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Der Nordturm der Frauenkirche.

Geheime Operation in München

BND im Frauendom: Katholikenrat fordert Abbau der Funkanlagen

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Der Bundesnachrichtendienst nutzte offenbar die Münchner Frauenkirche für seine Operationen in der Landeshauptstadt. Nun wird der Abbau der Funkanlage gefordert. 

München - Der Nordturm des Frauendoms – ein Ort für das Beschatten von Spionen oder ausländischen Diplomaten durch den Bundesnachrichtendienst. Der Katholikenrat der Region München äußert sich auf Anfrage nun „verwundert über die Möglichkeit, dass es am Dom eine Einrichtung des BND zur geheimdienstlichen Kommunikation geben soll“. Man wünsche sich, dass die Anlagen, sofern vorhanden und rechtlich möglich, aus dem Dom entfernt werden.

Vorsitzende Johanna Rumschöttel ergänzt als persönliche Meinung, sie „befremde“ diese profane Art der Nutzung der Domtürme. „Stehen sie für Gläubige und auch Nichtgläubige doch als Symbole und Wahrzeichen unseres christlichen katholischen Glaubens in München.“ Natürlich habe sie als ehemalige Landrätin des Landkreises München ein gewisses Verständnis für die Belange des BND in Pullach. „Aber das muss nicht in einer Kirche sein.“

Auch die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ zeigt sich alarmiert: Sie fordert eine Aufarbeitung der Hintergründe der BND-Aktivitäten, über die zunächst das Magazin Der Spiegel berichtet hatte. „Diese Geschichte wirft erstmal kein gutes Licht auf die Kirche. Ich fürchte, dass diese Zusammenarbeit von Kirchen und Geheimdiensten auch kein Einzelfall war und ist“, so Sprecher Christian Weisner.

Wird die Anlage noch genutzt?

Der renommierte Weilheimer Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom glaubt, dass sich die sogenannte Funkleitzelle des BND nach wie vor im Dom befindet. „Denn auch das Observationskommando besteht noch.“ Gemeint ist damit das Kommando QB30 des BND, das die Sende- und Empfangsanlagen in den Nordturm eingebaut haben soll. Der Einbau soll noch vor 1989 erfolgt sein. Der BND soll laut Spiegel mittlerweile nicht mehr auf die Anlage zurückgreifen. Möglicherweise aber eine andere Behörde, die den Dom ebenfalls für Beschattungen genutzt haben soll.

Experte Schmidt-Eenboom sagt, er sei bei Recherchen im Kreise von BND-Veteranen auf die Funkleitzelle in der Frauenkirche gestoßen und habe den Spiegel ins Boot geholt. Einerseits hätte die Funkleitzelle in den Türmen wohl dem Beschatten von ausländischen Diplomaten gedient. Andererseits der Überwachung von BND-Mitarbeitern, die unter dem Verdacht standen, die Seite gewechselt zu haben.

„Kirche muss eingeweiht gewesen sein“

„Die Observationstrupps haben Funkgeräte“, so Schmidt-Eenboom. Über diese kommunzierten sie mit einem Standort an der Dachauer Straße. „Als Überbrücker für die Signale brauchen sie eine hochgelegene Funkanlage – da ist die Frauenkirche gut geeignet“. Dies sei notwendig, da es in der Innenstadt immer wieder Funkschatten gebe. Der Experte ist sich sicher: „Natürlich muss die Kirche da eingeweiht gewesen sein.“ Zwei Mitarbeiter des BND hätten beispielsweise immer wieder für Wartungsarbeiten an die Anlage im Nordturm gemusst.

Das Erzbistum München erklärt zu dem Fall nur, es befänden sich „diverse technische Einrichtungen von verschiedenen Organisationen“ im Nordturm. Für weitere Fragen solle man sich an den BND wenden, auch Kardinal Reinhard Marx äußere sich nicht zu dem Thema.

Wie handhabt die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern die Kooperation mit Geheimdiensten? Dort heißt es auf Anfrage: „von BND-Anlagen ist uns nichts bekannt“. Vereinzelt gebe es lediglich Mobilfunk-Sendeanlagen auf Kirchtürmen. 

Ramona Weise/Peter T. Schmidt

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