Spielerische Alternative zum Diesel-Verbot: Forscher will Radeln belohnen und Autofahren bestrafen

Geld verdienen beim Radfahren in München? Mit einer Währung für Mobilität soll das möglich sein. Ein Forscher der TUM erklärt sein Konzept „MobilityCoins“.
München - Seit dieser Woche ist für alle Fahrer von Diesel-Autos mit Schadstoffklasse Euro-4 Schluss – außer sie fallen unter eine der Ausnahmen. Auf den Straßen innerhalb des Mittleren Rings gilt dann das Dieselverbot. Klaus Bogenberger, Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Verkehrstechnik an der TU München (TUM), sieht das kritisch. Der Experte und sein Team haben stattdessen eine Währung für Mobilität entwickelt. So könnte, wer sich in München künftig aufs Rad setzt, damit sogar Geld verdienen. „Wir wollen den Menschen nicht die Freiheit nehmen, die in Mobilität steckt“, sagt Bogenberger. Daher setzt das Konzept der „MobilityCoins“, das die Wissenschaftler der TUM entwickelt haben, nicht auf Verbote. Es erinnert mehr an ein Spiel.
Jeder erhält eine gewisse Menge an digitalen Mobilitäts-Münzen - und jede Fahrt kostet
So soll es funktionieren: Jeder erhält eine gewisse Menge an digitalen Mobilitäts-Münzen. Jede Fahrt kostet. Der Preis bestimmt sich nach dem Verkehrsmittel, das man nutzt. Autofahren ist teurer als die U-Bahn oder den Bus zu nehmen. Wer radelt, bekommt Mobilitäts-Münzen gutgeschrieben. Die Fahrten werden mithilfe von Kennzeichen, ÖPNV-Tickets oder Trackern am Rad erfasst. Vor allem spielt die entsprechende Handy-App eine große Rolle. „Für Menschen ohne Mobiltelefon müsste man sich noch etwas überlegen“, sagt Bogenberger.
Auf einem digitalen Handelsplatz kann jeder mit echtem Geld Mobilitäts-Münzen erwerben. „Fahre ich viel mit dem Rad, kann ich meine übrigen Münzen dort verkaufen“, erklärt der Experte. So wird Radfahren belohnt – mit echtem Geld oder besseren Radwegen. Denn, wer nicht verkaufen möchte, kann seine Münzen nutzen, um sie in den Ausbau des Radnetzes zu investieren. Den Preis für die Münzen bestimmen Angebot und Nachfrage. Auch der Staat kann bis zu einem gewissen Preis verkaufen. Um das alles zu kontrollieren, gäbe es, wie an der Börse, eine Marktaufsicht.
Wer wie viele Münzen bekommt, wäre von verschiedenen Faktoren abhängig
Wer wie viele Münzen bekommt, wäre von verschiedenen Faktoren abhängig. Zum Beispiel könnte das Einkommen eine Rolle spielen. Verdient man viel, gibt es weniger Münzen. Auch der Wohnort würde miteinbezogen. Denn auf dem Land ist es schwieriger, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren als in der Stadt. Möchte eine Region ihren CO2-Ausstoß reduzieren, könnte sie insgesamt einfach weniger Münzen zulassen. Denn dann kann folglich auch weniger mit dem Auto gefahren werden.
Das System haben die Wissenschaftler der TUM bereits an etwas mehr als 1000 Münchnern getestet. Das Ergebnis: Die Menschen nutzten das Auto weniger. Aktuell simulieren Bogenberger und sein Team, wie sich die ganze Region damit verändern würde. In einer Woche geht es nun aber erst einmal nach Brüssel. Dort stellt Bogenberger das Konzept auf EU-Ebene vor. SOPHIA OBERHUBER
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