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Frau vom Fach: Sonja Geisler ist selbst erfahrene Marathonläuferin und berät Kunden gerne auch nach einer Analyse am Laufband.

Neueste Lauftrends

„Männer sind genauso eitel wie Frauen“

Fachberaterin Sonja Geisler klärt über neueste Lauftrends auf und weiß: Die Sportart begeistert sowohl Puristen als auch Technik-Freaks.

Klar, es gibt sie noch, die Laufpuristen. „Manche wollen nur die Vögel zwitschern hören“, sagt Sonja Geisler. „Aber es werden immer weniger. Viele wollen halt auch einfach Musik hören oder sich wegen der Gesundheit oder Leistung immer mehr selbst vermessen“, weiß sie aus ihrer Erfahrung heraus.

Sonja Geisler ist Fachberaterin für Lauf-Equipment bei SportScheck in München. Dass sie vom Fach ist, lässt sich schon an ihrem Äußeren ersehen: Die 47-Jährige ist drahtig, sportlich und hat eine Top-Figur mit keinem Gramm Fett an den Rippen. Geisler kennt sich aus mit Trends. Sie weiß: Selbst wenn Laufen eine Sportart ist, die man mit einfachsten Mitteln immer und überall ausüben kann, so geht auch hier der Trend zur Digitalisierung.

Besonders nachgefragt werden nach Auskunft von Sonja Geisler derzeit Fitness-Tracker (Armbänder). „Es ist ein Life-Style-Produkt“, sagt die Fachberaterin. Eines, das seinen Sinn hat. Fitness-Tracker zählen Schritte, messen die Herzfrequenz, errechnen den Kalorienverbrauch – und motivieren ihre Träger, aktiver zu leben. „Der Faktor Selbstvermessung und Healthtracking spielt eine große Rolle“, weiß Geisler. Das Versprechen der Hersteller, den inneren Schweinehund mit digitalen Hilfsmitteln zu besiegen, trifft den Zeitgeist. Für ambitionierte Läufer gibt es GPS-Uhren mit Pulsmesser und genauer Ortung der Streckenlänge. In der neu umgebauten Zentrale von SportScheck (Neuhauser Straße 21) wurden eigens zwei Lauf- und Fitnesswelten für Frauen und Männer geschaffen und zwei Lauflabore getrennt nach Geschlecht eingerichtet, die den Fuß per 3D-Scan vermessen und den Laufstil per Video aufzeichnen.

Sonja Geisler sagt: „Wir schauen nicht nur auf die Füße, sondern auf den gesamten Bewegungsapparat, Knie, Hüfte, Wirbelsäule, et cetera.“ Eine mäßige Dämpfung der Schuhe kann für sportliche Läufer ausreichend sein, bei schwereren und Menschen mit orthopädischen Problemen nicht. Für Leute, die häufiger im Gelände unterwegs sind, ist eine stärkere Dämpfung ebenso von Bedeutung. Der Trend zum Trail Running nimmt ohnehin zu. „Viele Kunden suchen das Abenteuer und die Abwechslung“, sagt die Fachberaterin.

Ein immer wichtigerer Aspekt ist nach Beobachtungen von Sonja Geisler dabei die digitale Kommunikation mit anderen Läufern. Auf Facebook, per Lauf-Apps, Foren oder in Blogs kann man sich austauschen – über Route, Geschwindigkeit oder das Styling. Laufen verbindet – nicht nur virtuell – über soziale Medien verabredet man sich auch zu reellen Lauftreffs mit Gleichgesinnten. SportScheck zum Beispiel organisiert jeden Donnerstag ab 19 und 20 Uhr am Schyrenbad einen Lauftreff an der Isar. Mittwochs starten zudem die „Urban Runners Munich“ ab 19.30 Uhr am Parkcafé.

Die Basis allen Laufens ist immer noch ein bequemer und funktionaler Schuh. Sonja Geisler ist bereits zwölf Marathons gelaufen und hat mittlerweile auch ihre Liebe zum Triathlon entdeckt. „Der Laufanfänger will abgeholt werden“, sagt sie und fügt als Prämisse bei der Schuhberatung an: „Funktionalität steht vor Optik.“ Sport wollte schon immer modisch sein, jetzt hat aber die Mode den Sport als Markt für sich entdeckt und diesen Trend „Athleisure“ getauft – dadurch wird das Angebot an modischen Sportschuhen deutlich breiter. Inzwischen werden viele Laufschuhe rein für die Freizeit gekauft.

Wichtig ist auch die Stabilität in der Ferse beim Abrollen. Laut Sonja Geisler besagen neueste Forschungsergebnisse, dass „moderate Sprengungen“ bei Laufschuhen sinnvoller sind. Das mindere die Verletzungsgefahr, vor allem über längere Strecken. Sprengung bezeichnet den Höhenunterschied der Sohle vom Vorfuß bis zur Ferse. Die durchschnittliche Erhöhung von vorne nach hinten beträgt Geisler zufolge acht bis zehn Millimeter. Eine geringere Sprengung von unter acht Millimeter sei allenfalls für erfahrene und schnelle Läufer empfehlenswert.

Frauen und Männer sind im Übrigen nach Auskunft der Expertin gar nicht so unterschiedlich in Sachen Mode, wie man meinen möchte. „Männer sind genauso eitel“, zwinkert Sonja Geisler. Der Unterschied: Männer würden eher leistungsorientierter und techniklastiger denken, während für Frauen der Gesundheitsaspekt und das Figurbewusstsein wichtiger seien. Allein 180 reine Frauenlaufschuhe gibt es an der Schuhwand von SportScheck. Bei den Herren ist die Auswahl noch größer. Im Onlineshop gibt es aktuell 846 Modelle von 17 Marken. Mittlerweile hat SportScheck auch eine eigene Facebook-Seite für Frauen gegründet, auf der sich Sportlerinnen austauschen können und mit Martina Dannheimer eine Community-Managerin eingestellt, die die Gemeinschaft auf Trab hält. „Das läuft sehr gut an“, sagt Sonja Geisler.

Bei allen Trends gibt es für sie aber immer noch einen wunderbar einfachen Aspekt an der Sportart. Denn: „Meinen Laufschuh kann ich überall auf der Welt mitnehmen.“ Das haben Puristen und Technik-Freaks gemein.

Wie wirksam ist Self-Tracking?

von Klaus Vick

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