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Robert Winterstein mit seinem Sohn Michael (66) im September 2015 kurz vor seinem 108. Geburtstag.

Das Ende einer langen Reise

Der älteste Münchner ist tot (†109) - der Sohn (66) erinnert sich

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Er wurde 109 Jahre alt - jetzt ist er gestorben. Robert Winterstein, der älteste Münchner, ist Ende Mai friedlich eingeschlafen. Wir sprachen mit seinem Sohn Michael (66).

München - Robert Winterstein, Münchens ältester Bürger, ist im Alter von 109 Jahren gestorben. „Ich bin sehr traurig“, sagte sein Sohn Michael (66) am Sonntag der tz. „Papa ist am 25. Mai friedlich in seinem Bett eingeschlafen.“ Der 25. Mai, Christi Himmelfahrt. Michael hatte die Nacht an der Seite seines Vaters gewacht. Gegen 8 Uhr morgens atmete Robert Winterstein ein letztes Mal aus. Nach beinah elf Jahrzehnten hatte sein starkes Herz aufgehört zu schlagen.

Zur Welt kam Winterstein am 6. September 1907 in Chemnitz. Vier Jahre Volksschule, sechs Jahre Oberrealschule, danach zwei Jahre eine Lehre als Elektriker. Der Erste Weltkrieg kam und ging, sein Bruder Willy kehrte nicht zurück. Mit 21 Jahren zog Robert aus – 1928 wandert er durch die Weimarer Republik. Die Orte, die ihn berührten, zeichnete er mit weicher Bleistiftmine auf dicke Papierbögen.

Robert Winterstein als Schüler

1934 lernte er seine spätere Frau Gertrud kennen. Zehn Jahre später musste er in den Krieg. Er überlebte – und die Familie zog 1955 nach München. Winterstein arbeitete für die Isar-Amper-Werke.

Gertrud erkrankte an Multipler Sklerose (MS), Vater und Sohn pflegten sie bis zu ihrem Tod 1986. Von da an lebte Robert allein in seiner Nymphenburger Wohnung.

Michael schaute täglich vorbei, ein Altenheim brauchte er nicht. Robert Winterstein las jeden Tag die Zeitung. Als seine Augen nachließen, behalf er sich mit einer fingerdicken Lupe.

Robert Winterstein wenige Tage vor Silvester 2015 .

An sonnigen Tagen fuhr Michael mit ihm in den Westpark, Schlosspark oder Botanischen Garten. Robert Winterstein liebte es, die Blumen dort zu betrachten.

Sein Vater habe stets Pläne geschmiedet, sagt Michael. Ein Besuch im Park, die Feier zum 110. Geburtstag, eine Fahrt in die Geburtstadt Chemnitz.

Zuletzt wurde das Augenlicht jedoch schwächer, die Ohren versagten ihm den Dienst. Wochen vor seinem Tod war Robert Winterstein wegen seines Katheters im Krankenhaus. „Der Stress hat ihm schwer zugesetzt“, sagt sein Sohn. Die Motivation, die den Vater immer ausgezeichnet habe, habe schlagartig nachgelassen.

Am 30. April fuhr Michael seinen Vater zum letzten Mal in den Botanischen Garten. Robert Winterstein starb an einem sonnigen Morgen.

Hellwacher Gesprächsparnter

Zum ersten Mal besuchte die tz Robert Winterstein im September 2015. Wenige Tage später feierte er seinen 108. Geburtstag. Winterstein ging noch zu Fuß durch die Wohnung, scherzte mit den Besuchern und fragte sie aus. Zu Silvester trafen wir Winterstein erneut. Wir wollten wissen: Ist Silvester auch zum 108. Mal noch etwas Besonderes? Winterstein winkte gelassen ab. Aber sein 110. Geburtstag, der sei etwas Besonderes, auf den freue er sich! Körperlich hatte er ein wenig abgebaut, gehen konnte er nur noch wenige Meter. Sein Sohn Michael schob ihn fortan im Rollstuhl zu den Spazierfahrten im Westpark. Michael Winterstein: „Geistig war Papa bis zum Ende hellwach.“

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