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Warum dem Moschee-Projekt die Zeit davon läuft

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Von: Felix Müller

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Benjamin Idriz, der Penzberger Imam, möchte in München eine Moschee bauen, in der ein weltoffener und gewaltfreier Islam gepredigt wird. Was fehlt, ist ein Geldgeber. © Klaus Haag

München - Jahrelang hatten die Initiatoren des Moschee-Projekts beklagt, ohne konkreten Standort keinen Geldgeber zu finden. Anfang des Jahres hat die Stadt eine Fläche in Neuhausen angeboten. Jetzt stehen die Muslime unter Zugzwang. Die Stadt will schnell Klarheit haben.

Benjamin Idriz ist ein exzellenter Netzwerker. Der US-Generalkonsul, die ehemalige FDP-Bundesministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, hohe Vertreter der Kirchen: Sie alle geben sich bei Empfängen des Imams die Ehre. Offiziell sind die Reihen im Stadtrat eng geschlossen, wenn es um sein Projekt einer repräsentativen Moschee europäischer Ausrichtung in München geht. Doch ob das Projekt kommt oder nicht – da wagt kein Beobachter eine eindeutige Prognose. Klar aber ist: Das Netzwerken zu potenziellen Geldgebern gestaltet sich für Idriz schwieriger, als er selbst wohl gedacht hat. Und: Findet er nicht bald einen potenten Spender, könnte das ambitionierte Projekt sich schon in wenigen Monaten erledigt haben.

Jahrelang drehten sich Idriz und die Stadt im Kreis. Theoretisch hatte der Stadtrat sich einstimmig für sein Projekt ausgesprochen. Den Islam aus den Hinterhof-Moscheen holen. In deutscher Sprache predigen. Nachdenken über eine Auslegung des Islams, die europäischen Werten entspricht. All das wollte Münchens Stadt-Spitze fördern. Für die Finanzierung – geschätzte Kosten: 40 Millionen Euro – sei aber Idriz verantwortlich.

Der wiederum betonte stets, es sei fast unmöglich, einen Großspender zu finden, ohne einen konkreten Standort benennen zu können. Anfang des Jahres bot der scheidende Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) Idriz dann doch noch eine Fläche an – am entstehenden Kreativquartier nahe dem Leonrodplatz. Es handelt sich um Flächen in Richtung Dachauer Straße, die die Planungen für das Kreativquartier, das sich an der Schwere-Reiter-Straße entlangzieht, nicht direkt betreffen. Trotzdem, hieß es damals, könne man das Grundstück selbstverständlich nur vorübergehend reservieren. Bis zur Sommerpause wollte die Stadt eine Finanzierungszusage haben. Idriz hatte keine.

„Eigentlich ist die Frist schon abgelaufen“, bestätigt Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD). „Aber ich habe dem OB vorgeschlagen, sie bis zum Jahresende zu verlängern.“ Nun ist auch das Jahr bald zu Ende. Offenbar ist man im Rathaus bereit, auch diese Frist nicht allzu eng zu sehen. Aber ewig wird man nicht warten können, schließlich will die Stadt-Spitze den Eindruck vermeiden, Idriz und seine Anhänger würden besonders hofiert. „Irgendwann“, sagt Markwardt, „muss die Stadt schon Klarheit haben.“

Das Bürgerbegehren der Moschee-Gegner scheint man im Rathaus nicht mehr allzu sehr zu fürchten. Man ist offenbar sehr zuversichtlich, die anstehende juristische Auseinandersetzung gegen Initiator Michael Stürzenberger (wir berichteten) zu gewinnen und einen Bürgerentscheid zu verhindern.

Es geht also um die Frage, was die Politik will – und was nicht. Markwardt ist ein ausdrücklicher Unterstützer der Idee, die Moschee auf das Kreativquartier-Gelände zwischen Schwere-Reiter-Straße und Dachauer Straße zu bauen. „Der Standort wäre sehr innenstadtnah. Es entsteht dort eine Vielzahl von Nutzungen mit Wohnen und Kultur.“ Eine Moschee, findet er, würde gut dazu passen.

Wenn sie denn käme. Inzwischen sammelt Idriz auch symbolisch Kleinspenden. Aber ob die Moschee Realität werden kann, das machen fast alle Beobachter immer noch von der Frage abhängig, ob der Staat Katar eine dicke Finanzspritze gibt. Und der hat sich offenbar immer noch zu keiner Zusage durchringen können. Idriz sagt: „Wir versuchen, bis Ende des Jahres eine Finanzierung zu bekommen.“ Er sagt aber auch, er hoffe, dass die Stadt ihre Frist verlängere. „Wir stehen von allen Seiten unter Druck.“ Im „Münchner Forum für Islam“ (MFI), dem Förderverein der Moschee, soll ein Architekt in den nächsten Tagen Entwürfe vorstellen, wie das Bauwerk eines Tages aussehen könnte. Idriz erhofft sich davon einen Schub bei der Sponsorensuche. Mal wieder.

Im Sommer 2013, das Projekt schien nicht so recht voranzugehen, sagte Idriz, wenn die Jüdische Gemeinde mehr als zehn Jahre gebraucht habe für ihre Synagoge, dann brauche er vielleicht doch 20. Es klang bei weitem nicht mehr so optimistisch wie 2012, als sich Idriz und seine Mitstreiter schon kurz vor einer Zusage aus Katar gesehen hatten. Der Unterschied ist jetzt, dass eine Frist der Stadt ablaufen könnte. Denn die politische Unterstützung hat der Netzwerker Idriz immer gehabt. Wenn man sich jetzt nicht einig wird, werden die Flächen aber anders verplant. Schwer vorstellbar, dass die Stadt Idriz dann noch einmal bei der Suche nach einem anderen Standort helfen würde.

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