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Schwierige Branche: Der Laden an der Implerstraße ist nicht das erste Geschäft dieser spezielen Branche, das schließen muss.

„Hatte immer viele nette Stammkunden“

Er schließt seinen Laden nach 22 Jahren und ist frustriert - Waren im Januar stark reduziert

Das Geschäft mit der Lust hat im Einzelhandel keine Konjunktur mehr. Ein Laden in München schließt nun nach 22 Jahren - nicht nur wegen des Internets.

Fast 22 Jahre Jahre lang hat Markus Maurer manch einen Münchner beglückt. Heiße DVDs, gewagte Dessous, jede Menge Liebesspielzeug und sogar spezielle Kurse für Paare bot der 50-Jährige in seinem Sendlinger Erotikshop an. Doch jetzt ist Schluss mit Lust: Der Laden, der unter dem etwas kryptischen Namen „Sexbox over18store“ an der Gaißacherstraße Ecke Implerstraße residierte, schließt am 31. Januar für immer seine Pforten. Für die Flaute macht Geschäftsmann Maurer nicht nur das Internet verantwortlich, sondern auch die überbordende Bürokratie.

„Es gibt viele neue Auflagen, wie zum Beispiel das Verpackungsgesetz, die für einen kleinen Laden einfach zu einem bürokratischen Irrsinn führen“, sagt Markus Maurer. Kunden werden von diesem neuen Gesetz wohl kaum etwas mitbekommen, auf die Händler kommen aber einige Stolpersteine zu. So müssen Hersteller ihre Verpackungen künftig registrieren. „Vor einigen Jahren habe ich maximal zwei Stunden die Woche Büroarbeit gehabt, mittlerweile aber schon mehr als einen ganzen Arbeitstag“, klagt Maurer.

Markus Maurer führte das Geschäft in München seit 2008 alleine

An solche gesetzlichen Vorgaben hat Markus Maurer nicht gedacht, als ihm vor über 22 Jahren die Idee kam, einen Sex-Shop zu eröffnen. „Ich bin mit einem Bekannten zusammengesessen und dann sind wir irgendwie auf die Idee gekommen, einen Sexshop aufzumachen.“ Zunächst hieß der neue Laden Erotix. „Seit 2008 führe ich das Geschäft alleine und habe es in Sexbox over18store umbenannt“, so der 50-Jährige.

Schwierige Branche: Der Laden an der Implerstraße ist nicht das erste Geschäft dieser spezielen Branche, das schließen muss.

Leicht fällt es ihm nicht, den Laden zu schließen. „Ich habe das einige Jahre wahnsinnig gerne gemacht. Ich hatte immer viele nette Stammkunden, die sich gerne beraten lassen haben. Mittlerweile wollen die Kunden aber weniger beraten werden, weil sie meinen, alles aus dem Internet besser zu wissen.“ Die Konkurrenz aus dem Internet ist für Maurer ein weiterer Grund für die Geschäftsaufgabe. Maurer: „Man kann mit den Preisen, die die Großkonzerne im Netz anbieten, als kleines Fachgeschäft einfach nicht mithalten. Das macht viel kaputt, aber davon können etliche ein Lied singen.“

Münchner Händler gibt zum Schluss 50 Prozent Rabatt

In der Tat: Im vergangenen Frühjahr hatte Münchens ältester Sexshop im Tal nach knapp 50 Jahren schließen müssen. Und selbst der Branchenriese Beate Uhse war vor einem Jahr in die Pleite gerutscht. Mit dem Internet begann auch der Niedergang des Erotik-Riesen – da dort Sexfilme quasi frei verfügbar sind, nahm die Nachfrage nach dem einstigen Kassenschlager rapide ab.

Für den einstigen Erotikfachhändler Markus Maurer ist noch klar, was er ab Februar machen wird. Eins steht aber fest: Er wird der gesamten Erotikbranche den Rücken zukehren und sich beruflich umorientieren – notgedrungen. „Das Einzige, auf das ich mich freue, ist, dass ich dem Münchner Stadtverkehr nicht mehr ausgesetzt bin. Teilweise hab ich vom Tegernsee eineinhalb Stunden mit dem Auto zum Geschäft gebraucht“, erzählt der 50-Jährige. Zum Abschluss kündigt er den heißesten Schlussverkauf der Stadt an: Ab dem 2. Januar reduziert er alle Waren um 50 Prozent – schließlich muss sich das Lager leeren.

Dieses Traditionsgeschäft hielt sogar 40 Jahre durch - doch jetzt folgt auch die Schließung. Und hier machte ein Getränkemarkt zu.

Felicitas Bogner

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