Das Studio „Yoga for Friends“ und der Kinder-Second-Hand „Pequitas“ im Gärtnerplatzviertel: Sie haben die Corona-Krise nicht überstanden.
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Das Studio „Yoga for Friends“ in Schwabing (oben) und der Kinder-Second-Hand „Pequitas“ im Gärtnerplatzviertel: Sie haben die Corona-Krise nicht überstanden.

Abschied unter Tränen

„Abschied tut sehr weh“: Corona zwingt Münchner Betriebe in die Knie - Vier traurige Beispiele

Die Corona-Pandemie ist für Gastronomen und Einzelhändler einen Zerreißprobe. Diese Betriebe in München haben die Krise nicht überstanden.

München - Viele Firmen können der Corona*-Krise nicht mehr standhalten. Über 16.000 Unternehmen mussten im ganzen Land bereits 2020 Insolvenz anmelden. Auch 2021 sind immer mehr Kleinstunternehmen und Selbstständige betroffen. 870 Personen- und Kapitalgesellschaften, 20 Prozent mehr als im Vormonat, seien als insolvent gemeldet worden, teilte das Leibniz-Institut mit. „Wir geben auf“, müssen auch in München* immer mehr Betriebe bekennen. Oder sie lassen Verträge auslaufen und orientieren sich um. Wir zeigen vier Beispiele.

Corona-Krise in München: Second-Hand-Shop „Pequitas“ in der Baaderstraße muss schließen

Kleidung, Schuhe, Dreiräder, Autositze, Roller und Spielsachen – seit 18 Jahren dreht sich im Geschäft von Sandra Moncada Passon (50) alles um Kinder. Gut erhalten und günstig ist das, was sie in ihrem Second-Hand-Laden Pequitas in der Baaderstraße 22 verkauft. Doch damit ist jetzt Schluss: Die Corona-Krise hat sie in die Pleite getrieben. „Ich muss aufhören“, sagt die Kolumbianerin unter Tränen.

Sandra Moncada Passon kam vor 24 Jahren nach München. „Ich habe der Dame des Ladens Spanisch-Unterricht gegeben. Als sie sich zur Ruhe setzen wollte, bat sie mich, das Geschäft zu übernehmen“, erzählt Sandra Moncada Passon. Sie investierte viel Liebe und Zeit, brachte sogar Schaufenster-Puppen aus Kolumbien mit an die Isar. „Weil die lustige Sommersprossen hatten, nannte ich den Laden Pequitas.“ Das Geschäft lief gut über die Jahre. 

„Pequitas“ in München: Tränenreiches Corona-Aus - „Mir blutet das Herz“

Eltern gaben die ausgedienten Sachen ihrer Kinder zu Pequitas in Kommission. Sandra Moncada Passon verkauft die Ware weiter, zahlte die ursprünglichen Besitzer aus. „Auch Kinder, die mittlerweile selber Kinder haben, kamen zu mir zum Einkaufen.“

Doch die Corona-Krise und der Lockdown zerstörten das Glück im Gärtnerplatzviertel. Die Einnahmen blieben aus, die laufenden Kosten bestanden weiter, die Hilfe vom Staat war keine Rettung. „Click und Collect funktionierte auch nicht, weil die Kinder nichts anprobieren können.“ Mittlerweile ging sie an ihr Erspartes, um die Miete für ihre Wohnung zahlen zu können. „Die Belastung wurde aber zu groß.“ 

Schweren Herzens traf sie die Entscheidung, Pequitas aufzugeben. Im Mai läuft der Mietvertrag aus. 

„Ich bitte deshalb alle Kunden, ihre Ware vorher bei mir abzuholen, weil ich leider nichts mehr verkaufen kann. Ich bedanke mich bei allen Kunden herzlich für Ihre Treue.“ Wie es weitergeht, weiß Sandra Moncada Passon nicht. „Mir blutet das Herz. Der Abschied tut sehr weh.“

Das Schwabinger Yoga-Studio: „Yoga for Friends“ übersteht Corona-Krise nicht

Neue Kraft tanken, den Körper spüren, ein gutes Gefühl für sich selbst bekommen: All das war Stefan Schleich-Kehr (33) bei seinen Yoga-Schülern immer wichtig. Derzeit ist das Studio in der Schwabinger Haimhauserstraße geschlossen. Doch selbst wenn der Lockdown in ein paar Wochen enden sollte: Die Türen von Yoga For Friends bleiben zu – für immer. Die Krise hat dem Betrieb zu schwer zugesetzt.

