Der Entwurf mit den beiden Türmen am Paketposthallen-Areal stammt von dem Büro Herzog & de Meuron. 
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Der Entwurf mit den beiden Türmen am Paketposthallen-Areal stammt von dem Büro Herzog & de Meuron. 

Vorhaben auf dem Paketposthallen-Areal

„München ist nicht Shanghai“: Hochhaus-Pläne schlagen hohe Wellen - Flyer mit eindeutigem Titel kursieren

  • Claudia Schuri
    VonClaudia Schuri
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Ragen in München bald Hochhäuser in den Himmel? Auf dem Paketposthallen-Areal sind zwei Türme geplant. Doch es gibt Protest.

München - München wächst – womöglich bald auch in die Höhe? 155 Meter sollen die beiden Hochhäuser in den Himmel ragen, die auf dem Paketposthallen-Areal geplant sind. Dagegen regt sich jetzt Widerspruch. „Alpen Panorama statt Hochhaus-Drama“ steht auf den Flyern, die derzeit verteilt werden.

Darin fordern Gegner dazu auf, an Oberbürgermeister Dieter Reiter zu schreiben: „Verhindern Sie den Bau der Hochhäuser in Nymphenburg-Neuhausen“, steht in dem Musterbrief. Denn die beiden Türme würden eine wichtige Kaltluftschneiße versperren, benachbarte Wohngebiete verschatten, zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen führen und keinen bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Das befürchtet auch Kritiker Wolfgang Czisch. „Wir glauben, dass wieder ein Bürgerbegehren notwendig ist“, sagt er. Generell gegen alle Hochhaus-Pläne. „Die Vorbereitungen dazu laufen schon“, berichtet er. Bereits in den kommenden Wochen könnten die nächsten Schritte für die Protestaktion stattfinden.

„Alpen Panorama statt Hochhaus Drama“ steht auf den Flyern, die derzeit verteilt werden.

Hochhäuser in München: Schon 2004 gab es einen Bürgerentscheid

2004 gab es in München schon einmal einen Bürgerentscheid: Damals sprach sich eine knappe Mehrheit dafür aus, dass keine Hochhäuser die Türme der Frauenkirche überragen dürfen. Damit wurde die Höhe der Gebäude auf 100 Meter begrenzt. Zu dem Thema gibt es in der Stadt außerdem eine Langzeitstudie, die gerade wieder fortgeschrieben wird.

Die Architekten der Türme an der Paketposthalle argumentieren, dass diese sich „in die Tradition anderer Bauten Münchens einreihen“. Aktuell findet ein Bürgergutachten zu dem Areal statt: 126 zufällig ausgewählte Münchner beschäftigen sich vier Tage lang mit dem Gebiet und können ihre Meinung einbringen. Das Gutachten soll im ersten Quartal 2022 fertiggestellt und an den Oberbürgermeister und die Stadt übergeben werden.

Hochhaus-Debatte: München-OB Reiter will Haltung der Bürger beachten

„Wir befinden uns noch ganz am Anfang der Diskussion“, erklärt OB Dieter Reiter. „Die Haltung der Bürgerinnen und Bürger wird dabei eine große Rolle spielen.“ Er sei sehr gespannt auf das Ergebnis. „Auf dieser Grundlage wird dann der Stadtrat über das weitere Vorgehen entscheiden.“

Wolfgang Czisch reicht das nicht. „Als Laie ist es schwer, gegen Experten und Weltarchitekten zu argumentieren“, beklagt er. Seine Befürchtung: „München wird sich komplett verändern.“ Eine „Hochhaus-Stadt“ müsse verhindert werden, denn: „Hochhäuser sind unökologisch und lösen auch nicht das Wohnungsproblem.“

München ist nicht Frankfurt oder Shanghai

Ingeborg Staudenmeyer

Unterstützung bekommt er vom Verein für Stadtteilkultur Neuhausen-Nymphenburg. „Hochhäuser gehören nicht in Innenstadt-Randgebiete“, findet Vorsitzende Ingeborg Staudenmeyer. „München ist nicht Frankfurt oder Shanghai.“ Ihrer Meinung nach hätte es einen städtebaulichen Wettbewerb für das Paketpost-Areal gebraucht.

Sieht es so bald an der Friedenheimer Brücke aus? In einer Simulation der Ausstellung „München von oben herab“ sind die beiden geplanten Türme eingearbeitet.

Auch die Organisatoren der Ausstellung „München von oben herab“ schließen sich den Protesten an und haben den Flyer auf ihrer Internetseite verlinkt. „Es wird ja nicht bei den beiden Hochhäusern bleiben“, sagt Kurator Robert Hölzl.

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