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Pfarrer Robert Hof vor den Portalen der Herz-Jesu-Kirche.

Papst Franziskus modernisiert Tradition

Münchner durchschreiten "Pforten der Barmherzigkeit"

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München - Weltweit öffnen sich die „Pforten der Barmherzigkeit“ – im Erzbistum München und Freising sind es acht. Damit hat Papst Franziskus eine alte Tradition modernisiert. