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„Die größte Herausforderung ist es, dass alle gesund ins Ziel kommen“: Katja Mayer und Bernd Leuschner organisieren den Stadtlauf.

Sie organisieren den Stadtlauf

Freude und Spaß ohne Ellenbogen

München - Als ehemalige Profi-Triathletin organisiert Katja Mayer zusammen mit Bernd Leuschner und vielen Helfern den Stadtlauf. Dabei hatte sie fürs Laufen früher nicht viel übrig. Ganz im Gegenteil...

Katja Mayer ist ehrlich. Laufen war nicht unbedingt ihre Leidenschaft von frühester Kindheit an. Im Gegenteil: „Ausdauersport war für mich Horror.“ Ihr Einstieg folgte einer anderen Motivation: Katja Mayer wollte abnehmen, etwas für ihre Figur tun, wie sie selbst erklärt. Dass sie sich dann Stück für Stück neue Ziele setzte und am Ende eine Karriere als Profi-Triathletin stand, hätte die Augsburgerin anfangs nicht im geringsten gedacht.

Laufen als feste Konstante

Heute kann Katja Mayer darüber schmunzeln. Die 46-Jährige ist immer noch gertenschlank und sportlich drahtig wie eh und je. Nach wie vor gibt es in ihrem Leben eine feste Konstante: Täglich läuft sie zehn Kilometer in ihrer Heimatstadt Augsburg. Einen Teil davon begleitet sie ihre beiden kleinen Kinder auf dem Schulweg. Die benutzen allerdings das Fahrrad.

Bernd Leuschner hat an diesem Morgen in einem Besprechungsraum von Sport Scheck neben Katja Mayer Platz genommen. Leuschner leitet bei Sport Scheck in München den Bereich Events und Kooperationen. Zusammen mit Katja Mayer führt er einen Stab von etwa 20 Leuten, der sich um die Organisation des 36. Stadtlaufs von SportScheck und BMW kümmert. Ein Stockwerk tiefer im neuen Flagship Store in der Fußgängerzone herrscht gerade Hochbetrieb. Es ist der erste Tag, an dem die Startunterlagen für den Stadtlauf am 29. Juni abgeholt werden können. 21 000 Läufer werden dieses Mal dabei sein – neuer Teilnehmerrekord. Der Kinderlauf und der Fünf-Kilometer-Lauf ist ausgebucht, für den Halbmarathon und das Zehn-Kilometer-Rennen gibt es nur noch wenige Restplätze. Bernd Leuschner hat ebenfalls eine Stammstrecke. Praktischerweise wohnt der 41-Jährige – er ist bisher sechs Marathons gelaufen – unweit des Englischen Gartens. Drei- bis viermal die Woche läuft er zwischen Milchhäusl und Aumeister, womit er einen besonders schönen Teil der Stadtlaufstrecke bestens kennt. Dass die Sportart zumindest im Freizeitsektor boomt, hat für ihn einleuchtende Gründe: „Laufen vereint viele gesellschaftliche Trends: Fitness, Wohlfühlen, Ausgleich von der Arbeit oder auch das Gemeinschaftserlebnis.“ Und man braucht dazu nicht viel: Kein Gebäude, keinen Verein, keine Geräte – nur Laufschuhe.

Mehr Einsteiger und Hobbysportler als Profis

Die ehemalige Profi-Triathletin Katja Mayer weiß: „Beim Laufen ist das Verhältnis von Aufwand und Nutzen am größten.“ Dabei spiele der Leistungsgedanke eher eine untergeordnete Rolle. „Freude und Spaß ohne Ellbogen“, sagt Katja Mayer. Gerade am Teilnehmerfeld des Stadtlaufs wird dieser Aspekt ersichtlich. Die Anzahl der Einsteiger und Hobbysportler liegt deutlich über jener der ambitionierten Läufer und Profis. Und noch einen Trend hat Katja Mayer erkannt: „Bei der Stadtlaufserie sind überdurchschnittlich viele Frauen am Start.“ Die ehemalige Ironman-Siegerin organisiert für SportScheck bereits seit Jahren die Läufe in Augsburg, Frankfurt, Nürnberg und Freiburg. Nach ihrer aktiven Karriere und ihrem Sport- und Mathematikstudium hat sie sich selbständig gemacht und eine Agentur gegründet. München betreut sie nun erstmals als Chef-Organisatorin. Aus Mayers Umfeld ist zu hören, dass sie dies mit großers Gelassenheit und großem Geschick tut.

Wichtigste Regel: Nicht über die Grenzen gehen

Am 29. Juni werden wieder Tausende Läufer die Innenstadt bevölkern.  

Sie selbst sagt: „Es müssen viele Zahnräder ineinander greifen und sich zusammenfügen, dass der Motor am Veranstaltungstag läuft.“ Etwa 400 Helfer werden dann im Einsatz sein: Streckenposten, Leute an den Versorgungsständen, Rotes Kreuz und viele mehr. Bernd Leuschner sagt: „Wenn sich so eine große Menschenmenge bewegt, ist es die größte Herausforderung, dass alle gesund ins Ziel kommen.“ Dafür wiederum hat Katja Mayer die besten Tipps: „Jeder sollte sein Leistungsvermögen ehrlich einschätzen und nicht über die Grenzen gehen. Das geht schief“, warnt sie. Wer zum Beispiel im Training durchschnittlich zehn Kilometer pro Stunde laufe, sollte nicht unbedingt im Wettkampf eine Zeit von 45 Minuten anpeilen. Besonders wichtig: Viel trinken. Und zwar nicht nur während des Stadtlaufs, sondern auch schon die Tage davor, rät Katja Mayer. Am häufigsten müssten die Rettungskräfte nämlich Läufer versorgen, die dehydriert seien.

Stadtlauf: So sieht die Laufstrecke aus

Stadtlauf München: Impressionen von der Strecke

Ansporn für jedermann

Katja Mayers sportliche Biografie kann im Übrigen Ansporn für jedermann sein. Sie kam zum Laufen und zum Triathlon wie die Jungfrau zum Kinde und entwickelte daraus eine Leidenschaft. 35 Ironman-Veranstaltungen hat sie gefinished, davon achtmal auf Hawaii. Zur Erklärung: Ironman bedeutet 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein Marathonlauf (42,195 Kilometer) – am Stück, versteht sich. Für Gelegenheitssportler unvorstellbar. „Die Freude und Zufriedenheit im Ziel nach so einer Quälerei – dieses Gefühl macht einfach glücklich“, sagt Katja Mayer. Nun gut, der Stadtlauf ist kein Ironman. Aber das Gefühl beim Überqueren der Ziellinie werde bei jedem Teilnehmer ähnlich sein, weiß die ehemalige Profisportlerin. Die Distanz ist dabei eher relativ, weil doch vor allem im Sport gilt: Jeder hat seinen persönlichen Mount Everest.

Klaus Vick

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