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20.057 Läufer gingen beim Stadtlauf an den Start.

Kucera und Kleiner sind Stadtmeister

Stadtlauf: Über 20.000 Starter trotzen dem Nieselregen

München - Mehr als 20.000 Läufer haben sich am Sonntag beim Stadtlauf von Sport Scheck und BMW auf den Weg gemacht. Erstmals wurden die Münchner Stadtmeister gekürt.

Die Matschspritzer auf den weiß- und orange-farbenen T-Shirts lassen es beim Zieleinlauf erahnen – dieser Lauf war eine nasse Angelegenheit. Über das Wetter an diesem Sonntag gibt es sicherlich verschiedene Ansichten. Die Zuschauer beschweren sich über den Nieselregen. Die Läufer wiederum sind froh, dass es kühler ist, als in den Tagen zuvor. Der Wettergott kann es ja nie allen recht machen, auch nicht bei einer solchen Veranstaltung.

Der Motivation der Läufer tut das Ganze aber keinen Abbruch. Vor allem die Teilnehmer des Halbmarathons sind kurz vor dem Start um 8 Uhr morgens konzentriert. Sehr redselig ist hier in diesem Moment kaum jemand. Entspannte Läufer wie die Studenten Jonas Sommer und Paul Bergmann (beide 24) sind da eher eine Ausnahme. Für Jonas ist es der erste Start, sein Freund Paul ist bereits zum zweiten Mal dabei. „Ich laufe regelmäßig“, erzählt Bergmann. „Mein Ziel ist es, unter zwei Stunden zu bleiben“. Sein Kumpel Jonas nickt zustimmend. Er peilt die selbe Richtmarke für seinen ersten Start an.

„Stadtlauf von Sportscheck und BMW“: Die Bilder

Beide Freunde kommen nach 21,1 Kilometern tatsächlich unter zwei Stunden ins Ziel – Jonas knapp sieben Minuten schneller als sein Kompagnon. Bereits zum fünften Mal ist Joseph Breu beim Stadtlauf in München dabei. Der 52-Jährige ist bereits Marathons gelaufen und trainiert zweimal pro Woche. Nach vier Jahren Pause will er jetzt wieder angreifen. „Wenn ich unter zwei Stunden bleibe, dann bin ich für heute zufrieden“, sagt er. Im Ziel liegt er nur knapp darüber.

Gewusel beim Kinderlauf

Kurz nachdem das Teilnehmerfeld des Halbmarathons gestartet ist, schlägt die große Stunde für etwa 1000 kleine Läufer. Beim DAK-Kinderlauf ist nicht nur das Gewusel am Start groß, sondern auch die Motivation ist beinahe greifbar. Die Vordersten pressen sich an das Startband, scharen wie Rennpferde mit den Hufen. Doch trotz allem Siegerwillen steht hier der Spaß an erster Stelle. Da wird noch mit dem Maskottchen gelacht und sich auf der Stelle warmgelaufen. Beim Zieleinlauf der Kleinen kommt dann richtig Stimmung auf, was nicht zuletzt an den stolzen Eltern liegt,die am Streckenrand ihre Zöglinge lautstark anfeuern und feiern.

"Ich bin so gelaufen, dass ich mich wohl gefühlt habe"

Nach einer Stunde und zwölf Minuten kommt schließlich unter dem Jubel der Zuschauer der erste Läufer von der Halbmarathonstrecke zurück. Es ist Jan Müller von der LG Stadtwerke München. Kurz dahinter folgt mit 15 Sekunden Rückstand auf Platz zwei Sebastian Nadler. Der 32-Jährige ist ein alter Bekannter beim Stadtlauf und hat hier schon mehrere Erfolge erzielt. Sein Resultat ist umso erstaunlicher, als dass er sich derzeit von einem „schweren gesundheitlichen Zwischenfall“ erholt, wie er erklärt. Dieser hat ihn jedoch nicht davon abgehalten, am Stadtlauf teilzunehmen. „Ich bin so gelaufen, dass ich mich wohl gefühlt habe“, sagt der ehemalige Sportsoldat im Ziel.

Bei den Frauen siegt Lea Bäuscher in 1:25:40 Stunden. Die Berglaufspezialistin ist Neu-Münchnerin und momentan gar nicht richtig im Training. „Wir sind gerade erst hergezogen. Neuer Job, neue Wohnung – da bleibt nicht viel Zeit für’s Laufen“, sagt sie. Für den Sieg hat es am Ende aber doch gereicht.

Ingalena Heuck ist auch in diesem Jahr das Gesicht auf den Werbeplakaten des Stadtlaufs. Die deutsche Halbmarathon-Meisterin von 2010 läuft die zehn Kilometer – und zwar als frischgebackene Mutter bei den Baby-Joggern. „Als Athletin empfinde ich mich momentan noch nicht“, sagt Heuck und lacht. Muttersein und Laufen schließen sich ihrer Meinung nach aber in keiner Weise aus. „Ich bin momentan alles drei – Mama, Läuferin und laufende Mama.“

Pünktlich zum Start des Zehn-Kilometer-Laufs beginnt es wieder zu regnen. Am Enthusiasmus der Läufer ändert das nichts. Die Sieger über zehn Kilometer und damit die ersten Stadtmeister sind die Münchnerin Yvonne Kleiner (38:11 Minuten) und der Tscheche David Kucera (31:49). Knapp dahinter folgt Johannes Hillebrand von der LG Stadtwerke (31:54). Eine weitere Neuerung dieses Jahr sind die sogenannten „Pacemaker“. Wer sich etwa für die Zehn-Kilometer Strecke oder den Halbmarathon eine bestimmte Zeit vorgenommen hat, kann sich an die Fersen des jeweiligen Tempomachers heften.

Große Pläne hat auch der Nachwuchs. Die neunjährige Anna zum Beispiel, die beim DAK-Lauf mitmacht, sagt: „Wenn ich groß bin, laufe ich die ganz lange Strecke.“

Lisa-Marie Birnbeck

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