Wirtesprecher Peter Inselkammer über Vorbereitungen unter Vorbehalt

Wirtesprecher Peter Inselkammer: „Eine Wiesn light wird‘s nicht geben“

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Das Oktoberfest steht auf der Kippe: Sowohl Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) als auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sind skeptisch, ob es dieses Jahr eine Wiesn geben kann.

Im Interview verrät Peter Inselkammer, Wirtesprecher und Chef des Armbrustschützenzelts, wie er die Chancen einschätzt und wie die Wirte sich in dieser unklaren Situation* vorbereiten.

Herr Inselkammer, verstehen Sie die Skepsis von Oberbürgermeister Dieter Reiter und Ministerpräsident Markus Söder?

Inselkammer: Ja, die Skepsis ist natürlich nachvollziehbar. Wir wissen nicht, wie sich die Situation weiterentwickelt und wie es mit dem Impfen vorangeht. Wenn die Impf-Geschwindigkeit so bleibt wie jetzt, sind die Chancen wahrscheinlich leider nicht allzu hoch. Aber ich bin von Grund auf ein Optimist und hoffe immer noch, dass die Wiesn stattfindet.

Realistischer Optimist: Peter Inselkammer hofft auf die Wiesn 2021 – aber nicht um jeden Preis.

Wann muss die Entscheidung fallen?

Bis Juni brauchen wir eine Entscheidung, weil ein gewisser Vorlauf nötig ist. Der Aufbau dauert auch einige Zeit. Einige Vorbereitungen aber laufen jetzt schon.

Was wird bereits erledigt?

Wir haben schon die Vor-Reservierungen der Stammgäste abgefragt. Die Rückmeldungen waren sehr positiv: Über 95 Prozent wollten ihre Plätze wieder. Im April kann dann jeder Reservierungsanfragen stellen. Auch die Bedienungen haben wir schon wieder alle an Bord.

Wie sieht es mit dem Essen und dem Bier aus?

Wir sind in Kontakt mit den Lieferanten. Die Lebensmittel bestellen wir aber erst, wenn wir eine sichere Zulassung haben. Das Bier muss reifen und wird drei bis vier Monate vorher gebraut.

Es werde keine „Wiesn light“ geben, sagte Oberbürgermeister Reiter. Wie sehen Sie das?

Genauso. Eine abgespeckte und reduzierte Wiesn mit hohen Auflagen macht keinen Sinn. Es wäre nicht die Wiesn, die wir kennen und mögen, und es täte dem Qualitätsprodukt Wiesn nicht gut. Eine reduzierte Gästeanzahl pro Tisch zum Beispiel wäre schwer durchzusetzen und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Ich glaube auch nicht, dass es eine Maskenpflicht im Bierzelt geben kann.

Wäre eine Wiesn nur für Besucher mit Impfung oder negativem Corona-Test eine Option?

Es entspricht nicht dem Charakter der Wiesn, Gäste auszuschließen, weil sie noch nicht geimpft sind. Ähnlich ist es bei der Testung. Ich kann mir auch von der Logistik her nicht vorstellen, wie das funktionieren könnte.

Was würde eine Absage für die Wiesn-Wirte bedeuten?

Es sind natürlich gerade schwierige Jahre. Das sieht man ja auch daran, dass Familie Heide die Bräurosl aufgegeben hat. Aber ich bin mir sicher, dass es bei der Gastronomie wieder aufwärts geht. Hoffentlich überstehen auch alle Schausteller die Zeit. Sie hat es hart erwischt. Es wäre schade, wenn manche ihr Geschäft aufgeben müssten.

Wird sich das Oktoberfest langfristig verändern?

Vielleicht gibt es zuerst eine Übergangs-Wiesn, aber ich bin mir sicher, dass die Wiesn danach wieder so sein wird, wie wir sie kennen. Die Menschen möchten wieder feiern und gesellig sein. Wenn sie sich sicher fühlen, dann kommen sie auch. Das alte Lebensgefühl wird zurückkehren.

Interview: Claudia Schuri

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Rubriklistenbild: © Achim Schmidt

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