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Der Nymphenburger Kanal ist ein beliebtes Ziel für die Eisstock-Fans.

Doch der Sport hat ein Problem

Darum sind die Münchner so heiß auf Eisstockschießen

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Im tiefen Bibber-Winter ist Eisstockschießen gerade für die Münchner eine Freiluft-Alternative zur eigenen Wohnung. Der Sport erfreut sich großer Beliebtheit, er hat aber auch ein Problem.

München - Ganz schön gebibbert haben wir diese Woche – knackige Minusgrade, da kommen nur Frost-Fans auf Hochtouren. Bevor es die nächste Woche tauen soll, wollen viele Münchner den Winter am Wochenende noch mal genießen: Sportarten wie Eisstockschießen erleben derzeit eine Renaissance – etwa am Nymphenburger Kanal. Vier Euro (abends fünf) kostet die Gaudi etwa beim Betreiber an der Südlichen Auffahrtsallee 27, Stöcke können für drei Euro ausgeliehen werden. Am Wochenende sei der „ganze Kanal schwarz gewesen“ wegen der vielen Menschen, berichten Hobby-Eisstockschützen.

Das Problem für die Sportart: Viele Münchner begeistern sich zwar fürs Eisstockschießen – in einen Verein geht aber kaum noch einer, erzählt der Landesobmann beim Bayerischen Eissport-Verband, Leonhard Mittermair. In München seien fast alle Vereine mittlerweile ausgestorben. „Obwohl es viele Vorteile im Verein gibt – im Sommer können Mitglieder dann zum Beispiel auf Asphalt spielen.“

Was sind die Gründe für den Privat-Eisstockschieß-Boom? Wir haben uns unter Hobby-Sportlern am Nymphenburger Kanal umgehört.

Weltrekord-Jagd auf dem Kanal

„Es ist sehr schade, dass unserem Sport ein Rentnerimage anhaftet“, sagt Peter Simon (46). Der Germerswanger (Lkr. Fürstenfeldbruck) ist ehrenamtlicher Weitenwart der Sparte Eisstocksport des Bayerischen Eissport-Verbands – kümmert sich um den Bereich des Eisstock-Weitschießens. Hier geht es, anders als beim Zielwettbewerb, nicht darum, wer am nächsten an der sogenannten Daube ist. Sondern ähnlich wie beim Diskuswurf um die Weite. Und dafür muss der Eisstock mit viel Kraft, Schnelligkeit und Technik übers Eis gedonnert werden. Peter Simon kam heuer auf die Idee, erstmals ein großes Wettschießen mit den 20 besten Weit-Stockschützen der Welt auf dem Nymphenburger Eiskanal (Südliche Auffahrtsallee 81, direkt am Schloss) zu veranstalten. 

Möchte das Eisstock-Weitschießen unter den Münchnern bekannter machen: Peter Simon.

Auch um Nachwuchs für seinen Sport anzuwerben. Am 18. Februar um 13 Uhr geht’s los – der Eintritt ist frei. Der aktuelle Weltrekord (1989) liegt bei 566,53 Metern. Und dem soll es an den Kragen gehen. Deswegen muss im Vorfeld der Eiskanal ganz glatt gemacht werden. Das bedeutet: Schnee räumen und dann Wasser drauf gießen, damit eine ebene Fläche entsteht.

Spielen schon seit 50 Jahren

Seit fast 50 Jahren schießen Friedl (74) und Hans (78) Schuhbauer Eisstock. Das Eis sei heuer endlich mal wieder sensationell, sagt das Ehepaar aus Moosach. In einem Verein waren die beiden nie. Denn für die Schuhbauers geht es bei ihrem Hobby vor allem um die Gesellschaft – beim Spiel mit ihren Freunden.

Dreimal die Woche auf dem Eis

Ein bisserl Ehrgeiz habe sie mit der Zeit schon entwickelt, sagt Petra Grundler. „Wir tratzen uns halt gern, wie man auf Bairisch so schön sagt“, erzählt sie und lacht. Wir, das ist eine Truppe von Freunden ihres Mannes. Seit sie sechs Jahre alt ist, gehört Eisstockschießen zu den Hobbys der Münchnerin. Dreimal die Woche ist Petra Grundler dann schon mal auf dem Eis unterwegs – am Nymphenburger Kanal, aber auch am Feringasee.

Lieben frische Luft und das Ambiente

Aus Neuhausen kommen diese Eisstockschieß-Fans, von denen so mancher fast jeden Tag am Nymphenburger Kanal ist. Die frische Luft und das Ambiente lieben sie an ihrem Hobby. Im Verein ist niemand von ihnen. Heuer sei an den Wochenenden besonders viel los, erzählt die Truppe. „Da ist es ganz schwarz am Kanal“, berichten sie.

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