Tödlicher Dammbruch in Brasilien: Eine gigantische Schlammlawine verwüstet ein ganzes Tal.
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Tödlicher Dammbruch in Brasilien: Eine gigantische Schlammlawine verwüstet ein ganzes Tal.

 „Wir wollen Gerechtigkeit“   

Tödlicher Dammbruch in Brasilien: Angehörige klagen in München gegen TÜV   

Izabela Barroso (30) machte gerade Mittagspause, als der Staudamm in Brumadinho im Januar 2019 brach. Sie ist eine von 270 Todesopfern. Hinterbliebene kämpfen jetzt in München für Gerechtigkeit.

München - Am 25. Januar brach in der brasilianischen Gemeinde Brumadinho das Rückhaltebecken einer Eisenerzmine. 13 Millionen Kubikmeter ergossen sich ins Tal - 272 Menschen starben, die Umwelt ist verwüstet. Jetzt klagen die Angehörigen der Opfer auf Schadenersatz in München. Warum hier? Weil eine brasilianische Tochterfirma von TÜV Süd den Damm nach einer Prüfung für sicher hielt. Am Mittwoch war Auftakt vor dem Landgericht.

Eines steht schon fest: „Eine gütliche Einigung kommt nicht zustande“, stellte die Vorsitzende Richterin Ingrid Henn fürs Protokoll schnell fest. Eine Entscheidung soll am 1. Februar 2022 fallen. Die Fronten sind verhärtet - es droht eine Schlammschlacht!

TÜV für die giftige Schlammlawine verantwortlich?

Der zuständige Gutachter der TÜV-Tochtergesellschaft TSB fühlte sich damals von der brasilianischen Betreiberfirma Vale „unter Druck gesetzt“. So hat er „wider besseren Wissens“ eine Stabilitäts-Erklärung für den Damm abgegeben, so die Kläger. Das sind der Bürgermeister der Gemeinde Brumadinho und die Familie eines Todesopfers, der Ingenieurin. Vor Gericht steht nun die Gemeinde Brumadinho und die Familie einer bei der Katastrophe getöteten Ingenieurin Izabela Barroso. Opfer-Anwalt Jan Erik Spangenberg sagt, dass 1200 Angehörige Ansprüche stellen könnten.

Izabela Barroso auf ihrer Hochzeit. Jetzt ist sie tot, ihr Bruder Gustavo ist Mitkläger gegen TÜV Süd.

Katastrophe nach Dammbruch in Brasilien - TÜV bestreitet jede Schuld

Die TÜV-Süd-Anwälte bestreiten jegliche Schuld. Die wahrscheinliche Ursache für den Dammbruch seien Bohrungen und Sprengungen gewesen, für die der Bergbaukonzern Vale verantwortlich sei. Der Bruder der toten Ingenieurin, Gustavo Barroso, sieht das ganz anders: „Ich bin sehr traurig und empört, dass sich der TÜV Süd immer noch weigert, seine volle Verantwortung zu übernehmen.“ Der Bürgermeister von Brumadinho, Avimar Barcelos, betont: „Meine Gemeinde hat 272 Tote zu beklagen. Sie sollten noch einmal vor Ort kommen und sich anschauen, was Sie angerichtet haben!“

Kläger-Anwalt Spangenberg ist sich sicher: Der TÜV Süd habe gewusst, „dass der Damm sich in einem schleichenden Bruchmodus befand“. Aber diese Informationen seien ignoriert worden: Auftraggeber Vale hätte sonst den Betrieb in Brumadinho einstellen müssen.

Vale - einer der größten Bergbaukonzerne der Welt - hatte die Haftung übernommen und im Februar in einem Vergleich mit dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais sechs Milliarden Euro Entschädigung für die Region zugesagt. Rund ein Drittel davon soll an die Gemeinde und Bevölkerung gehen. Aber: Die brasilianische Gemeinde habe laut Spangenberg nur 159.000 Euro erhalten, direkte Zahlungen an die Opfer gebe es nicht. Das Geld fließe auch an 852 andere Gemeinden, auch für den Bau einer Autobahn… Die Opfer erhoffen sich vom TÜV Süd einen dreistelligen Millionenbetrag. Bürgermeister Barcelos: „Wir sind voller Vertrauen in die hiesige Gerichtsbarkeit. Wir kommen gegen Vale in Brasilien nicht an.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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