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„Es hilft, wenn man sich für Film begeistert“: Videothekar Talat Aktas.  

Nach 36 Jahren

Münchens älteste Videothek macht dicht

München - „Einfach nicht mehr zeitgemäß“: Das „World of Video“ in Neuhauen schließt. Andernorts hält sich der Inhaber aber noch über Wasser - vor allem mit Erotikfilmen.

Es ist die älteste Videothek Münchens – nun schließt das „World of Video“ an der Frundsbergstraße nach 36 Jahren. Das Symptom einer Branche im Niedergang. Inhaber Talat Aktas gibt sich aber nicht geschlagen. Er kämpft weiter, für ihn geht es auch um ein Stück Kultur.

Verheißungsvolle DVD-Hüllen säumen die Wände: Komödien, Abenteuerfilme, Thriller – sämtliche Facetten des Unterhaltungskinos, auf handliche Scheiben gepresst. 2500 Filme sind es insgesamt, die die Videothek auf ihren 70 Quadratmetern feilbietet. Feilbot. Am Montag macht die Neuhausener „World of Video“-Filiale dicht.

Internetgiganten sind zu stark

„Sie war einfach nicht mehr zeitgemäß“, sagt Talat Aktas. „Zu wenig Platz, zu kleine Filmauswahl.“ Auf diese Weise komme man der enormen Konkurrenz durch Online-Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime nicht bei. Einen großen Laden brauche man, mit größtmöglicher Auswahl. Heuer ist die Situation der klassischen Videotheken dramatisch: Die Internetgiganten verdrängen sie zunehmend vom Markt.

„Das Videothekensterben passiert“, sagt Talat Aktas. „Daran gibt es keinen Zweifel.“ Die Ursachen sieht er einerseits im Konsumentenverhalten – die Leute seien bequemer geworden und wollten oft nicht einmal kurz vor die Tür gehen, um sich die Abendunterhaltung zu sichern –, andererseits aber auch im Einkaufsverhalten der Videothekare. „Viele denken, sie gehen auf Nummer sicher, wenn sie nur noch die erfolgreichsten Spielfilme bestellen“, so Aktas. Dabei sei es wichtig, seine Stammkundschaft zu kennen und auch gezielt auf deren Vorlieben einzugehen.

70 Prozent des Geschäfts durch Erotikfilme

„Außerdem muss die Beratung passen.“ Es komme regelmäßig vor, dass Besucher sich nach Filmen erkundigten, deren Titel sie vergessen hätten. „Dann hilft es, wenn man sich selbst für Filme begeistert und zum Beispiel weiß, wie Schauspieler oder Regisseure heißen.“ Überhaupt sei persönliche Beratung einer der großen Vorzüge von Videotheken gegenüber Streamingdiensten. „Gerade junge Leute verlassen sich heutzutage fast nur noch auf Rezensionen im Internet – aber das sind Meinungen von Leuten, die man gar nicht kennt!“ Er habe schon häufig beobachtet, wie Kunden mit ihren Handys vor den Regalen standen und eine halbe Stunde lang Internet-Rezensionen lasen, bevor sie sich für eine DVD entschieden. „Ein individuelles Gespräch mit dem Videothekar würde mehr bringen.“

Die Schließung seines Ladens an der Frundsbergstraße macht Aktas nicht arbeitslos. Insgesamt gehören ihm fünf „World of Video“-Filialen in München, er ist ein alter Hase im Geschäft. Dass seine anderen Läden nach wie vor laufen, hat er jenen Filmen zu verdanken, die sich in den Videotheken hinter undurchsichtigen Vorhängen verbergen. „70 Prozent unseres Videothekenbestandes sind Erotikfilme“, erklärt er. In dieser Sektion gäben die Kunden durchschnittlich dreimal so viel Geld aus, wie im familienfreundlichen Spielfilmbereich. „Im Familiensektor ist das Geschäft total vom Wetter abhängig, aber die Erotik-Kunden kommen immer – egal, ob es 40 Grad im Schatten oder Minusgrade hat.“ Diese Verlässlichkeit, dieser stete Umsatz sichern seinen Videotheken das Überleben. 

Trotz Krise: Große Pläne für die Landsbergerstraße

Wo die Nachfrage, da das Angebot: In seinem Laden am Harras, beispielsweise, hat Aktas 20 000 Erotikfilme im Angebot. Und nur 10 000 reguläre Spielfilme. Dass ausgerechnet die Erwachsenenvideothek nicht unter der Online-Konkurrenz leidet, wirkt paradox. Talat Aktas wundert sich nicht: „Auch im Internet gibt es nichts umsonst.“ Von einigen Kunden habe er schon gehört, sie hätten nach Erotik-Streams auf illegalen Seiten Abmahnungen bekommen. Diese Kunden seien vom Internet enttäuscht. Die Videothek ist ihr sicherer Hafen.

Was die Zukunft betrifft, ist Aktas zuversichtlich. „Wir bekommen pro Laden etwa 150 Neukunden im Monat.“ Außerdem hat er bereits große Pläne. Am 28. Juni wird er an der Landsbergerstraße eine neue Filiale eröffnen. „Das wird die ultimative Videothek.“ Auf 500 Quadratmetern soll es dort ein Sortiment von 20 000 Spielfilmen geben – und 30 000 Erotiktitel.

Marian Meidel

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