Landeshauptstadt bei Blitz-Statistik vorn

Münchner aufgepasst: Experte klärt über Gewitter-Mythen auf - „Nein, das ist falsch“, „Besser ausstecken“

  • VonMartina Williams
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Unwetter sind heuer in München keine Seltenheit. 2020 belegte die Landeshauptstadt sogar den ersten Platz bei Blitzeinschlägen. Doch was tun, wenn es gewittert?

München - München ist wieder einmal Spitzenreiter. Diesmal beim Wetter – als blitzreichste Landeshauptstadt Deutschlands! 698 Einschläge hat es im vergangenen Jahr gegeben, das sind 2,3 pro Quadratkilometer, wie der neue Siemens-Blitzatlas zeigt.

Die meisten Blitze wurden 2020 im Juni und Juli registriert. Und warum kracht es in München* so viel? „Südbayern war schon immer ein blitzreiches Gebiet, durch die Alpennähe, die vielen Seen und die Wärme“, erklärt Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdienstes von Siemens (Blids) gegenüber der tz. „Doch die Gewitterfronten sind nicht jedes Jahr gleich, München liegt 2020 durch Zufall vorn – im Jahr 2021 kann es eine andere Stadt sein.“

Wetter in München: Schon jetzt blitzte es häufiger als 2020

Markant ist aber: Sechs der zehn blitzreichsten Städte und Kreise Deutschlands lagen 2020 in Bayern, insgesamt 113.967 Einschläge wurden in unserem Bundesland gezählt. Mit 5,1 Blitzen pro Quadratkilometer liegt Kempten vorn, dahinter folgen die Kreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Lindau mit Werten zwischen 4,2 und gut 4,7. Nur die Blitzdichte in Wolfsburg ist mit 5,8 höher als in Kempten.

Die Blitze werden mit Hilfe von rund 160 Messstationen in Europa gemessen. „Mit der Software können wir bis auf 50 Meter genau ermitteln, wo gerade ein Blitz eingeschlagen hat“, so Thern. Gekracht hat es deutschlandweit insgesamt 399.000 Mal (21 Prozent mehr als 2019). Höhepunkt war der 13. Juni mit 89.000 Einschlägen. Und 2021? Thern: „Es gibt heuer schon jetzt mehr Blitze als 2020. Wie viele es werden, werden die nächsten ein, zwei Monate zeigen…“

Stefan Wild, stellvertretender Leiter vom Sachgebiet Blitzschutz der Münchner Feuerwehr*, klärt die gängigsten Mythen auf. So werden Sie mit der tz blitzgescheit! *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Experte klärt Gewitter-Mythen auf: Stimmt es, dass… 

... man Buchen suchen, Eichen weichen soll? Blitzexperte Stefan Wild: „Nein, das ist falsch. Dem Blitz ist es egal, welcher Baum da steht. Der Strom sucht sich nur den Weg des geringsten Widerstands.“

... Blitze immer am höchsten Punkt einschlagen? Wild: „Jein. Stromstarke Blitze schlagen immer am höchsten Punkt ein, die mit geringerer Stärke können auch kleinere Gebäude treffen. Beispiel Frauenkirche: Die beiden Türme schützen nur einen Teil des Kirchenschiffs. Am Ende kann ein Blitz trotzdem ins Dach einschlagen.“

... dass man nicht duschen soll, wenn es blitzt? Wild: „Besser nicht. Auch wenn Bade- und Duschwannen heutzutage meistens aus Acryl und nicht mehr aus Metall sind – der Wasserhahn ist immer noch aus Metall, und der kann den Strom weiterleiten.“

... dass man beim Gewitter sein Handy weglegen soll? Wild: „Wenn es mit dem Netz verbunden ist, also geladen wird, während man telefoniert, ja!“

... man stirbt, wenn man vom Blitz getroffen wird? Wild: „Nein, es gibt viele, die es überlebt haben. Bei einem Gewitter in Andechs hatte ein junger Fußballspieler eine Goldkette um. Der Strom wurde damit um sein Herz herumgeleitet. Er hatte zwar schlimmste Verbrennungen am Hals, aber zum Glück überlebt.“

Wenn es blitzt, besser nicht schwimmen gehen

... man sich flach auf den Boden legen soll, wenn es blitzt? Wild: „Nein. Nicht hinlegen, sondern besser hinhocken, hinkauern. Das hat mit der Schrittweite zu tun. Bleibt man stehen, ist der Abstand zwischen den Füßen größer, heißt, der Körper greift eine größere Spannung ab. Deshalb ist die Gefahr für Kühe mit einer Schrittweite von etwa zwei Metern so groß. Wer also in die Hocke geht oder sich hinkauert, hat eine geringere Schrittweite – und ist damit sicherer.“

... man nicht Fernsehen soll beim Gewitter? Wild: „Stimmt. Besser ausstecken! Denn die Satellitenschüssel ist meistens der höchste Punkt am Haus. Über die Kabel wird der Strom ins Gerät geleitet, das dadurch schlimmstenfalls explodieren kann.“

... man nicht schwimmen soll, wenn es blitzt? Wild: „Stimmt! Das Wasser ist ein guter Leiter. Selbst wenn der Blitz zehn Kilometer entfernt einschlägt, hat das Auswirkungen auf den Körper. Man sollte auch sonst keinen Wassersport bei Gewitter betreiben, wie Segeln oder Surfen.“

... man im Auto geschützt ist? Wild: „Ja. Das Auto ist ein Faradayscher Käfig und dieser leitet die elektrische Entladung um Fahrer und Beifahrer herum. Fenster schließen!

... dass man vom Motorrad absteigen soll bei Gewitter? Wild: „Nein, man sollte einen Schutzraum aufsuchen. Jedes Gebäude ist sicherer als ein Motorrad.“

... man zählen kann, wie weit ein Blitz entfernt ist? Wild: „Ja. Der Schall hat eine Geschwindigkeit von 333 Metern pro Sekunde. Sieht man einen Blitz, kann man die Sekunden bis zum Donner zählen. Dann die Zahl mit 333 multiplizieren. Das ist die Entfernung des Gewitters in Metern.“

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Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/Plusphoto/dpa/IMAGO

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