Das Strafjustizzentrum von oben: Anfang 2020 entstand diese Luftbildaufnahme am Leonrodplatz, im selben Jahr sollte das Gebäude fertig sein, doch der Plan ging nicht auf
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Das Strafjustizzentrum von oben: Anfang 2020 entstand diese Luftbildaufnahme am Leonrodplatz, im selben Jahr sollte das Gebäude fertig sein, doch der Plan ging nicht auf.

Prachtbau mit großer Verzögerung

400 Millionen Euro teures Mammut-Projekt: Bayerns größte Baustelle ist in München - spektakuläre Details

  • Andreas Thieme
    vonAndreas Thieme
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Es wird eine Nutzfläche von rund 40 000 Quadratmetern haben und kostet den Freistaat gut 400 Millionen Euro. Am Leonrodplatz wird aktuell das neue Strafjustizzentrum gebaut.

  • Das Herz der bayerischen Justiz wird künftig in einem neuen Prachtbau in München-Neuhausen schlagen.
  • Das wird jedoch noch ein Weilchen dauern. Das 400 Millionen teure Projekt wird sich enorm verzögern.
  • Der Mega-Komplex wird Deutschlands größten Gerichtssaal behergen. Los geht es jedoch nicht vor 2024.

München - Einen hochmodernen Standort und beste Arbeitsbedingungen: Das verspricht sich Justizminister Georg Eisenreich (50, CSU) vom Bau des neuen Strafjustizzentrums, das aktuell am Leonrodplatz entsteht. Das Gebäude wird eine Geschossfläche von rund 40.000 Quadratmetern haben und den Freistaat gut 400 Millionen Euro kosten. Es handele sich „um die größte im Bau befindliche Hochbaumaßnahme des Freistaats Bayern“, sagt Eisenreich.

Ein Mammut-Projekt, das nicht ohne Probleme abläuft. Bereits im November 2015 erfolgte der Spatenstich in Neuhausen, fertig wird das Justizzentrum voraussichtlich aber erst im zweiten Halbjahr 2023, „sodass wir das Gebäude nach einer umfangreichen Erprobung und Einregulierung voraussichtlich im Sommer 2024 in Betrieb nehmen können“, sagt Eisenreich.

München: Neues Strafjustizzentrum noch im Rohbau - Mindestens sechs Behörden ziehen ein

Bei einem so großen Bauprojekt seien „freilich Terminrisiken nie ganz auszuschließen“, ergänzt der Minister. „Wenn unvorhersehbare Ereignisse wie Firmeninsolvenzen oder Nachprüfungsverfahren auftreten, kann das unter Umständen Auswirkungen auf den Terminplan haben.“ In der Corona-Krise sei es bislang nicht zum Stillstand auf der Baustelle Ecke Dachauer und Schwere-Reiter-Straße gekommen. Ursprünglich sollte das Gebäude jedoch schon 2020 fertig werden – doch das hat nicht geklappt, auch weil auf dem ehemaligen Militärgelände Schadstoffe im Boden gefunden wurden. Aktuell laufen am Leonrodplatz die Rohbauarbeiten, die voraussichtlich im kommenden Frühjahr fertig werden. „Im Herbst 2020 wurde bereits mit den Fassadenbauarbeiten begonnen“, sagt Eisenreich.

In spätestens drei Jahren soll das Gebäude dann komplett fertig sein und an die Justiz übergeben werden. Ab Mitte 2024 könnten erste Prozesse stattfinden. Mindestens sechs Behörden werden dann in dem neuen Mega-Bau vertreten sein: das Oberlandesgericht, die Landgerichte München I und II, das Münchner Amtsgericht sowie die beiden Staatsanwaltschaften I und II. „Derzeit prüfen wir, ob die Generalstaatsanwaltschaft München* außerhalb des Strafjustizzentrums besser untergebracht werden kann“, sagt Eisenreich. Dort arbeiten zum Beispiel die Ermittler, die Hetzer im Internet jagen – aktuell an der Karlstraße. Dort werden sie vermutlich auch bleiben, denn zum einen hat sich der Raumbedarf im neuen Strafjustizzentrum Eisenreich zufolge „seit Beginn der Planungen erhöht“. Zum anderen ist Cybercrime die am stärksten wachsende Verbrechensart, wie die aktuelle Kriminalstatistik belegt.

München: Neues Strafjustizzentrums mit gläsernen Fassaden und Deutschlands größtem Gerichtssaal

Visualisierungen zeigen, wie das schicke neue Strafjustizzentrum werden wird: Viel Glas an der Fassade, mehrere Innenhöfe und 54 Gerichtssäle entstehen – darunter Deutschlands größter mit 300 Quadratmetern, der Prozesse mit 200 Personen samt neuster Technik ermöglicht. „Er kann durch eine mobile Trennwand geteilt werden und dient für besonders öffentlichkeitswirksame Verfahren“, sagt Eisenreich.

Sieben Stockwerke wird das Gebäude an seiner höchsten Stelle haben, 1300 Justiz-Angestellte sowie 1250 Prozessbeteiligte werden darin Platz finden. Im Untergeschoss sind Gefangenengänge geplant, im zweiten Untergeschoss entstehen 388 Tiefgaragenplätze. Bis zu 200 Arbeiter werkeln an dem Bau, damit Münchens Justiz beste Bedingungen bekommt. Das alte Strafjustizzentrum am Stiglmaierplatz (1974 erbaut) wird kaum jemand vermissen – es ist muffig und marode.

Auch das neue Bürogebäude Elementum nimmt in München langsam Gestalt an. Wir haben uns die Baustelle mal aus luftiger Höhe angeschaut. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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