+++ Eilmeldung +++

Warnung vor Erdrutschen: Es droht tagelang erhebliches Unwetter - Erster Schnee liegt in Bayern

Warnung vor Erdrutschen: Es droht tagelang erhebliches Unwetter - Erster Schnee liegt in Bayern

Neuer Standort im Umland

München: „Bestausgestatteter Plattenladen“ macht dicht - Betreiber zeigt sich entnervt: „Corona hat es beschleunigt“

  • Armin T. Linder
    vonArmin T. Linder
    schließen

Ein Schallplattenladen in München, den sogar sein Konkurrent als „bestausgestatteten“ der Stadt bezeichnet, schließt seine Tore für immer.

  • "Der Schallplattenladen" in München schließt seine Tore - und eröffnet außerhalb der Stadt wieder.
  • Corona habe die Entwicklung beschleunigt, so der Betreiber.
  • Ein Konkurrent nennt ihn den "bestausgestatteten Plattenladen" der Stadt.

München - Es sagt schon eine Menge aus, wenn der Betreiber eines Geschäfts einen direkten Konkurrenten als „mit Abstand bestausgestatteten Plattenladen Münchens" bezeichnet. Erst recht, wenn sich dieser in der Nachbarschaft befindet und der Zitatgeber einen Ruf als - wenn auch in positivem Sinne - Grantler hat. Doch genau so wird Günter Seewald vom „Mono“ in Haidhausen zitiert, im Münchner Plattenladen-Report des Vinyl-Magazins „Mint“.

Jenen Begriff - „mit Abstand bestausgestatteter Plattenladen Münchens“ - wählte er für den nur wenige Fußminuten entfernten „Der Schallplattenladen“ in der Pariser Straße. Dass dieser für immer schließen würde, wusste er da noch nicht. Doch genau das bestätigt Inhaber Stefan Maierhofer auf Anfrage unserer Redaktion.

Schon auf seiner Homepage war die Unsicherheit nachzulesen: „Liebe Kunden des Schallplattenladens, leider bedingen die Coronasituation und deren Bestimmungen eine Neuausrichtung des Ladens. Wie Ihr wisst, haben wir in unserem Laden eine ziemliche Beschränkung in den Räumlichkeiten. Die Abstandsregeln können wir eigentlich nicht einhalten und gewährleisten. Um Problemen damit, und vor allem mit dem KVR aus dem Weg zu gehen, ist der Laden bis auf weiteres nicht geöffnet.“

Doch inzwischen ist klar: Maierhofer macht seinen Laden zu. Für immer. Von Rock/Pop über Indie bis Jazz bot er lange Jahre auf beengten Verhältnissen ein breites Angebot. Manche könnten sagen: Der Laden war buchstäblich bis zur Decke hin - und bis über die Grenzen des für manche Kunden Angenehmen - mit Vinyl zugestopft.

München: „Schallplattenladen“ schließt - und eröffnet in anderer Form in Otterfing

Den Handel mit Schallplatten wird Maierhofer aber nicht aufgeben. Ganz im Gegenteil, erklärt er: „Wir gehen nach Otterfing und haben dort 700 Quadratmeter Superfläche, die mit Regalen bestückt ist, da schmeißt dich weg. Der Laden in München hat nur einen kleinen Bruchteil unserer Plattenbestände abgedeckt. Und die Mieten sind so hoch, dass ich dafür in Otterfing 700 Quadratmeter bekomme.“ Für Besucher werden die neuen Räume, die am 1. Oktober öffnen sollen, aber nur nach Anmeldung geöffnet sein. Und ansonsten die Basis für Maierhofers Online-Handel bieten, der sich gut entwickle. Er spricht von 350% Steigerungsrate, "es explodiert derart, dass wir gar nicht hinterher kommen".

München: „Schallplattenladen“ schließt - Corona-Krise hat Entwicklung beschleunigt

Corona hat es beschleunigt“, erklärt Maierhofer seinen Abschied aus München. „Weil wir unsere Standortunabhängigkeit vergrößert haben, weil wir den horrenden Mieten und dem Stadtwahnsinn entkommen mit Dreck, schlechter Luft und mangelnden Parkplätzen mit intoleranten Menschen", schimpft Maierhofer, der von seinen Stammkunden schwärmt, aber etwa verstärkt mit Diebstählen vor seinem Laden zu kämpfen hatte. Und auch für die Stadt wenig gute Worte findet. Eine Baustelle habe seinen Laden "kaum mehr zugänglich" gemacht. Aber der hat ohnehin noch geschlossen und wird nur ein einziges Mal wieder öffnen: am 29. August zum weltweiten „Record Store Day“.

Nicht nur für den „Schallplattenladen“ hat die Corona-Krise in der Münchner Vinyl-Geschäft-Szene Folgen. Im Zuge des Lockdowns mussten sie natürlich alle schließen - nicht wieder aufgemacht hat auch die „Schallplattenzentrale“ am Mariahilfplatz (Au).

Gerd Thorsch, Betreiber der „Schallplattenzentrale“ gibt - offenbar völlig entnervt - auf der Homepage bekannt: „Maskenpflicht, Abstandsregel, Plexiglasscheibe. Liebe Kunden! Das passt nicht zu einem Plattenladen wie ich ihn 40 Jahre und 4 Monate betrieben habe. Bitte habt Verständnis, dass ich den Laden unter den gegenwärtigen Umständen nicht öffnen möchte. Zu gegebener Zeit wird mit verändertem Konzept wieder geöffnet.“ Die Außenstelle in der Lindwurmstraße sei aufgelöst worden. Musik-Fans trauern derzeit um den Sänger des Hits „If I had a hammer". (lin)

Rubriklistenbild: © Der Schallplattenladen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mitten in der Stadt: Aushang in Münchner Laden schlägt hohe Wellen - „Da werden einem ja die Augen geöffnet“
Mitten in der Stadt: Aushang in Münchner Laden schlägt hohe Wellen - „Da werden einem ja die Augen geöffnet“
Wiesn-Wirt völlig fassungslos - „Mussten 36.000 Liter Bier vernichten“
Wiesn-Wirt völlig fassungslos - „Mussten 36.000 Liter Bier vernichten“
Wetter in München: DWD gibt neue Warnung aus - und die nächste Wende steht schon bevor
Wetter in München: DWD gibt neue Warnung aus - und die nächste Wende steht schon bevor
Corona-Auflagen für WirtshausWiesn - Veranstalter zunehmend genervt: „Schön, wenn wir informiert worden wären“
Corona-Auflagen für WirtshausWiesn - Veranstalter zunehmend genervt: „Schön, wenn wir informiert worden wären“

Kommentare