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München wird zur Teststrecke: Roboter-Taxis fahren schon bald durch die Stadt

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Von: Marc Kniepkamp

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Ein Roboter-Taxi fährt durch Tel Aviv
Ein Roboter-Taxi fährt durch Tel Aviv. © Sixt/Mobileye/dpa

Das Technologie-Unternehmen Mobileye wird gemeinsam mit Sixt ab 2022 Roboter-Taxis auf Münchens Straßen schicken. Den Weg dahin hat ein neues Gesetz freigemacht.

München – Wenn man dieser Tage mit Johann Jungwirth spricht, dann merkt man ihm die Vorfreude deutlich an. „Das ist nicht weniger als die Erfüllung eines Traums“, sagt er mit leuchtenden Augen. Dieser Traum ist die Weltpremiere des Robotertaxis. Jungwirth ist Manager bei Mobileye. Das Tochterunternehmen des US-Chip-Giganten Intel mit Sitz in Tel Aviv gilt als weltweit führend in der Entwicklung für Technologien rund ums autonome Fahren.

Gemeinsam mit dem Autoverleiher Sixt startet Mobileye ab dem kommenden Jahr in München und Tel Aviv den Betrieb autonomer Taxis. Das haben beide Firmen auf der IAA Mobility in München angekündigt.

Ein logischer Schritt, nachdem Mobileye die beiden Städte schon länger als Testfeld für selbstfahrende Autos nutzt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Mobileye ein Video, das eine einstündige Fahrt quer durch München zeigt, bei der der Fahrer gemütlich die Hände in den Schoß legen konnte (wir berichteten). Auf dem Dach der Fahrzeuge sind Kameras und Sensoren angebracht, die für eine Rundumsicht sorgen, Selbstreinigungsysteme halten die Sensoren bei jedem Wetter frei.

Roboter-Taxis in München: Fahrer sollen am Anfang noch zur Sicherheit mitfahren

So ganz auf einen Fahrer verzichten wird man am Anfang aber noch nicht. „Zunächst werden wir den Taxibetrieb mit einem Sicherheitsfahrer beginnen“, erklärt Jungwirth. Dann hänge alles an den Behörden: „Wir hoffen darauf, dass wir unsere Flotte in der zweiten Jahreshälfte dann auch ohne Sicherheitsfahrer losschicken können.“

Den Weg dafür hat die Bundesregierung im Sommer frei gemacht. Ein neues Gesetz zum Autonomen Fahren macht Deutschland zum ersten Land, in dem Autos ohne Fahrer in den Regelbetrieb gehen dürfen. „Dadurch wurde die Weltpremiere in München erst möglich“, erklärt Jungwirth. „Die Kanzlerin hat das Thema sehr ernst genommen“, lobt Jungwirth und erinnert sich an eine Testfahrt in Berlin, die Angela Merkel offensichtlich tief beeindruckt hat.

Auch mit der bayerischen Landeshauptstadt stünde man im engen Austausch. Das Robotertaxi-Angebot passe in deren Strategie „Vision Zero“, also dem Ziel von null Verkehrstoten auf Münchens Straßen. „94 Prozent der Unfälle werden durch menschliche Fehler verursacht“, sagt Jungwirth – hier hofft er auf niedrigere Unfallzahlen durch autonome und dadurch vorsichtigere Fahrzeuge.

Roboter-Taxis: Automatisch fahrende Autos sollen auch blinden Menschen helfen

Ein weiterer Vorteil, der nicht sofort auf der Hand liege: Robotertaxis könnten einen Beitrag zur Inklusion liefern. „Gerade für blinde Menschen können diese Fahrzeuge ein Schritt zu mehr Selbstständigkeit sein.“ Blinde seien als Fahrgäste nicht immer beliebt, etwa weil sie schwer zu finden sind, das Auto, das sie abholt, nicht selbstständig erkennen können und häufig einen Hund dabei haben. „Unsere App kann blinde Mitfahrer direkt zum Auto lotsen“, erklärt Jungwirth. Eine Autofahrt könnte so zur neuen Selbstverständlichkeit für diese Menschen werden.

Mit einer Flotte von 25 Fahrzeugen wollen Mobileye und Sixt in München starten. Streng genommen ist der Begriff Robotertaxi nicht ganz korrekt – es handelt sich um einen sogenannten „Ride-Hailing“-Dienst, also ein per App buchbarer Fahrdienst. Bekanntester und umstrittenster Vertreter dieser Branche ist Uber. Die Bundesregierung hatte mit der Novelleriung des Personenbeförderungsgesetzes im Frühjahr 2021 die rechtlichen Grundlage für diese Dienste geschaffen.

Preislich soll der das Robotertaxi zunächst in einem vergleichbaren Rahmen wie andere Anbieter liegen. „Auf lange Sicht wird unser Angebot aber günstiger werden. Die Kosten für den Fahrer entfallen und die Technik wird mit der Zeit immer günstiger“, sagt Jungwirth. Das Betriebsgebiet soll zunächst innerhalb des Autobahnrings liegen sowie die Strecke zum Flughafen umfassen.

Gebucht werden können die Robotertaxis dann über die Mobilitätsapps von Mobileye (Moovit) und Sixt. Die Partnerschaft mit Sixt ist für Mobileye auch eine strategische, mit Blick auf weitere Wachstumsmöglichkeiten. „Es ist unser Ziel, solche Mitfahrdienste auch in anderen deutschen und europäischen Städten anzubieten. Da ist Sixt ein idealer Partner“, meint Jungwirth.

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