Weiß nicht mehr weiter: Martin H.s Leben ist komplett durcheinandergeraten.
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Weiß nicht mehr weiter: Martin H.s Leben ist in der Corona-Krise komplett durcheinandergeraten.

Letzter Ausweg Männerheim?

Wegen Corona: Münchner ist jetzt wohnungslos - vor der Pandemie hatte er einen guten Job in der Innenstadt

  • Laura Felbinger
    vonLaura Felbinger
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Abwärtsspirale wegen Corona - ohne Aussicht auf Linderung: Ein Kellner aus München erzählt, wie ihn zuerst Kurzarbeit, dann Wohnungs- und schließlich der Jobverlust ereilten.

  • Corona inklusive Lockdown-Maßnahmen bringt auch in München* Menschen in finanzielle Nöte.
  • Eine extreme Abwärtsspirale hat ein Kellner hinter sich - er befindet sich vor der Obdachlosigkeit.
  • Es begann mit Kurzarbeit, nun ist er seinen Job los und kann sich keine Wohnung leisten.

München - Martin H. ist am Ende seiner Kräfte. „Ich sehe keinen Lichtblick, keine Perspektive, gar nichts mehr“, sagt der 51-jährige Kellner. Dabei wird die Stimme des sonst so gefasst wirkenden Mannes lauter. Er ist verzweifelt, weil er wirklich alles versucht hat. Aber: Nichts hilft. „Es ist wie bei einem Strudel, der mich hinab zieht.“ Der Münchner hat durch die Corona-Krise seinen Job verloren, konnte sich seine Wohnung nicht mehr leisten und hat Angst, demnächst auf der Straße zu stehen. Eiskalt abserviert!

München und die Corona-Krise: Kleine Angestellte müssen oft als erstes gehen

Martin H. ist kein Einzelfall. Eine Umfrage des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga unter 1380 gastgewerblichen Unternehmern ergab: Drei Viertel aller befragten Hoteliers und Gastronomen sehen ihren Betrieb in der Existenz gefährdet. Ein knappes Viertel zieht bereits konkret eine Betriebsaufgabe in Erwägung. Natürlich trifft die Krise kleine Angestellte als erstes – wie eben Martin H.

„Ich war Kellner in einem Restaurant in der Innenstadt“, erzählt er. Im ersten Lockdown, im Frühjahr des vergangenen Jahres, wurde der 51-Jährige in Kurzarbeit geschickt. „Da habe ich nur noch 950 Euro verdient. Aber die Miete für meine Zwei-Zimmer-Wohnung in Moosach lag bei 800 Euro.“ Ein paar Monate hielt er noch mit seinen Ersparnissen durch. Im Juli entschloss sich der Kellner, in ein günstiges Boardinghouse in Moosach zu ziehen. Da begann seine Odyssee. „Erst hatte ich dort nur 700 Euro gezahlt, dann wurde es immer teurer“, berichtet er. Schließlich zog Martin H. Anfang Dezember in ein anderes Moosacher Motel – doch dort wurde der Betrieb vergangene Woche wegen zu geringer Auslastung kurzfristig eingestellt.

Martin H. war von jetzt auf gleich dazu gezwungen, sich eine neue Bleibe zu suchen. Nun wohnt er in einem Hotel, in dem er 850 Euro Miete zahlt. „Mir blieb nichts anderes übrig, aber ich kann mir das eigentlich gar nicht leisten. Ich muss dringend was Neues finden!“ Bei Freunden oder Familie könne er nicht unterkommen, denn: „die haben selbst wenig zum Leben und kaum Platz bei sich.“ Anderen zur Last fallen will er nicht.

Corona-Krise trifft Münchner Kellner: „Ins Männerheim will ich wirklich nicht“

Ende 2020 wurde auch noch sein Vertrag im Restaurant nicht verlängert. Nun lebt er von 1050 Euro Arbeitslosengeld plus Sozialhilfe. All das zehrt natürlich an den Nerven. „Ich suche nach einem neuen Job, bewerbe mich in Tabakläden und Tankstellen“, erzählt er. Aber nirgends sei eine Stelle frei. Und es geht immer weiter bergab. „Bei der Bank kriege ich keinen Kredit, weil ich keinen Job habe. Im Sozialamt sagen sie, ich soll doch ins Männerheim – aber da will ich wirklich nicht hin!“

Der 51-Jährige hat sein Leben lang gearbeitet. Er wünscht sich ein normales Leben, er will nicht noch weiter in den Abwärtsstrudel geraten. Martin H. fragt sich wie viele andere in der Gastronomie: „Wann hört das endlich auf?“ *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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