AfD-Politiker abgewählt: Rechtsausschuss-Vorsitzender Brandner muss gehen

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Kein Haus ragt bislang so hoch in den Münchner Himmel: die geplanten Türme in geschwungener Bogenform im Quartier an der Paketposthalle.

Wolkenkratzer-Streit

So soll unser München aussehen? Pläne für neue 155-Meter-Hochhäuser sorgen für Zündstoff

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  • Nina Bautz
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In München ticken die Uhren anders. Während in anderen Metropolen Hochhhäuser schon lange zum Stadtbild gehören, ist die Frage der Höhe hier ein Politikum. Nun gibt es Pläne für zwei Hochhäuser, die alles überragen.

Es ist noch bloß ein Bauprojekt, es wird der Beginn einer neuen Ära in München: Auf dem Gelände der Paketposthalle an der Friedenheimer Brücke soll ein neues Quartier entstehen – mit zwei Hochhhäusern in Rekord-Höhe! Die Architekten haben ihre Entwürfe der Stadtgestaltungskommission vorgestellt. Sie fassen damit ein heißes Eisen an: Die Hochhausfrage ist nicht erst seit dem Bürgerentscheid von 2004 heftig umstritten.

Star-Architekten entwerfen neues Wohnquartier für Neuhausen

Das neue Stadtteilzentrum an den Neuhauser Bahngleisen soll ab 2024, wenn die Post aus der Halle auszieht, auf rund 87000 qm entstehen. Der Eigentümer, die Münchner Büschl Gruppe, will Raum für Wohnen, Arbeiten, Einkauf und Gastronomie, aber auch soziale Einrichtungen. Die beauftragten Schweizer Star-Architekten Herzog & de Meuron (Allianz Arena, Elbphilharmonie) planen, die 18000 qm große Paketposthalle an den Seiten zu öffnen und zum überdachten Platz für Kultur- und Sportveranstaltungen für die Öffentlichkeit zu machen. Zusätzlich sind sieben Wohnblöcke geplant mit Hofgärten und Platz für Büros, Restaurants und Kindertagesstätten oder Senioreneinrichtungen.

Überschattet werden diese Bauten aber von den für München bislang einmalig hohen Türmen von rund 155 Metern Höhe: Die Hochhäuser spiegeln die geschwungene Bogenform des Hallendachs wider. In den unteren Geschossen ist Büronutzung angedacht, darüber voraussichtlich Hotelflächen und Wohnungen mit umlaufenden Balkonen. Obere Geschosse sollen öffentlich zugänglich sein. Ralf Büschl, Vorsitzender der Geschäftsführung der Büschl Gruppe: „Ich bin stolz auf mein München, wenn wir diesen mutigen Weg gemeinsam gehen. Das ist moderne, zukunftsweisende Stadtplanung.“ Das Bebauungsplanverfahren für das Areal startet im Herbst 2019.

München: Zahl der Hochhaus-Gegner sinkt

Während der Planungs- und Genehmigungszeit soll ein intensiver Bürgerdialog stattfinden. Das wird auch nötig sein. Der Widerstand gegen Hochhhäuser ist in der Landeshauptstadt traditionell groß. Der Bürgerentscheid aus dem Jahr 2004 schrieb vor, dass in München kein Haus höher sein als die Türme der Frauenkirche – rechtlich bindend nur für ein Jahr. Damals votierte eine knappe Mehrheit (50,8 Prozent) für die Höhenbremse. Aber der Widerstand bröckelt: Unter den Münchner Bürgern ist die Zahl der Gegner von Hochhäusern über 100 Meter innerhalb des Mittleren Rings laut einer Umfrage von Anfang des Jahres auf 59 Prozent gesunken, im Frühjahr 2018 waren es 68 Prozent.

Unsere Zeitung hat sich bei Politikern und Fachleuten umgehört, was sie von den Hochhausplänen halten. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will sich nicht festlegen. „Ich freue mich, dass ein so renommiertes Architekturbüro einen Entwurf für zwei Hochhäuser in München vorgestellt hat, das wird die Debatte auf jeden Fall beleben. Der Standort ist gerade in Verbindung mit der Paketposthalle und der Mischung, von Wohnen, Kultur und Gewerbe interessant. Die Diskussion wird sicher spannend und kontrovers geführt werden.“

München: Anspruchsvolle, moderne Architektur gibt es kaum

In den Reihen der Stadtpolitik sind viele positive Stimmen zu hören. Planungsreferentin Elisabeth Merk (parteilos) etwa sagt: „Ich finde den Entwurf sehr gut. Über die Frage der Höhe muss man noch diskutieren. Dafür haben wir ja auch unsere Hochhaus-Studie in Auftrag gegeben.“ Sogar Katrin Habenschaden, OB-Kandidatin und Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt: „Wir halten die 100-Meter-Grenze für überflüssig. Wir stehen spannender, hochwertiger Architektur aufgeschlossen gegenüber. Insgesamt ist die Stadt in dieser Hinsicht zu eintönig. Allerdings muss man sehen, dass Hochhäuser zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums ungeeignet sind.“

Voll des Lobes ist der zweite BürgermeisterManuel Pretzl (CSU): „Ich halte den Entwurf für sehr, sehr gelungen und werde für eine Mehrheit im Stadtrat werben. Jedes Hochhhaus muss neu diskutiert werden. Eine Stadt wie München verträgt aber auch Hochhäuser. Nicht an jeder Stelle, aber in dieser Lage passt das. Bei dem herrschenden Flächenmangel bin ich klar für Hochbau.“

Traditionalisten sehen keinen Grund für Hochhäuser in München

Ganz anders sieht das Martin Schreck von den Altstadtfreunden: „Die haben den Realitätsbezug verloren. Da geht es nur um Reibach. Dabei werden hier Sichtachsen bebaut. Wenn wir die 100 Meter-Marke knacken, befürchte ich, dass noch mehr Hochhäuser folgen werden.“

Auch Mathias Pfeil, Generalkonservator und Leiter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, sieht die Pläne kritisch: „Ich bin gegen Türme in dieser Größenordnung an dieser Stelle. Das wäre der größte Eingriff in die städtebauliche Geschichte – ohne eine ausreichende Begründung. In erster Linie geht es hier darum, Gewinn zu machen.“

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Ministerpräsident Markus Söder spricht im Interview über Wohnungsbau und mahnt: „München darf kein Metropolis werden“. Der Verband der Wohnungswirtschaft sieht Münchens Flair indes nicht durch Hochhäuser bedroht und fordert: „Wir müssen endlich hoch hinaus“. In Obersendling stehen Anwohner bereits unter einem Hochhaus-Plan-Schock und fürchten riesige Betonburgen in ihrem Viertel. 

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