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Reif für die Sanierung: das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Bogenhausen.

Ungeahnte Folgen für München

Neues Gymnasium wegen Flüchtlingen

München - Der Flüchtlingszustrom nach Deutschland hat in München völlig ungeahnte Folgen: Er könnte der Stadt ein neues Gymnasium bescheren.

Gleich viermal schiebt Baudirektorin Simone Benz vom Baureferat das Wörtchen „sehr“ ein, als sie von den hohen Kosten für eine Pavillon-Anlage spricht, in die das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium (WHG) in Bogenhausen während seiner Generalsanierung hätte ausgelagert werden sollen. Der Container-Markt ist wegen der Flüchtlingskrise leer, die Behelfsbauten sind immens teuer. Es gehe um einen zweistelligen Millionenbetrag – „und zwar nicht im unteren Segment“, verrät Bogenhausens Bezirksausschuss-Chefin Angelika Pilz-Strasser (Grüne).

So viel Geld will die Stadt nicht in eine übergangsweise Unterkunft stecken. Noch dazu wäre die Sanierung des WHG am bestehenden Standort Elektrastraße keine optimale Lösung, sondern nur ein Kompromiss für das unter massiver Platznot leidende Gymnasium. Denn auch danach hätte man mit der Raumbelegung jonglieren und wahrscheinlich bei der Einschreibung Schüler abweisen müssen. Bereits seit 2007 wird bei der Stadt über Sanierung und Erweiterung des Gymnasiums geredet. Derzeit besuchen rund 1300 Schüler die Schule, die vor 45 Jahren in Bogenhausen errichtet wurde.

Wegen der lärmintensiven Arbeiten sollte die Schule übergangsweise komplett ausgelagert werden. Die Kisten für den Umzug waren 2013 bereits gepackt. Die Aktion wurde aber kurzfristig gestoppt, weil sich die Stadt noch zusätzlich für eine energetische Sanierung entschieden hatte.

Nun aber zwingen die horrenden Kosten für Pavillons die Stadt zu völlig neuen Überlegungen. Denn man will eine so hohe Summe lieber in einen komplett neuen Schulbau stecken, der allen modernen Anforderungen entspricht. In den würde das WHG dann einfach nach Fertigstellung umziehen.

Neues Gymnasium wegen Flüchtlingen. Drei Standorte im Gespräch

Drei Standorte sind dafür derzeit im Gespräch: Auf dem Sportplatz des WHG an der Elektrastraße, an der Brodersenstraße oder am Salzsenderweg. Stadt und Schule präferieren eindeutig die letzte Variante. Bei den beiden anderen Vorschlägen gäbe es viele Unwägbarkeiten mit langfristig verpachteten Flächen und eventuellen Nachbarschaftsbeschwerden. Am Salzsenderweg hingegen sei der Neubau für ein sechszügiges Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in etwa fünf Jahren machbar.

„Länger halten wir es auch nicht mehr aus“, erklärt Direktor Wolfgang Hansjakob. Für die Schulfamilie sei der Salzsenderweg „die absolute Nummer eins – und dann kommt lange nichts“. Für den Sportunterricht soll die benachbarte Bezirkssportanlage genutzt werden, zum Schwimmunterricht könnte man in die nahe Halle an der Sentastraße gehen. Zudem würde das Gymnasium näher ans Neubaugebiet Prinz-Eugen rücken.

Im Bezirksausschuss (BA) Bogenhausen ist man allerdings nicht so euphorisch. Denn am Salzsenderweg soll eigentlich ein so genannter Klimapark für die Frischluftzufuhr der Stadt entstehen. Dafür haben sich die Stadtteilpolitiker erfolgreich eingesetzt. 20 000 des insgesamt 140 000 Quadratmeter großen Areals müssten nun für die Schule abgetreten werden.

Ein Kröte, die sich durch ein Zuckerl des Schulreferats vielleicht leichter schlucken lässt. Stein stellt in Aussicht, das heutige WHG-Schulgebäude an der Elektrastraße nach dem Umzug nicht abreißen zu lassen. Stattdessen könnte anschließend doch noch die Generalsanierung durchgeführt und danach dort ein weiteres Gymnasium – angesichts der Platzverhältnisse wahrscheinlich nur vier- bis fünfzügig – eröffnet werden. „Damit hätte Bogenhausen in relativ kurzer Zeit zwei Schulstandorte.“ Eine Forderung, die der BA seit langem erhebt. Bevor man quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, muss allerdings noch der Stadtrat über die neuen Pläne abstimmen.

Carmen Ick-Dietl

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