Bettlerinnen an der Schillerstraße am Münchner Hauptbahnhof.
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Bettlerinnen an der Schillerstraße am Münchner Hauptbahnhof.

KVR und Polizei nehmen Stellung

Elend im Münchner Bahnhofsviertel? Pläne der Stadt machen Unternehmerin fassungslos: „Halten wir für fatal“

  • Sascha Karowski
    vonSascha Karowski
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Die Hoteliers berichten über eine steigende Zahl von Bettlern im Bahnhofsviertel München. Die Polizei dagegen verweist auf die Corona-Situation.

  • Corona hatte zwischenzeitlich die Bettler aus Osteuropa aus dem Stadtgebiet verbannt.
  • Jetzt sind sie allerdings wieder zurück, klagen die Hoteliers im Bahnhofsviertel München.
  • Die Hoteliers kritisieren die Politik - die Polizei widerspricht vehement.

München - „Wir stellen schon fest, dass es in der letzten Zeit unglaublich zugenommen hat“, sagt Kathrin Wickenhäuser vom Hotel Cristal. Egal an welcher Ecke – Schwantalerstraße, Goethestraße, Bayerstraße – Wickenhäuser spricht von deutlichen Steigerungen. „Mittlerweile ist es auch so, dass die Autofahrer angebettelt werden, weil sie wegen der vielen Baustellen im Stau stehen.“

Bettler in München? „Es gab einen Rückgang während des Lockdowns“

Laut einem Polizeisprecher ist das Betteln rund um den Hauptbahnhof* im März und im April nahezu zum Erliegen gekommen. „Es gab einen Rückgang während der Phase des Lockdowns.“ Das deckt sich mit der Einschätzung des Kreisverwaltungsreferates (KVR). „Aufgrund der Corona-Situation* hatte sich die Anzahl bettelnder Menschen zwischenzeitlich verringert. Das hat man besonders in den Monaten März und April bemerkt“, teil KVR-Sprecher Johannes Mayer auf Anfrage mit. Laut Polizei habe sich die Situation zwischenzeitlich normalisiert. „Wir haben so pauschal zwischen 100 und 150 Bettlern im Stadtgebiet. Zum Großteil handelt es sich um Menschen aus Osteuropa, Rumänien und Bulgarien, bei denen wir oft von einem kriminellen Hintergrund ausgehen müssen.“

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Bettler in München: 20 bis 30 Anzeigen pro Jahr - „Das ist relativ konstant“

Schwerpunkte seien der Innenstadtbereich, aber es würde auch Pasing, vor dem PEP in Neuperlach oder am Weißenburgerplatz gebettelt. Es handle sich bei den Bettlern dennoch um Menschen, die „nach unserer Einschätzung bereits in ihren Heimatländern schlecht behandelt werden“, sagt der Polizeisprecher. Die Polizei kann darüber hinaus nur dort handeln, wo es Verstöße gibt. „Anzeigen gibt es immer mal wieder, im Jahr meist so um die 20 bis 30. Das ist ebenfalls relativ konstant.“

Viertel um den Bahnhof München: „Es könnte schon ein bisschen mehr gemacht werden“

Für Kathrin Wickenhäuser ist die Situation aber längst nicht mehr tragbar. Das Bahnhofsviertel verkomme zusehends. „Es könnte schon ein bisschen mehr gemacht werden“, sagt die Unternehmerin. In dem Zusammenhang sieht sie die Pläne der Stadt* kritisch, den Kommunalen Außendienst (KAD) möglicherweise nicht mehr im Bahnhofsviertel* einzusetzen. „Das halten wir für fatal.“

Diese Sorgen seien aber unbegründet, sagt SPD-Vize Christian Vorländer. Die vergangenen Wochen hätten gezeigt, wie wertvoll der KAD ist. „Wir wollen ihn daher beibehalten und weiterentwickeln.“ Die Grünen hatten im Wahlkampf noch die Abschaffung der städtischen Ordnungshüter gefordert. Nach der Sommerpause soll es erste Gespräche geben. Vorländer: „Der KAD wird weiter auf der Straße sein – dort, wie es nötig ist.“ *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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