Die Corona-Pandemie ist eine riesige Herausforderung für die Kliniken
+
Die Corona-Pandemie ist eine riesige Herausforderung für die Kliniken.

Zufall oder Pandemie-Tote?

Die tödliche Wahrheit über Corona in München: Statistik belegt traurigen Fakt - Infektiologe mit bitterer Prognose

  • Klaus Vick
    vonKlaus Vick
    schließen

In München gab es 2020 mehr Todesfälle als im Durchschnitt der Vorjahre. Wie die Zahlen zu bewerten sind, darüber haben wir uns mit einem renommierten Mediziner unterhalten.

München - In München* hat es 2020 weitaus mehr Todesfälle als im Durchschnitt der vergangenen Jahre gegeben. So lag die Anzahl der Gestorbenen von 2015 bis 2019 bei rund 11.400 pro Jahr. Größere Ausschläge nach oben oder unten waren nicht zu verzeichnen. Anders 2020: Im Vorjahr starben laut den aktuellen statistischen Zahlen der Stadt 12.313 Menschen. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber 2019 (11.571 Tote) um 6,4 Prozent.

München: Corona-Patienten auf Normal- und Intensivstationen nehmen derzeit ab

Eine zufällige Übersterblichkeit oder der Corona-Pandemie geschuldet? Professor Clemens Wendtner, Chef-Infektiologe der München Klinik Schwabing, sieht einen Zusammenhang: „Ich bin überzeugt davon, dass wir eine Corona-bedingte Übersterblichkeit haben.“ In München wurden 2020 rund 580 Todesfälle in Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung registriert. Mittlerweile sind es bereits 685. Das heißt, allein in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres kamen mehr als 100 Corona-Tote in der Landeshauptstadt hinzu.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es: Die Anzahl der Corona-Patienten sowohl auf den Normal- als auch Intensivstationen der Münchner Krankenhäuser nimmt ab. So mussten zum Jahreswechsel noch rund 180 Menschen intensiv versorgt werden, Stand Donnerstag waren es 130. Auf den Normalstationen sank die Anzahl der Corona-Patienten in diesem Zeitraum von rund 400 auf aktuell 300.

Wendtner kann diesen Trend auch für die Häuser der München Klinik bestätigen. „Wir beobachten einen leichten Rückgang der Patientenzahlen.“ Er könne aber noch nicht von Entwarnung sprechen. Insofern sei es auch zu früh, die Corona-Beschränkungen zu lockern. „Ansonsten erleben wir einen Jo-Jo-Effekt.“ Darüber hinaus stecken viele Krankenhäuser nun in einer „Glatteis-Falle“.

Corona in München: Hauptsächlich alte Menschen betroffen - 100-Jährige hat Infektion überlebt

In der München Klinik wurden bisher 1931 Corona-Patienten stationär versorgt. Davon starben 295 Erkrankte – eine Mortalitätsrate von 15,3 Prozent. Vor einem halben Jahr lag diese Quote laut Wendtner noch bei neun Prozent. Nach Auskunft des Infektiologen mussten gerade in den vergangenen Wochen viele ältere Menschen wegen einer Corona-Erkrankung behandelt werden. „Wir hatten viele Patienten aus Altenheimen hier auf Station.“ Vor allem Menschen aus der Gruppe der 80- bis 90-Jährigen seien verstorben. Neben den traurigen Schicksalen gab es aber auch glückliche Momente: „Eine 100-Jährige hat die Infektion überlebt.“

Wendtner hält es für sinnvoll, dass im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen nun FFP2-Masken* getragen werden müssen. „Das hätte man aber auch schon früher einführen können.“ Der Mediziner glaubt, dass wohl bis Ostern mit einer weitgehenden Schließung des öffentlichen Raums gerechnet werden muss. Auch die Gastronomie werde wohl kaum Anfang Februar wieder öffnen. In München waren rund 60 Prozent der bisherigen Corona-Toten älter als 80 Jahre. 35 Prozent hatten ein Alter zwischen 61 und 80. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Auch interessant

Kommentare