Roland Kuffler (r.) mit Sohn Stephan.
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Roland Kuffler (r.) mit Sohn Stephan.

Inbegriff für bairisch-barocke Lebensart

Trauer um einen echten Genießer: Münchner Gastro-Größe tot - auch internationale Stars liebten seine Partys

  • Maria Zsolnay
    vonMaria Zsolnay
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  • Ulrike Schmidt
    Ulrike Schmidt
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Er verstand es, zu leben und legendäre Feste zu feiern: Der Münchner Großgastronom Roland Kuffler ist mit 83 Jahren friedlich verstorben. Wir blicken auf sein Leben zurück.

München - Wenn sich ein Mensch auf die Kunst des Lebens verstand, dann war es Roland Kuffler (†83). Er hat kaum einen Genuss unbeachtet gelassen und liebte es, seine ganze Freude daran zu teilen. Wenn RK, wie er in seinem Gastro-Imperium intern genannt wurde, zum Fest lud – ob es ein Geburtstag, ein Jubiläum oder der traditionelle Fischcocktail war –, dann flogen die delikat angerichteten Tellerchen in den Händen beflissener Bediensteter nur so aus der Küche, und der Fluss aus Schampus und Wein schien unendlich, während der Chef unablässig und mit jedem kommunizierte, ob es nun 50 oder 500 Gäste waren, und ob man nun alles exakt aus seinem Pfälzer Dialekt verstand oder nicht. RK umarmte das Leben, wie es gerade daherkam, allen voran seine Ehefrau Doris.

Überhaupt – Kufflers pfälzische Wiege in Frankenthal, sie hat Roland Kufflers Weg vom Bauunternehmerssohn zu einem der größten Gastronomen der Republik begründet – mit der charakteristischen Offenheit, Geselligkeit und einer beinahe sturen Beharrlichkeit. Fast ein Märchen. Weil Roland Kuffler schon als Student in den 60er-Jahren in Heidelberg die Lokale zum Feiern fehlten, schuf er mit seinem Kommilitonen Erich Kaub einfach selbst Orte, an denen man sich mit anderen gerne traf: Kneipen, Kleinkunstbühnen und Diskotheken. Bald in jeder Universitätsstadt von Berlin bis Wien machten sie die Nacht zum Tag – der Name Tangente ist bis heute legendär.

München: Gastronom Kuffler hinterlässt drei Kinder - sie waren sein größtes Glück

Und so kam auch schnell eines zum anderen, nachdem Roland Kufflers Partner Erich Kaub dazu noch eine bildschöne Schwester hatte, Doris. Sie führte RK vor 54 Jahren vor den Traualtar, und sie war ein Leben lang als strahlende Gastgeberin an seiner Seite, mit ihr konnte er die Kunst des Lebens zu immer neuen Blüten treiben – die drei Kinder Stephan (54), Catherine (50) und Sebastian (45) waren und sind das größte Glück.

Die Sommer verbrachte man in einem eigenen Domizil in Südfrankreich, die Winter in Kitzbühel, während Roland Kuffler an immer neuen Ideen schmiedete und sein Reich ausbaute – mit zahllosen Restaurants, dem Weinzelt auf dem Oktoberfest und einem eigenen Hotel, dem Palace. Inzwischen führen die beiden Söhne das Gastro-Imperium allein, seit sich Roland Kuffler 2016 alters- und krankheitsbedingt ins Private zurückgezogen hat.

Kuffler hatte Bodenhaftung: Sonntags pflegte er auf Gastro-Tour zu gehen

Was Kuffler so erfolgreich machte, waren nicht Höhenflüge, sondern seine Bodenhaftung: Sonntags pflegte er auf Gastro-Tour, quer durch sein Münchner Imperium, zu gehen. Also vom Mangostin über den Haxnbauer, das Spatenhaus, das Seehaus und das Hotel Palace bis zum Wirtshaus im Grüntal. Um erstens den hausgemachten Kartoffelsalat zu probieren, und zweitens, zu prüfen, ob das Klopapier den Anforderungen an Geschmeidigkeit entsprach. Nebenbei hielt er die Gäste vom Löcher-in-die-Luft-Starren und die Angestellten von der Arbeit ab, um alles, aber auch restlos alles zu erfahren. Das war das Geheimnis des Erfolgs!

