München U-Bahnlinie U5 soll bis nach Freiham ausgebaut werden.  Münchens Ex-Bürgermeister Josef Schmid hat da seine Zweifel.
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München U-Bahnlinie U5 soll bis nach Freiham ausgebaut werden. Münchens Ex-Bürgermeister Josef Schmid hat da seine Zweifel.

Zoff zwischen CSU und Grünen

Tram hat Vorfahrt – droht jetzt das Ende des U5-Ausbaus? Münchens Ex-Bürgermeister mit klaren Worten

  • Sascha Karowski
    vonSascha Karowski
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Ist die Verlängerung der U5 nach Freiham Geschichte? Münchens Ex-Bürgermeister Josef Schmid behauptet genau das.  

München - Wenn es um das Thema U-Bahn-Ausbau geht, kommt die Grüne Mamba gern auf den Tisch. Dabei handelt es sich tatsächlich nicht um ein giftiges Tierchen, sondern um eine Parteizeitung. In dieser hatten sich die Grünen einst gerühmt, den Weiterbau der U-Bahn 5 nach Pasing verhindert zu haben. Das war zwar schon im November 2002. Aber dennoch werden derlei historische Schriften immer wieder mal gerne zitiert, wenn angedacht ist, den Grünen eine Aversion gegen unterirdische Verkehrsmittel zu unterstellen. Zuletzt beispielsweise von CSU-Chef Manuel Pretzl – als Replik auf die Grünen-Wahlplakate, die den raschen U-Bahn-Ausbau propagierten. Dieser Zwist zwischen CSU und Grünen nimmt nun erneut Fahrt auf, und erneut geht es um den Ausbau der U5 – aber diesmal nach Freiham.

München: U-Bahn-Verlängerung bis nach Freiham faktisch vom Tisch?

Bekanntlich ist die Verlängerung der Linie U5 vom Laimer Platz bis nach Pasing bereits beschlossen, die Arbeiten haben gar begonnen. Doch nun glauben der Landtagsabgeordnete und Ex-Bürgermeister Josef Schmid und die CSU im Westen, die U-Bahn-Verlängerung bis nach Freiham sei faktisch vom Tisch. Grund ist die Tram. Wie berichtet, hatte der Stadtrat unlängst das Nahverkehrskonzept genehmigt. Das sieht auf Wunsch von SPD und Grünen unter anderem den priorisierten Bau der Linie 17 über Obermenzing und Aubing bis nach Freiham vor. Mit der Trasse soll das neue Stadtviertel für 25.000 Menschen erschlossen werden. Problem: „Eine Tram neben beziehungsweise vor der U-Bahn ist niemals finanzierbar“, sagt MdL Schmid. „Oder anders herum: Finanziert man vorher die Tram, wird es den dringend benötigten Zuschuss des Bundes in Höhe von mehreren hundert Millionen nicht mehr geben können.“ Schmid hat als U-Bahn-Gegner die Grünen ausgemacht. „Alle haben im Wahlkampf gesagt, dass sie die U-Bahn nach Freiham wollen. Ich finde es daher einen Skandal, wenn die Pläne nun begraben werden.“

Münchens Ex-Bürgermeister Josef Schmid (CSU) hat Sorge um den U5-Ausbau.

Münchens Bürgermeisterin Habenschaden (Grüne) kontert mit harten Worten

Münchens Bürgermeisterin Katrin Habenschaden sagte gestern auf Anfrage, die CSU konstruiere einen Konflikt, den es nicht gebe. „Die grün-rote Koalition hat den Bau der U5 nach Freiham mit optionaler Verlängerung bis Germering im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Daran wird auch nicht gerüttelt.“ Zusätzlich zur U-Bahn auch Trambahnverbindungen zu prüfen, halte sie aber für richtig. Die Stadt brauche neben der U-Bahn auch gute tangentiale Verbindungen, um den Münchner Westen besser öffentlich zu erschließen.

Der Versuch der CSU, die Münchner beim Thema Verkehr zu spalten, sei bereits im Kommunalwahlkampf 2020 gescheitert. „Es wundert mich, dass die CSU daraus keine Lehren gezogen hat“, sagt Habenschaden, die die CSU im Wahlkampf wähnt. Statt diesen für die Bundestagswahl nun vorzuziehen, sollte sich die CSU lieber an ihren Minister Andreas Scheuer wenden. „Damit der Bund den Städten endlich mehr Geld zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung stellt.“ Das Argument allerdings kommt ebenso oft auf den Tisch wie die Grüne Mamba.

München baut sein ÖPNV-Netz aus. Ziel ist es, den Autoverkehr in der Stadt zu verringern. Im Dezember 2020 kommt der Plan eines U-Bahn-Rings auf den Tisch.

Demo gegen die Verlängerung der Tram 23 

Kaum ein Verkehrsprojekt spaltet die Münchner so rasch wie das einer neuen Trambahn. Ob West- oder Nordtangente – sobald es Planungen gibt, gibt es Widerstand. So auch am Kieferngarten, wohin die Tram 23 verlängert werden soll. Protestler hatten ihrem Ärger mit einem offenen Brief an die Stadträte Luft gemacht. Am Samstag nun folgte eine Demo vor Ort. „Bei allem Verständnis für ein optimales Verkehrsnetz im ÖPNV wäre mit der Fortführung der Tram 23 von der Bayernkaserne zum U-Bahnhof Kieferngarten ein Verkehrsmittel zu viel auf der Strecke. Das wäre ein Millionengrab“, heißt es in einer Stellungnahme der Demo-Organisatorin, der Siedlerschaft Kieferngarten. Der Verein vertritt die Interessen von etwa 2000 Bewohnern auf circa 400 Grundstücken. (ska) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie schlagen sich deutlich in der Kasse der Stadt München nieder. Es handelt sich um den größten Schuldenstand seit vielen Jahren. Ein Überblick. Im Sommer 2020 gab es schon die erste Hiobsbotschaft - Münchner Fahrgäste müssen sich länger gedulden: Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs wird verschoben - wegen Corona.

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