Ort der Ruhe mitten in München: Yogi Stefan Schleich-Kehr muss Reißleine ziehen - „Froh, die Last los zu sein“

Im Jahr 2017 hatte Stefan Schleich-Kehr ein Café in ein Yoga-Studio umgewandelt. Mit Erfolg: „Fast 1300 Kunden kamen zu uns, die Abend- und Wochenendkurse waren voll“, erzählt der Münchner und Berliner, der mit 17 bis 18 Yoga-Lehrern eine Insel der Ruhe inmitten der betriebsamen Gegend rund um die Münchner Freiheit erschaffen hatte. „Den ersten Lockdown haben wir trotz Einbrüchen noch bewältigt“, sagt der 33-Jährige. „Doch jetzt muss ich die Reißleine ziehen.“ Seit November ist das Studio geschlossen, die Fixkosten seien nicht mehr tragbar. „Ich bin quasi pleite: mein Erspartes steckt im Studio. Die Novemberhilfe kam vor knapp drei Wochen und die Dezemberhilfe ist immer noch nicht da.“

Nur dank der finanziellen Unterstützung seines Ehemannes habe er noch keine Schulden machen müssen. „Als ich mich deshalb durchgerungen habe, das Studio zu schließen, war ich sehr enttäuscht – aber auch erleichtert, diese Last los zu sein.“ Er werde weiter selbstständig als Yogalehrer und -Ausbilder arbeiten (Infos unter yogamitstefan.com) und auch seinen Schülern rät er, nicht aufzugeben: „Es gibt so viele schöne Erinnerungen, daher lebt auch das Yoga For Friends im Herzen weiter.“ Und er ist fest überzeugt: „Wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue.“

Zwei Gaststätten am Flughafen öffnen nicht mehr: „Bagutta“ und „Mangostin Airport“ verlängern Verträge nicht

Toller Service, exquisites Essen – und das an Münchens Tor zur Welt: Das genossen Touristen und Geschäftsreisende seit 17 Jahren in den beiden Gaststätten Bagutta und dem Mangostin Airport im Terminal 2 vom Münchner Flughafen. Doch die beiden Restaurants sind dort nun Geschichte. Das bestätigte eine Sprecherin der Kuffler Gruppe, zu dem sie gehören, unserer Zeitung: „Der Vertrag für unsere Restaurants im Terminal 2 ist jetzt termingerecht ausgelaufen. Wir verlängern die Verträge nicht.“ Beide Restaurants waren pandemiebedingt seit Monaten geschlossen, das Vertragsende habe ohnehin festgestanden.

Flughafen München: Wären die Lokale ohne Corona noch da? Sprecherin ist sich unsicher

Eine kulinarische Ära am Flughafen geht damit zu Ende. Im Bagutta wurde jeder fündig – ob beim „Business“-Frühstück mit Parmaschinken und Büffelmozzarella, beim bayerischen Weißwurstfrühstück, beim Caesar Salad, Pasta oder Pizza in allen Variationen. Im Mangostin Airport mit seinem rundum verglasten Bau gab es exzellentes asiatisches Essen – vom tailändischen Curry bis zum Sushi. Seit 2003, dem Termin der Fertigstellung des neuen Terminals 2, hatten die beiden Restaurants geöffnet. Ob Kuffler die Lokale behalten hätte, hätte es kein Corona gegeben? Schwierig zu sagen, meint die Sprecherin: „Das hängt ja immer auch am Vertragspartner. Aber wir sind gar nicht mehr in die Phase gekommen, wo man das verhandelt hätte – da war Corona leider schon sehr da.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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