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„Laufen trägt mich über alles hinweg:“ Bärbel Sneed hat in ihrem Leben mehrere gesundheitliche Schicksalsschläge gemeistert.

Sport ist die beste Therapie

Laufen als Lebenselixier: Bärbel Sneed (72) hat den Krebs überwunden

Vor einigen Wochen kehrte Bärbel Sneed zu den Wurzeln ihrer Laufkarriere zurück. Wobei: Laufkarriere klingt etwas übertrieben. Die 72-Jährige pflegt schlicht und einfach eine große Leidenschaft für diese Sportart.

Bärbel Sneed sagt: „Laufen trägt mich über alles hinweg.“ Sie meint damit: Es ist gut für den Körper und für den Geist – gerade, wenn es mal nicht so gut im Leben läuft.

Vor 50 Jahren also entdeckte Sneed in den USA ihre Liebe zum Laufen – und erfüllte sich nun während eines Besuchs bei ihrem Sohn in New York einen Traum: „Wir sind zusammen durch den Central Park gelaufen. Das war mein schönstes Souvenir.“ Heute ist Laufen in. Damals in den 60er-Jahren zählte Bärbel Sneed zu den Joggern der ersten Stunde. „Man wurde angeglotzt wie ein Exot“, erzählt sie. Vor allem als Frau. Als Sneed 1971 mit ihrem Mann nach Deutschland zurückkehrte, sei sie teilweise sogar ausgelacht worden beim Laufen. „Was die Leute dachten, hat mich aber nicht gekümmert“, sagt sie.

Bärbel Sneed ist weitergelaufen – bis heute

Bewegung ist ihr Lebensexlixier: „Ich hatte viele Unfälle und Krankheiten. Meine Fitness half mir, immer wieder auf die Beine zu kommen“, erzählt die 72-Jährige. Eigentlich wollte sie beim Stadtlauf von SportScheck und BMW am Sonntag, 26. Juni, die Halbmarathon-Distanz (21,1 Kilometer) in Angriff nehmen. Doch ein Hexenschuss hat sie in der Vorbereitung zurückgeworfen. Ob sie nun den Halbmarathon läuft, weiß sie daher noch nicht – die Zehn-Kilometer-Strecke aber auf alle Fälle.

„Ich hatte viele Unfälle und Krankheiten. Meine Fitness half mir, immer wieder auf die Beine zu kommen.“

Bärbel Sneed (72), die beim Münchner Stadtlauf am Halbmarathon über 21,1 Kilometer teilnehmen will.

Der Sport begleitet Sneed, die in Bad Rappenau in der Nähe von Heilbronn aufgewachsen ist, von Kindesbeinen an. Sie schwamm damals nahezu täglich. Während ihrer Zeit in den USA arbeitete sie in einer Zahnarztpraxis. Ihr Chef entschloss sich irgendwann, mit dem Lauftraining zu beginnen. Bärbel Sneed machte mit. Zurück in Deutschland, stieg sie auch aufs Rennrad. Bei einem schweren Unfall im Jahre 1972 hatte sie Glück im Unglück: Bei einem Tempo von 45 Stundenkilometern „knallte sie wie eine Rakete ins Feld“, erinnert sich Sneed. Sie zog sich schwere Gesichtsverletzungen zu, erlitt aber keine Brüche.

Bärbel Sneed rappelte sich wieder auf. Beim Laufen steigerte sie langsam ihre Distanzen und genießt bis heute die ländliche Umgebung bei Arget (Gemeinde Sauerlach), wo sie seit 1985 lebt. Sie läuft, um fit und im Alter auch beweglich zu bleiben. An Wettkämpfe dachte Sneed zunächst nicht. Erst 2005 machte sie erstmals beim Stadtlauf von SportScheck und BMW über zehn Kilometer mit, 2007 im Alter von 63 Jahren absolvierte sie ihren ersten Halbmarathon. Dann der gesundheitliche Schicksalsschlag: Die Mutter von zwei Söhnen (38 und 34) erhielt die Diagnose Brustkrebs. Noch während der Chemotherapie im Jahre 2012 lief Bärbel Sneed ihren zweiten Halbmarathon. Als sie zuvor die Ärzte fragte, ob sie überhaupt laufen dürfe, raten ihr die Mediziner sogar: „Sie müssen laufen.“ Der Sport, sagt die 72-Jährige, habe ihr wieder ein Selbstwertgefühl gegeben – und mental auf die Beine geholfen. „Ich habe keinen Onko-Psychologen gebraucht, ich hangelte mich auf meiner Laufstrecke von Baum zu Baum.“

2014 plagen sie Herzrhythmusstörungen. Im Herzzentrum München wird eine Ablation vorgenommen. Auch diesmal half ihr der gute Trainingszustand bei der Genesung. „Das war wie ein zweites Geschenk.“ Bärbel Sneed läuft auch heute noch bei Wind und Wetter und freut sich auf den Münchner Stadtlauf. Aufgeben gibt es bei ihr nicht.

von Klaus Vick

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