Der ehemalige Wiesn-Wirte-Sprecher Toni Roiderer zollte ihm gegenüber unserer Zeitung einst neidlos seine Anerkennung: „So an Aus’gschlafenen wie den Roland gibt’s nur wenige. Er ist clever, pfiffig und umsichtig!“ Und Wiggerl Hagn erinnerte sich einmal an die Skepsis der Münchner, als sich der Pfälzer Roland Kuffler vor knapp 40 Jahren für das Spatenhaus an der Oper beworben hatte… Dabei wurde RK in München* zum Inbegriff für bairisch-barocke Lebensart. Sein Humor in allen Schattierungen war einzigartig – das hat ihn auch innig mit seinem Sohn Stephan verbunden.

Feste mit Münchner Society, Prominente und internationalen Stars

Und dazwischen – immer wieder Feste, große Feste, bei denen sich die Münchner Society, Prominente und internationale Stars besonders gern zeigten, denn da pulsierte das Leben, dort war es ein einziger Genuss.

Nur die letzten Jahre – die waren ein Abschied vom Leben auf Raten. Das letzte Mal Südfrankreich vergangenen Sommer, das letzte Bierchen zum Abendessen daheim in Grünwald vor ein paar Wochen. Eine spezielle Art der Demenz raubte Roland Kuffler vieles, was er einmal war, aber nicht sein liebenswertes Wesen und sein Gedächtnis, bis zuletzt war er gegenwärtig und hat für sein Leben und seine Liebsten gekämpft, wie er sein ganzes Leben ein Kämpfer war.

Am Dienstagvormittag aber hat er sich fügen müssen – mit seiner Frau Doris und den drei Kindern an seiner Seite. -Ulrike Schmidt

Vom Studenten zur Gastro-Größe – ein sagenhafter Aufstieg

Es war ein Skandal, was sich Roland Kuffler 1984 erlaubte: ein Weinzelt auf der Wiesn, dem größten Bierfest der Welt! Der damalige Oberbürgermeister Georg Kronawitter verglich das gar mit dem Untergang des Abendlandes. Die Wogen haben sich längst geglättet, ganz im Gegenteil, das Weinzelt ist zu einem der begehrtesten Zelte überhaupt geworden. Damals haben sich Roland und Doris Kuffler mit ihrem Geschäftspartner, dem späteren Präsidenten des Hotel- und Gaststättenverbandes, Dr. Erich Kaub (Bruder von seiner Ehefrau Doris), glücklicherweise nicht beirren lassen.

Kaub und Kuffler wussten es eh besser: Beide lernten sich beim Studium in Heidelberg kennen und merkten schnell, was den Studenten wirklich fehlte, ein Platz zum Feiern und Trinken. Aus einer Kneipe wurden viele namens Tangente, Tangente Jour, Parabel (in München in der Trautenwolfstraße) sowie einige –Beatclubs - in der ganze Republik und sogar in Österreich.

1968 zogen sie nach München. Hier gründeten sie die Wurstkuchl, eine Kette. Später den Haxnbauer, das Spatenhaus an der Oper (1982), das Seehaus, das asiatische Mangostin, zeitweise die Menterschweige und natürlich das Wiesnzelt, die Krönung für jeden Gastronomen.

Nach der Trennung von Kaub bandelte Kuffler geschäftlich mit Gerd Käfer an

Nach der Trennung von Kaub bandelte Kuffler geschäftlich mit Gerd Käfer an, und die beiden ließen Wiesbaden und Frankfurt (u.a. die Alte Oper, Flughafen) kulinarisch glänzen. 2002 übernahm die Kuffler Gruppe das Hotel Palace in München und machten daraus ein 5-Sterne-Boutiquehotel.

Es gab auch finanziell weniger lukrative Projekte, wie das 450-Plätze-Restaurant Kuffler California Kitchen im Palais an der Oper, der ehemaligen Hauptpost. Sohn Stephan Kuffler, der mit seinem Bruder Sebastian mittlerweile die Geschäfte führt, räumte ein, dass es sich nicht gelohnt habe. Bei angeblichen 123 Millionen Euro Jahresumsatz der Kuffler-Gruppe mit 30 Restaurants und 850 Mitarbeitern gehören, glücklicherweise zu verschmerzen. mz - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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