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Messer-Attacke in München Neuhausen: Die Pädagogik-Studentin Sofia S. (25) wurde ermordet. Was genau ist am Freitag passiert? 

War es Rache an der Ex-Freundin?

Das Mord-Protokoll der Messer-Attacke: Was am Freitag passierte

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Eine 25-Jährige ist bei einer Messerattacke im Münchner Stadtteil Neuhausen ums Leben gekommen. Was sich vor und nach der schrecklichen Tat abgespielt hat, zeigt ein erstes Protokoll der Bluttat.   

München - Es müssen dramatische Szenen gewesen sein, die sich am Freitag in der Wohnung an der Jutastraße (Neuhausen) abgespielt haben. Gestern gaben Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft weitere Details zur Bluttat bekannt, bei der Sofia S. (25, Name geändert) ihr Leben verlor. Was am Freitag passierte.

Vor 16 Uhr: Vor dem Mehrfamilienhaus beobachten laut Leitendem Kriminaldirektor Frank Hellwig, Chef des Kriminalfachdezernats 1, kleine Kinder den Verdächtigen, wie er Bier und einen Energy Drink trinkt. Er soll außerdem ein Messer in der Hand gehabt haben. Demnach scheint er die Tatwaffe – später wird ein Küchenmesser in der Wohnung gefunden – mitgebracht zu haben.

Vor der Tat beobachten Kinder Lion K. vor dem Anwesen, wie er Bier und einen Energy Drink trinkt. Die Spurensicherung nimmt beides unter die Lupe

16 Uhr: Lion K. klingelt, wird in die Wohnung gelassen. Ob er ein Gespräch sucht oder gleich auf seine Opfer losgeht, ist noch unklar. Sicher ist, dass sich Matteo (15, Name geändert), Sofias Bruder, in der Vierzimmerwohnung zwischen Lion K., seine Mutter und seiner Schwester stellt. Er will sie beschützen. Es entwickelt sich ein Handgemenge. Matteo nimmt dem Täter das Messer ab, setzt dann einen Notruf ab.

16 bis 20 Uhr: Lion K. flüchtet mutmaßlich in seine Wohnung, die etwa zwei Kilometer vom Tatort entfernt liegt. Dort zieht er sich laut den Ermittlungen der Polizei um, flüchtet weiter. Derweil ruft der Anwalt der Familie bei der Polizei an. Er teilt mit, dass weder sein Mandant noch ein Mitglied der Familie etwas zu möglichen Tatvorwürfen sagen werden. Unklar ist bisher, wer den Anwalt verständigte. Wo Lion K. in den weiteren Stunden war, ermittelt die Polizei derzeit. Hinweise: 089/291 00.

20.15 Uhr: Zivile Einsatzkräfte nehmen Lion K. an der Lindwurmstraße fest. Bei ihm sind zwei Männer aus dem Rauschgift-milieu. Diese sucht die Polizei als Zeugen.

Die Spuren-Analyse am Tatort in Neuhausen ist komplex.

Motiv: Rache an der Ex-Freundin?

Lion K. führte seit drei Jahren eine Beziehung mit Laura S. (18), der Schwester des Todesopfers. „Es war eine On-Off-Beziehung“, so Hellwig. Lauras Eltern hatten den 19-Jährigen „voll akzeptiert“, er war regelmäßig bei der Familie, fuhr sogar mit in den Urlaub. „Die Eltern sahen ihn wie einen Sohn.“ Was den 19-Jährigen mutmaßlich zu der Tat trieb, ist noch unklar. 

Es gibt Hinweise, dass K. davon ausging, dass seine (Ex-)Freundin nicht zu Hause war. Wollte er zur Familie? Weder die Mutter, noch Matteo, der Vater oder die Schwestern des Mordopfers sind vernehmungsfähig. Sie sind entweder zu schwer verletzt oder stehen unter Schock. Der Hund erlag seinen Verletzungen.

Mit diesem Bild fahndete die Polizei nach Lion K.

Lion K. brach 2017 in der zehnten Klasse die Realschule ab, machte jetzt seinen Quali nach. Letztes Jahr trennten sich seine Eltern. Er war der Polizei bereits bekannt. Laut Staatsanwaltschaft gab es bereits zwei Ermittlungsverfahren gegen ihn. Im November 2015 gab er jemandem eine Watschn. Das Verfahren wurde eingestellt. Im Oktober 2017 bedrohte er einen Spezl mit einem Messer, da er befürchtete, dieser wolle Laura erzählen, Lion würde sie betrügen. Eine Anklageerhebung stand kurz bevor. Lion K. äußerte Suizidgedanken, war eine Nacht in der Psychiatrie.

Lion K. sitzt aktuell in U-Haft. Laut Oberstaatsanwältin Anne Leiding wollte er offenbar Rache an der Familie bzw. der (Ex-)Freundin nehmen. Die Staatsanwaltschaft geht von Heimtücke und niederen Beweggründen aus.

Lesen Sie auch: Nach dem Messer-Mord trauert Neuhausen: Sofia fehlt - so sehr

Stefanie Wegele

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