Aus gelben Streifen werden weiße

Münchens Pop-up-Radwege kehren diesmal dauerhaft zurück - Kritik von der CSU

  • Sascha Karowski
    VonSascha Karowski
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Beim Fahrradklima-Test des ADFC schneidet die Stadt München schlecht ab. Der Stadtrat hat auch daher am Mittwoch vier neue dauerhafte Radwege beschlossen - nicht ohne Kritik von CSU-Seite.

München - Aus Gelb wird Weiß: Die sogenannten Pop-up-Radwege kehren zurück – allerdings dauerhaft. Der Mobilitätsausschuss hat gestern mehrheitlich vier Radspuren beschlossen, die im Sommer temporär eingerichtet worden waren. Die Rosenheimer Straße zwischen Rosenheimer Platz und Orleansstraße, die Elisenstraße zwischen Lenbachplatz und Dachauer Straße, die Theresienstraße zwischen Türkenstraße und Schleißheimer Straße sowie die Gabelsbergerstraße zwischen Arcisstraße und Türkenstraße könnten schon ab April mit weißen Markierungen versehen werden. Kostenpunkt: 600 000 Euro. Der Radweg in der Zweibrückenstraße ist bereits im Zuge der neuen Verkehrsführung nach der Sanierung der Ludwigsbrücken beschlossen.

CSU und FDP stimmen gegen die neuen Radwege in München

Der ÖPNV bleibe weiter das Rückgrat der Mobilität in München, sagte Grünen-Stadträtin Gudrun Lux. „Doch das allein reicht nicht, wir brauchen mehr Radwege, sonst können wir uns die Verkehrswende auch an den Hut stecken.“ Der Versuch mit den vorübergehend eingerichteten, gelb-markierten Radspuren im Vorjahr habe gezeigt, dass das Radfahren an neuralgischen Punkten sicherer und attraktiver gestaltet werden könne. „Die Evaluation hat gezeigt, dass die temporären Radwege sehr gut angenommen worden sind“, sagte Andreas Schuster (SPD).

CSU und FDP stimmten gegen die neuen Radwege, CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl kritisierte, dass es eine fundierte Auswertung der „Pop-up-Bike-Lanes“ nie gegeben habe. „Es fehlt jeglicher Hinweis, was die Radwege zum Beispiel für Auswirkungen auf den Schleichverkehr und die Verlagerung haben.“ Im Übrigen sei die Aussage lachhaft, durch die Spuren sei ein Rückgang des Autoverkehrs in den Spitzenzeiten zu verzeichnen. „Das haben wir durch Corona in allen Straßen Münchens“, sagte Pretzl. „Das ist methodischer Dilettantismus.“

CSU-Änderungsantrag wird abgeschmettert - Kritik auch von der bayerischen CSU

Die CSU hatte einen Änderungsantrag gestellt, wonach sie dem Radweg auf der Elisenstraße zustimmen würde, wenn statt einer Fahrspur Parkplätze wegfallen würden. Das lehnte der Stadtrat ab. Mobilitätsreferent Georg Dunkel sagte, bei einer Trassenführung über die Parkplätze stünde im Knotenbereich nicht ausreichend Platz zur Verfügung. „Ich denke, es ist uns insgesamt gut gelungen, die Kfz-Leistungsfähigkeit auch weiterhin erhalten zu können.“

Kritik an dem Beschluss kam am Mittwoch auch vom Freistaat. Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) sagte: „Gerade in einer stark verkehrsbelasteten Stadt wie München braucht es nachhaltige Verkehrskonzepte.“ München* sei auch 2020 wieder die Stauhauptstadt in Deutschland gewesen. „Gerade bei größeren Entfernungen können die Menschen oft nicht auf das Auto verzichten. In dieser Situation Autofahrspuren zu streichen, wird die derzeitigen Verkehrsprobleme meines Erachtens nur noch weiter verstärken. Wir brauchen einen ausgewogenen Mix der verschiedenen Verkehrsträger.“ - Sascha Karowski - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.tz.de

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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