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Alle Opfer stammten aus Familien mit Migrationshintergrund. Drei Gutachter meinen: Der Amoklauf war politisch motiviert.

Neues Gutachten

OEZ-Amoklauf: Diese fünf Punkte sprechen für rechten Terror

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Ein Gutachten, das am Freitag im Münchner Rathaus vorgestellt werden soll, hat eine neue Diskussion um das Hauptmotiv des OEZ-Amokläufers ausgelöst. Tatsächlich sprechen fünf Punkte für rechten Terror. 

München - Drei Gutachter, die vom Stadtrat und der „Fachstelle für Demokratie“ beauftragt wurden, kommen zu dem Schluss: Die Morde sind als politisch motiviert zu werten. Nach dieser Interpretation wäre die Stadt erneut Schauplatz eines rechtsextremen Terroranschlags geworden - nach dem Oktoberfestattentat 1980 sowie den Morden an Habil K. (2001) und Theodores B. (2005) durch den NSU.

Die Sozialwissenschaftler Christoph Kopke, Matthias Quent und Florian Hartleb wurden beauftragt, die Zeugenaussagen, Ermittlungsakten und die auf dem Computer des OEZ-Attentäters David S. gefundenen Dateien auszuwerten. Die Süddeutsche Zeitung berichtet vorab von den Erkenntnissen der Gutachter.

Die Wissenschaftler kommen zu ganz anderen Schlüssen als die Ermittlungsbehörden. Es sei kein Racheakt für das Mobbing in der Schule gewesen, sondern das rechtsextremistische Weltbild des Täters war demnach tatmotivierend. Bereits zuvor bewertete einer der Gutachter, Florian Hartleb, den Abschlussbericht von Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt als „politische Bankrotterklärung“. Gegenüber dem mdr-Magazin FAKT erklärte Hartleb, es stehe völlig außer Frage, dass der Täter ein rechtsextremes Weltbild hatte.

Diese fünf Punkte sprechen für ein solches Tatmotiv:

1. Die Opferauswahl

Alle Opfer am OEZ hatten einen Migrationshintergrund. Auch die staatlichen Ermittlungsbehörden erkannten einen „Hass auf südosteuropäische Bevölkerungsgruppen“, insbesondere auf türkisch-, albanisch- und balkanstämmige Jugendliche, so Thomas Hampel, Inspekteur der Bayerischen Polizei.

Die Behörden werten diese Opferauswahl jedoch nicht primär politisch. Auf Anfrage der SZ bekräftigt das bayerische Innenministerium, dies sei "dem persönlichen, aber verallgemeinerten Feindbild der ehemaligen Mobber geschuldet“ gewesen. Nicht ein politisches Weltbild, sondern ein Racheakt für die persönlichen Kränkungen in der Schule sei maßgeblich für die Tat gewesen. Das sehen die drei Gutachter anders.

2. Beschimpfungen während der Tat

Während der Tatausführung rief David S. laut Zeugen „Ich bin kein Kanake, ich bin Deutscher“. In einem Video, in dem ein Anwohner den Attentäter von seinem Balkon aus filmte, hört man David S. „Scheiß-Türken“ rufen. Er schreit, dass er selbst Deutscher und in Deutschland geboren sei.  

3. Jahrestag der Anschläge in Oslo und Utøya

Die Schüsse am OEZ fielen auf den Tag genau fünf Jahre nach den Anschlägen in Norwegen von Anders Breivik. In Oslo und auf der Insel Utøya brachte der rechtsextreme und islamfeindliche Terrorist 77 Menschen um. Auch das LKA bestätigte, dass Breivik ein Vorbild für David S. war. Das Datum war also offenbar kein Zufall.

4. Rassistisches Weltbild

Einem Jahr vor seiner Tat verfasste David S. ein „Manifest“, in dem er etwas von „ausländischen Untermenschen“ mit zumeist „türkisch-balkanischen Wurzeln" schrieb. Auf seinem Computer erstellte er eine Datei mit dem Titel „Ich werde jetzt jeden deutschen Türken auslöschen egal wer".

Dass er aus einer iranischen Familie stammt, deutete er als besondere Ehre, denn diese hätten mit den Deutschen denselben arischen Ursprung. Gegenüber Türken und Arabern habe er ein Höherwertigkeitsgefühl gehegt.

5. Bewunderung für Adolf Hitler

Bereits 2016 berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise, David S. habe es als „Auszeichnung“ verstanden, dass sein Geburtstag auf denjenigen von Adolf Hitler fiel - nämlich den 20. April 1998. Während eines Aufenthalts in einer psychiatrischen Klinik habe David S. zudem Hakenkreuze gemalt und auch einmal den Hitlergruß gezeigt. 

Staatsanwaltschaft: Ganzes Motivbündel

Spricht das alles nicht klar für eine rechtsextreme Motivlage? Oberstaatsanwältin Anne Leidig sieht es weiterhin anders. Auf Anfrage des BR meinte Leidig am Mittwoch dazu: "Wie von Anfang an gesagt, lag bei David S. ein ganzes Motivbündel vor, darunter auch eine von ihm aufgebaute krude pseudo-nationalsozialistische beziehungsweise rechtsradikale Gedankenwelt.“ Er sei zwar rechtsextremistisch gesinnt gewesen, aber es sei verfehlt, seine Motivation darauf verkürzen zu wollen.

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