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Spaenle beharrt auf neuem Denkmal-Standort

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© sc

München - Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ist auch mit seinem Alternativvorschlag für das Denkmal abgeblitzt, das an das Olympia-Attentat von 1972 erinnern soll.

Schon beim ersten geplanten Standort für das begehbare Mahnmal im Olympischen Dorf hatte es einen Aufschrei gegeben, eine Initiative sammelte 1400 Unterschriften dagegen.

Im Kultusministerium machte man sich also erneut Gedanken. Auf der jüngsten Sitzung des örtlichen Bezirksausschusses wurde klar: Die Alternative kommt genauso wenig an. Doch der Minister macht auf Anfrage unserer Zeitung klar, dass es kein weiteres Zurück mehr geben wird.

Ursprünglich sollte das Denkmal auf dem Connollyhügel stehen, einem beliebten Rodelberg. Als Alternative soll es nun 100 Meter Richtung Nordosten gerückt werden – auf den „Studentenhügel“ direkt neben die Bungalow-Siedlung. „Bei einer Ortsbegehung haben wir noch gesagt, es solle – wenn irgend möglich – nicht dieser Berg werden“, sagt Wolfgang Hülle von der Einwohner-Interessen-Gemeinschaft (EIG) des Olympiadorfs. „Aber dann haben sie ausgerechnet den genommen.“

Gegen den Standort spricht den Kritikern zufolge, dass er letztlich Bestandteil derselben Hangkante sei wie der Connollyhügel. Zur Erschließung müssten neue Wege angelegt werden, um Barrierefreiheit zu gewährleisten – das habe die Landeszentrale für politische Bildung durchblicken lassen. Außerdem sei ein würdiges Gedenken hier fraglich – zu abgelegen sei das Areal, außerdem würden auf dem Studentenhügel immer wieder Partys gefeiert. Ganz nebenbei habe man noch erfahren, dass von einer permanenten Beleuchtung und Bewachung des Erinnerungsortes auszugehen ist – auch nachts.

Jennie Niedermaier, Initiatorin der Aktion „Nein zur Bebauung des Connollyberges“, fordert, dass der sogenannte „Connollybogen“ komplett freigehalten wird. „Es scheint mir, dass das städtebauliche Grundkonzept vom olympischen Dorf nicht verstanden oder ignoriert wird. Wir leben hier auf minimalen Privatflächen. Ein Kinderzimmer ist nur 7,5 Quadratmeter groß. Wir verzichten, weil wir im Gegenzug tolle grüne Gemeinschaftsflächen haben.“ Das sei der architektonische Geist der 70er-Jahre. „Die Wiese, auf die das Denkmal soll, ist unser Wohnzimmer, unser Begegnungsraum, weil wir in unseren Wohnungen keinen Platz dafür haben. Diesen Raum darf man uns nicht nehmen.“

Spaenle betont dagegen: „Ich halte den Standort Studentenhügel nach wie vor für tragfähig.“ Er könne das Denkmal – ein Projekt von „internationaler Tragweite“ – nun mal nicht in Bad Tölz bauen, sondern nur im Umgriff der historischen Ereignisse. „Man wird da keinen völligen Konsens herstellen können.“ Der Minister betonte, die fünf geprüften Alternativ-Standorte seien sämtlich von einer von Stadt und Staat besetzten Kommission abgelehnt worden – aus planerischen, denkmal- sowie parkpflegerischen Gründen. „Das wurde mir in einer Klarheit dargelegt, dass ich selbst gesagt habe: Das geht nicht.“

Spaenle zufolge wird der Flächenverbrauch für den modifizierten Entwurf der Architekten Brückner & Brückner deutlich geringer als von manchen befürchtet. Man werde auch bei der Umsetzung und Gestaltung im engen Kontakt mit den Anwohnern bleiben. „Keiner muss Angst haben, dass man ihm ins Schlafzimmer leuchtet.“

Johannes Löhr, Katharina Häringer

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