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Drogen-Skandal: Münchner Polizist hat sich 69 Mal Koks liefern lassen - teilweise direkt in die Wache

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Von: Andreas Thieme

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Ein Münchner Polizist muss sich wegen eines Drogen-Skandals vor Gericht verantworten.
Ein Münchner Polizist muss sich wegen eines Drogen-Skandals vor Gericht verantworten - dort werden seine Kollegen, wie im Foto, den Prozess sichern. © Sigi Jantz

Erneut steht die Münchner Polizei wegen eines Drogen-Skandals im Fokus. Diesmal geht es um einen einzelnen Beamten - der Fall nimmt ungeahnte Ausmaße an.

München - Der Drogenskandal rund um das Münchner Polizeipräsidium* nimmt ungeahnte Ausmaße an. Ab Donnerstag wird einem Beamten der Prozess gemacht, der fast zwei Jahre lang Kokain gekauft haben soll. Ihm droht sogar eine Haftstrafe!

Nach tz-Informationen geht es um einen 29-jährigen Beamten, der in der Polizeiinspektion 42 (Neuhausen) eingesetzt war. Ihm legt die Staatsanwaltschaft München I insgesamt 79 Straftaten zur Last. Unfassbar: Der Beamte soll sich sogar Kokain in die Dienststelle bestellt haben.

München: Drogen-Skandal bei der Polizei - Dealer steht wieder im Zentrum

Im Zentrum des Koks-Skandals steht auch in diesem Fall der Drogendealer Hakan P. (Name geändert). Ihn soll der Polizist im Jahr 2016 durch einen Kollegen kennengelernt haben. Später soll er selbst bei dem Dealer bestellt haben - den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge geht es allein bei diesem Komplex um bis zu 69 einzelne Fälle, die dem Polizisten nun zur Last gelegt werden. Er muss sich dafür vor dem Amtsgericht verantworten. Nach tz-Infos kaufte der Polizist das Koks sogar während seiner Dienstzeit oder ließ es bei Besuchen der Disco P1 oder der Wiesn direkt dorthin liefern.

Mehr als anderthalb Jahre lang kamen so Dutzende Drogenverstöße zusammen. Erst Anfang 2018 wurde der Polizist enttarnt. Die Liste seiner mutmaßlichen Vergehen ist so lang wie unglaublich. Den Ermittlungen zufolge soll er in weiteren Fällen auch Kokain an einen Kollegen verkauft haben, um daraus Profit zu schlagen. Entweder bei geheimen Treffen in der Altstadt oder beim Feiern in der City. Die Verabredungen dazu sollen jeweils im Vorhinein telefonisch abgewickelt worden sein.

München: Polizist in Drogen-Skandal verwickelt - Details kommen ans Licht

Die Polizei und der Drogenskandal: Zwischenzeitlich wurde gegen 37 Beamte ermittelt - allein 31 davon waren in München Polizeiinspektionen eingesetzt. Der 29-Jährige, der nun vor Gericht muss, ist dabei einer der ganz dicken Fische. Er soll den Dealer sogar noch gewarnt haben, als er erfuhr, dass die Polizei gegen den Dealer ermittelt. Mitbekommen hatte der Beamte das im Dienst. Doch diese Taktik ging gründlich schief: Denn der Dealer wurde nach seiner Festnahme im Frühjahr 2018 zum Kronzeugen für die Polizei - und benannte auch den Polizisten als Kunden.

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Drogen-Skandal: Münchner Polizist hat sich 69 Mal Koks liefern lassen - auch direkt in die Wache

Das Besondere an dem Fall: Strafbar machte sich der Polizist mutmaßlich nicht nur wegen den Koks-Käufen, sondern auch wegen des Handeltreibens. Dazu kommen mutmaßliche Beihilfehandlungen bei Drogengeschäften sowie der Verrat von Dienstgeheimnissen.

Doch es ist längst nicht der letzte Fall dieser Art: Nach Auskunft des Münchner Amtsgerichts gibt es noch mindestens vier weitere Verfahren, die demnächst gegen Beamte der Münchner Polizei verhandelt werden. In einem Fall geht es nach tz-Infos sogar um fast 150 Drogenverstöße. Laut Staatsanwaltschaft sind es die größten Ermittlungen, die je gegen die Polizei geführt wurden! *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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