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Steht seit Jahren leer: Das Bürogebäude an der Wotanstraße kostet die Stadt eine Menge Geld.

Plätze werden dringend benötigt

Flexiheim Wotanstraße: Umbau ist der CSU zu teuer

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Das Tauziehen um das Bürogebäude an der Wotanstraße nimmt kein Ende. Geplant ist, es zu einem Flexiheim für Wohnungslose umzubauen. Doch der Rathaus-CSU erscheinen die Umbaukosten zu hoch – während die Sozialreferentin sagt: „Wir brauchen jeden Platz, denwir kriegen können.“

München - Seit zwei Jahren zahlt die Stadt für das leer stehende Haus an der Wotanstraße 88 eine hohe Miete. Geplant ist seit Monaten, es zu einem Flexiheim für Wohnungslose umzubauen. Der Beschluss dazu sollte gestern im Sozialausschuss fallen. Doch dann wurde das Thema erneut vertagt, weil der CSU-Fraktion der Umbau zu teuer erscheint.

Das Konzept: Auf den acht Stockwerken sollen 49 unterschiedlich große Appartements entstehen, mit insgesamt bis zu 266 Bettplätzen für wohnungslose Familien und anerkannte Flüchtlinge. Pro Bewohner sind zehn Quadratmeter veranschlagt. Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume, Aufenthaltsflächen im Freien und Büros für Verwalter und Betreuer. Flexiheime sollen Menschen Wohnraum zu Verfügung stellen, die dringend eine Bleibe brauchen, aber auf dem Wohnungsmarkt Schwierigkeiten haben.

Flexiheim statt Flüchtlingsunterkunft

Die Stadt hatte das Bürohochhaus im November 2015 ursprünglich gemietet, um dort Flüchtlinge notdürftig unterzubringen. Doch dann stellte sich heraus, dass der Brandschutz nicht ausreichte. Hinzu kam, dass im Jahr 2016 weniger Schutzsuchende eintrafen und die Regierung von Oberbayern die Stadt anwies, weitere Planungen für Flüchtlingsunterkünfte vorerst auf Eis zu legen. Daraufhin plante das Sozialreferat, das Haus in ein Flexiheim zu verwandeln.

Seit September ist bekannt, wie viel der Umbau voraussichtlich kosten wird: zehn Millionen Euro plus zwei Millionen Euro Ablöse an den Vermieter, damit dieser nach Ablauf des Mietvertrags das Wohnheim nicht wieder rückbaut. Genutzt werden soll es von 2019 bis Herbst 2030. Doch der Beschluss wurde bereits in mehreren vergangenen Ausschusssitzungen vertagt – und gestern nun wieder.

„Wir brauchen jeden Platz, den wir finden können“

Will verhandeln: CSU-Stadtrat Marian Offman

Dabei flammte kurz eine Debatte auf, wie man sie aus Zeiten der Flüchtlingskrise in Erinnerung hat. CSU-Stadtrat Marian Offman, der die Vertagung beantragte, fand die Umbaukosten gemessen an der Laufzeit zu hoch und schlug vor, das Kommunalreferat solle mit dem Vermieter verhandeln, ob sich der Vertrag nicht auf 20 Jahre verlängern ließe. Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) sagte, Verhandlungen liefen bereits. Tatsächlich aber seien die Kosten, die durch den Umbau pro Bettplatz entstünden, „nicht außergewöhnlich“. Sie verwies auf die Unterbringungsnot: Es würden dringend 2000 Plätze gebraucht – da sei die Wotanstraße 88 „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte sie. „Wir brauchen jeden Platz, den wir finden können.“

„Wir brauchen jeden Platz“: Sozialreferentin Dorothee Schiwy.

Die Grünen-Fraktionschefin Gülseren Demirel sagte: „Die Vertagung ärgert mich. Das muss jetzt entschieden werden.“ Eigentümer, die an Wohnungslose vermieteten, stünden nicht gerade Schlange. Die Flexiheim-Standorte seien gemeinsam beschlossen worden. An Offman gerichtet sagte sie: „Dann sagt doch einfach: Wir wollen es nicht, weil wir andere politische Probleme haben.“ Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) nannte es „absurd“, das Thema erneut zu vertagen. Letztlich folgte der Stadtrat jedoch Offmans Antrag: „Zum allerletzten Mal“, so Demirel.

Auch in einer Sitzung des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg hatte das Thema bereits für Diskussionen gesorgt (wir berichteten).

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