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Jens M. hatte starke Verletzungen.

Überraschende Milde

München: Jugendliche verprügeln Mann (39) – „Das Urteil ist ein Skandal!“

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Jens M. aus München wurde von zwei Halbstarken verprügelt - doch das Urteil schockiert ihn fast mehr als die Tat selbst.

München - Das Blut rinnt über sein Gesicht, der Schädel ist geprellt. So sah Jens M. (39) nach einem brutalen Übergriff im April 2018 aus. Unfassbar: Zwei Jugendliche aus der Nachbarschaft, zum Tatzeitpunkt, 16 Jahre alt, hatten den IT-Fachmann in Nymphenburg so zugerichtet – und auch noch seinen BMW demoliert.

Eine Tat, die erschreckend wenig Konsequenzen hat. Zwar wurde den jugendlichen Schlägern Mitte Juni der Prozess gemacht – das Jugendgericht ordnete aber nur Anti-Gewalt-Training für ein Wochenende an. Obwohl die Burschen die mutwillige Sachbeschädigung und gefährliche Körperverletzung zugegeben hatten.

Jugendliche trampeln auf Auto herum

„Dieses Urteil ist für mich ein Skandal“, sagt Jens M. Nachts um zwei Uhr war er damals aufgewacht, weil er in der Romanstraße Lärm vor dem Fenster hörte. „Es waren mehrere Personen. Im Halbschlaf bin ich aufgestanden und ging zur Balkontür, um nachzusehen.“ Dort traut der IT-Manager seinen Augen kaum: „Die standen auf meinem Auto und trampeln auf dem Dach herum!“ Schnell zieht sich M. Schuhe an, im Schlafanzug rennt er auf die Straße – und sieht noch, wie die Jugendlichen vom Dach seines BMW auf die Straße springen, um zu flüchten.

Jens M. mit seinem Auto, das die Jugendlichen in der betreffenden Nacht „bestiegen“.

„Ich war perplex“, sagt der 39-jährige, der die Jugendlichen einholt und sofort zur Rede stellt. „Ich forderte sie auf, mir ihren Personalausweis zu zeigen, weil ich sie anzeigen wollte.“ Doch plötzlich kassiert Jens M. unvermittelt einen Faustschlag. „Einer schlug mich gegen die Schläfe. Ich war benommen, torkelte leicht rückwärts und hielt mir den Kopf.“

Anwohner rufen die Polizei

Der Nymphenburger setzt sich zur Wehr – ein Gerangel entsteht. „Ich lag über dem einen Jugendlichen, da trat der andere mich mit voller Wucht in die Rippen. Das hätte ich nicht erwartet.“ Unter Schmerzen windet sich der 39-Jährige, doch die Gewalt nimmt weiter zu. Beide Jugendliche schlagen und treten auf Jens M. ein, ohne Rücksicht auf Verluste. „In diesem Moment habe ich Angst bekommen, das war richtig heftig.“ Schützend hält er die Hände vor den Körper, rollt sich zusammen und ruft laut um Hilfe. Sein Glück: Anwohner rufen die Polizei, kurz darauf fährt ein Streifenwagen vor und löst die wüste Prügelei auf. Blutüberströmt muss Jens M. nach seiner Vernehmung per Sanka in die Klinik.

„Die haben sich eins gelacht“

Mittlerweile geht es dem IT-Fachmann wieder gut. Was ihn aber bis heute schockiert, ist das Verhalten der Jugendlichen: „Das waren keine Schwerkriminellen, sondern ganz normale Burschen hier aus der Nachbarschaft. Unglaublich, wie die sich benommen haben. Sie waren betrunken und haben lange behauptet, dass ich sie zuerst geschlagen hätte.“ Ein Satz, der sich ihm eingebrannt hat: „Einer beleidigte mich, dass ich sein 600-Euro-Shirt vollblute. Er brüllte ‚Meine Eltern sind so reich, ich muss nicht arbeiten.‘“ 

Erst kurz vor ihrem Gerichtstermin kriegten die Burschen dann weiche Knie – und legten im Prozess ein Geständnis ab. Zwar mussten sie Schmerzensgeld zahlen, strafrechtliche Sanktionen gab es vom Amtsgericht aber nicht. „Die haben sich eins gelacht, als das Urteil verkündet wurde“, sagt Jens M. Der Richterin schrieb er im Anschluss einen wütenden Brief. „Ich bin enttäuscht über das zu milde Urteil“, sagt er. „Aber vor allem mache ich mir Sorgen, was ein Gericht damit für Signale an Opfer, Täter und die Gesellschaft sendet.“ 

Andreas Thieme

So läuft‘s im Jugendrecht

Werden junge Menschen zu Straftätern, gilt für sie eine gesonderte Verfahrensweise. Das Jugendstrafrecht regelt, welche Sanktionen die Kriminellen bekommen. Unterschieden wird zwischen Jugendlichen ab dem 14. und Heranwachsenden zwischen dem 18. und 20. Lebensjahr. Wichtig ist der so genannte Reifezustand, der eingehend geprüft wird. Dem Richter stehen verschiedene Strafmittel zur Verfügung: Er kann Erziehungsmaßnahmen wie ein Anti-Aggressionstraining, „Zuchtmittel“ wie unentgeltliche Arbeitsstunden oder Jugendstrafen verhängen. Freiheitsstrafen greifen nur bei einer besonderen Schwere der Schuld. Das mildere Jugendstrafrecht soll Tätern deutlich machen, dass die Gesetze auch für sie gelten - und ihnen gleichzeitig nicht die Zukunft verbauen.

Kürzlich hat eine Gruppe Jugendlicher in Aichach eine private Feier gestört und die Gäste angepöbelt. Anschließend griffen sie noch Polizeibeamte an.

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