. So wie am Ostersonntag, als er mit seinen Freunden auf dem Gemäuer Fangen spielte, stürzte - und sich den Arm brach.

„Der Spielplatz ist lebensgefährlich“, sagt Leons Stiefvater Peter Orzechowski (66). „Was die Kinder da machen, ist wirklich brutal.“ Ihm und Leons Mutter Sigrid Straßburger (55) sei bis zum Unfall nicht klar gewesen, dass der Spielplatz, von dem ihr Sohn immer sprach, als Übungsplatz für Parkour - sich also möglichst schnell in urbanem Gelände von A nach B zu bewegen - genutzt wird. „Sobald Kinder älter als zehn Jahre sind, hat man sie als Eltern nicht mehr immer im Blick“, erklärt Orzechowski.

Wollen andere Eltern warnen: Leons Mutter Sigrid Straßburger und Stiefvater Peter Orzechowski halten den Spielplatz für „lebensgefährlich“.

Kinder und Jugendliche sollen sich schon Zähne an Mauer ausgeschlagen haben

Leon ist kein Einzelfall. Immer wieder verletzten sich Kinder und Jugendliche auf dem Spielplatz, schlagen sich zum Beispiel Zähne an Mauern aus, sagt Herbert Hantelmann (60), Geschäftsführer der ODBG, einer Gesellschaft der Eigentümer des Olympiadorfs. Die ODBG finanziert den Platz, sorgt etwa für weichen Kies auf dem Boden der roten Stadt, die zur Zeit der Olympischen Spiele 1972 gebaut wurde - ursprünglich als Spielstadt gedacht, in der die Betonklötze als Kaufmannsläden für kleine Kinder dienten.

30 Jahre später wurde der Parkour-Sport zum Trend - und mit ihm die rote Stadt. „Es kommen sogar Gruppen aus Frankreich und England extra nach München, um hier zu trainieren“, sagt Hantelmann. Obwohl ein Schild klarstellt: Die Benutzung ist eigentlich verboten - jedenfalls ohne Genehmigung. Wobei das Verbot nur dafür dient, dass die ODBG bei Verletzungen nicht haftet. Denn: Eine Genehmigung wurde noch nie erteilt.

Wachdienst überprüft zweimal täglich spielende Kinder

Zweimal am Tag käme ein Wachdienst, um einzuschätzen, ob die Kinder alt genug für Parkour und sich der Gefahren bewusst sind. Abreißen lassen will Hantelmann die rote Stadt nicht - auch Skifahren sei gefährlich, sagt er, und trotzdem nicht verboten.

Leons Eltern wünschen sich ein strengeres Verbot für Kinder - und wollen andere Eltern warnen. Leon wird jedenfalls nicht mehr auf den Spielplatz dürfen…

Schriftliche Warnung: Benutzung „auf eigene Gefahr“ steht auf dem Schild.

Unfall auf dem Spielplatz - wer haftet?

Dass sich Kinder beim Spielen verletzen, ist nichts Ungewöhnliches. Trotzdem kommt es immer darauf an, ob der Unfall aus Unachtsamkeit passiert ist - oder ob der Spielplatz nicht sicher genug ist.

Für die direkten Kosten eines Unfalls kommt erst einmal die Krankenkasse oder die Unfallversicherung des Kindes auf. Die hat meistens das Recht, die Summe vom Schadensverursacher zurückzufordern. Spielplatz-Eigentümer müssen haften, wenn Spielplatz-Geräte wie Schaukeln, Rutschen oder Klettergerüste mangelhaft sind. Aber auch Eltern haben Pflichten: Je jünger und unerfahrener das Kind ist, desto mehr müssen die Eltern achtgeben.

Eine schlimme Erfahrung musste auch ein Fünfjähriger auf einem Spielplatz machen: Er wurde durch eine Drogen-Spritze verletzt. Wegen einer Baustelle im Stadtteil Hadern ist ein ganzer Spielplatz weggeräumt worden - und die Anwohner wussten von nichts.

Zu einem Kleinkind-Schock kam es auch, als ein Dreijähriger nur mit Badelatschen und Windeln an alleine durch Braunschweig irrte, wie nordbuzz.de* berichtet. Der Bayerische Jugendring muss für die Folgen einer schweren Augenverletzung bei einer neunjährigen Schülerin aufkommen. Das hat gestern das Oberlandesgericht entschieden.

K. Braun

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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