Die Corona-Pandemie strapaziert die finanzielle Lage der Stadt München
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Die Corona-Pandemie strapaziert die finanzielle Lage der Stadt München.

Defizit wächst deutlich

München mit 1,5 Milliarden Euro verschuldet - wie sich Corona auf die Finanzen auswirkt

  • Klaus Vick
    vonKlaus Vick
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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie schlagen sich deutlich in der Kasse der Stadt München nieder. Es handelt sich um den größten Schuldenstand seit vielen Jahren. Ein Überblick.

München - Aufgrund der Corona-Krise* hat sich der Schuldenstand der Stadt binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Das geht aus dem vorläufigen Finanzabschluss von Kämmerer Christoph Frey (SPD) für 2020 hervor. Demnach wuchs der städtische Schuldenberg zum 31. Dezember auf rund 1,5 Milliarden Euro an. Ende 2019 waren es noch 636 Millionen Euro. Es ist der höchste Stand seit 2005 (3,41 Milliarden Euro). Münchens Pro-Kopf-Verschuldung stieg von 412 auf 988 Euro.

Münchens Schulden wachsen wegen Corona eklatant - Hilfe von Bund und Freistaat

Die Schulden von München* wären ohne Unterstützung von Freistaat und Bund sogar noch stärker angestiegen. Die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt sanken nämlich im Jahr 2020 gegenüber 2019 von 2,7 auf 1,7 Milliarden Euro. Bund und Freistaat sprangen hier zumindest mit einer Teilkompensation von 669 Millionen Euro ein.

Insgesamt sanken die Einzahlungen aus laufender Verwaltungstätigkeit laut Frey gegenüber dem Vorjahr (7,4 Milliarden Euro) um 381 Millionen Euro beziehungsweise fünf Prozent auf 7,05 Milliarden Euro. Auch bei der Einkommensteuer gab es einen Einbruch. Diese Einnahmen sanken um 60 Millionen Euro. Waren es 2019 noch 1,3 Milliarden Euro, so sank der Gemeindeanteil im vergangenen Jahr um 4,7 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro.

München und die Folgen von Corona: „Mit einem blauen Auge davongekommen“

Frey prognostiziert schon jetzt auch für die Folgejahre jeweils ein Defizit im mittleren dreistelligen Millionenbereich. Der Kämmerer: „Durch die Gewerbesteuerkompensation und das vom Stadtrat beschlossene Haushaltssicherungspaket ist die Stadt 2020 mit einem blauen Auge davongekommen.“ Es gehe nun nicht mehr darum, „ob die Stadtverwaltung Einsparungen vornimmt, sondern nur noch darum, in welcher Höhe eingespart werden muss und gleichzeitig die Pflichtaufgaben erfüllt werden können“. Zudem müssten Bund und Land wohl auch 2021 und 2022 mit einer Kompensation der Gewerbesteuerausfälle* einspringen.

Die Auszahlungen im Investitionshaushalt beliefen sich Frey zufolge 2020 auf rund 1,6 Milliarden Euro, davon entfielen gut die Hälfte auf Baumaßnahmen. Dies stellt gegenüber dem Jahr 2019 (772 Millionen Euro) eine Erhöhung um 35 Millionen Euro beziehungsweise fünf Prozent dar. Für den Neubau des Volkstheaters fielen 37 Millionen Euro an, für den Bildungscampus Freiham inklusive Sportpark 116 Millionen Euro, die Pavillonbauten im KITA-Bereich umfassten rund 13 Millionen Euro. Im Tiefbau wurden rund 112 Millionen Euro ausgezahlt, davon unter anderem 5,5 Millionen Euro für die Brücke Arnulfsteg und 13,7 Millionen Euro für die Nachrüstung des Altstadttunnels.

Die Stadt hat überdies das deutschlandweit größte Schulbauprogramm gestartet, wofür seit 2016 rund 6,6 Milliarden Euro ausgegeben wurden. Für das Jahr 2020 fielen Auszahlungen in Höhe von 365 Millionen Euro an. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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