Georg Maier hat den Arm um seine Frau Raphaela geschlungen und grinst in die Kamera.
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Erlag im Alter von 79 Jahren einem Krebsleiden: Iberl-Chef Georg Maier hinterlässt Ehefrau Raphaela (r.) und zwei Töchter.

In Silvesternacht verstorben

„Wollte sich nicht in die Knie zwingen lassen“: Münchner Urgestein beerdigt - große Trauerfeier soll noch folgen

  • Susanne Sasse
    vonSusanne Sasse
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Die Beerdigung von Iberl-Chef Georg Maier fand wegen der Corona-Pandemie in kleinem Rahmen statt. Doch für alle Wegbegleiter, die nicht dabei sein konnten, gibt es eine gute Nachricht.

München - Für einen Lebe­menschen wie den Georg Maier (†79) wäre die letzte Reise mit Pauken und Trompeten, Weinen und Lachen und einem ordentlichen Mahl nach dem Drama gerade recht gewesen - begleitetet von Hunderten von Leuten. Stattdessen waren es ein paar wenige, die ihn mit Masken und traurigen Augen auf seinem letzten Weg zum Grab am Dienstagmittag mit großem Abstand begleiten durften, darunter Schauspielerin und Kabarettistin Monika Gruber, die ihre Bühnen-Karriere im Iberl unter der strengen Regie von ­Georg Maier dereinst begonnen hatte.

„Auch wenn es ein würdiger Abschied ist, Georg Maier hätte das nicht gefallen“, meinte die Kabarettistin. Das Wetter war greißlig, Schneeregen und ein eiskalter Wind pfiff durch die Zweige der Fichten über dem Grab des in der Silvesternacht gestorbenen Iberl-Impresarios. Keine Umarmungen, kein Toast auf den Verstorbenen, keine herzerwärmenden Gespräche, die durch die schweren Stunden helfen - die Corona-Pandemie zwang zu Abstand und Fernbleiben, viele durften wegen der Kontaktbeschränkungen gar nicht erst kommen.

Beerdigung von Iberl-Chef Maier: Frau und beide Töchter unter wenigen zugelassenen Trauergästen

Doch die Allerwichtigsten waren da: Georg Maiers drei große Lieben, Töchterchen Marie (2), die im Schnee spielte, als sein Sarg auf dem Waldfriedhof in Solln in sein Grab hinabgelassen wurde - mit Blickrichtung Iberl, seine Frau ­Raphaela (36) und Maiers große Tochter ­Georgia (47), die fast hinter dem schwarzen Mundschutz verschwand. „Auch wenn wir es schon lange wussten, wie der Krebs in ihm wütet, diese Endgültigkeit ist trotzdem schwer zu verkraften“, sagte sie. „Der Georg hat nur so lange gelebt, weil er sich von der Krankheit nicht in die Knie zwingen lassen wollte“, ist sich Witwe Raphaela sicher. In der Neujahrsnacht hat er sich dann seinem Schicksal gefügt.

Den Trauergottesdienst für die engsten Angehörigen hielt Pater Norbert Thüx - es ist der Pfarrer, der 2016 Georg und Raphaela traute. „Ich erinnere mich gerne an ihn, er war liebevoll, scharf, pedantisch, hatte ein großes Herz und war auf eine nachahmenswerte Weise unbekümmert“, sagte der Pfarrer - und verwies auf die Bergpredigt, in der Jesus den Menschen aufforderte, seine Talente zu nutzen und auf die Zukunft zu vertrauen, statt nur ängstlich und kleingläubig auf sich selbst zu schauen. „Georg Maier hatte viele Talente und hat mit ihnen die Welt beschenkt“, so Thüx.

Beerdigung von Iberl-Chef Maier: Kirche Johann Baptist in Solln fast leer - Alt-OB Ude darf nicht kommen

„I gotta be me“, („Ich muss ich selbst sein“) - aus tiefster Seele sang Maiers Schwiegersohn Eric Brodka diesen Klassiker von Sammy Davis durch die fast leere Kirche Johann Baptist in Solln. Herrschte keine Pandemie, hätte sie niemals ausgereicht für Georg Maiers Trauergäste. Aber so mussten sie zu Hause bleiben. Etwa Alt-Oberbürgermeister Christian Ude, er hätte Georg Maier gern die letzte Ehre erwiesen.

Unter den wenigen, die sich ans Grab getraut haben, war neben Monika Gruber auch Luise Kinseher. Sie habe gar nicht anders gekonnt, da sie ihrem Entdecker Georg Maier ihre Karriere verdanke. Gleiches sagte Schauspieler Sepp Schauer: „Ich habe mich wahnsinnig oft geärgert, weil er so pedantisch war mit uns bei den Proben, aber wenn ich jetzt an ihn denke, dann fallen mir nur schöne und gute Sachen ein.“

Beerdigung von Iberl-Chef Maier: Schwiegersohn gedenkt mit selbst verfasstem Vers

Hansi Kraus verdrückte einige Tränen und sagte: „Ich habe ihn wahnsinnig gerne gemocht und bewundert. Auch seine Kraft, die ihn noch im September die Grattler-Oper spielen ließ, obwohl er schon schwer krank war, was er sich aber nicht anmerken ließ. Diese Männlichkeit bis zum Schluss, das macht dem Georg keiner nach.“

„Oana wia koana“ eben, wie Eric Brodka in einem selbst verfassten Vers vortrug. „Ja, des bist Du gwe’n, und so oan wia Di, den wird’s nimma gem...

Aber doch noch eine große Inszenierung - eine Gedenkfeier für alle und mit allem Drum und Dran - ganz nach dem Geschmack vom Schorsch, sobald es die Pandemie erlaubt. (Susanne Sasse)

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