Gewürdigt: Charlotte Knobloch (Mi.) mit Günther Beckstein und Marianne Köster, Repräsentanten der Eugen-Biser-Stiftung.

Eugen-Biser-Preis

Hohe Ehre für die Friedensarbeiterin

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München - Sie ist die erste Frau und die erste Repräsentantin des jüdischen Glaubens, die mit dem Eugen-Biser-Preis geehrt worden ist: Charlotte Knobloch.

Im Beisein zahlreicher Prominenter erhielt die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern die Auszeichnung am Montagabend für ihren Beitrag zur Erneuerung jüdischen Lebens in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Eugen-Biser-Preis geht an Persönlichkeiten, die den interreligiösen und interkulturellen Dialog fördern und sich für Frieden einsetzen. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte das Engagement Knoblochs gegen Antisemitismus und für Aussöhnung. Diskriminierung, Diffamierung und Demütigung seien Bestandteil von Knoblochs Biografie. Jemand, der das erlebt hat, habe jedes Recht der Welt dazu, das Land zu verlassen, in dem ihm das widerfuhr, sagte Lammert. Knobloch habe sich jedoch ganz bewusst entschieden zu bleiben. Noch immer gebe es in Deutschland in offener und unerträglicher Weise Rechtsradikalismus. Trialogisches Denken zwischen Islam, Christentum und Judentum bedeute das Gegenteil von Abgrenzung und sei die Voraussetzung für Frieden und Toleranz. „Jüdisch-islamisch-christlicher Trialog muss aber mehr sein als ein multikultureller Small Talk.“

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) betonte, Knobloch habe „nach der Barbarei der Nationalsozialisten das moderne Bayern mit aufgebaut und dafür gesorgt, dass jüdisches Leben in Bayern wieder blüht“. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bezeichnete Knobloch als „Glücksfall für München“. Richard Heinzmann, Ehrenpräsident der Stiftung des Religionsphilosophen Eugen Biser, sagte, Knoblochs Beitrag zu Frieden und Freiheit sei bewundernswert.

Charlotte Knobloch nahm bewegt den Preis entgegen und fand sogleich wieder deutliche Worte: „Die Welt ist aus den Fugen“, beklagte sie. Wer habe schon ahnen können, „dass wir im 21. Jahrhundert von derart gravierenden globalen Krisen bestimmt würden?“ Der sicher geglaubte Konsens über Demokratie und Freiheit, Menschenrechte, Weltoffenheit und Toleranz würden in Deutschland infrage gestellt, Teile der Gesellschaft wollten nicht mehr dazu gehören. Antidemokratische und antiliberale Ideologien dürften in Deutschland keine Chance mehr haben. „Heute danke ich Gott, dass ich daran mitarbeiten durfte, dem jüdischen Leben in Deutschland eine neue Perspektive und eine Heimat zu geben“, sagte sie. „Ich glaube an die Menschen, trotz der Menschen.“

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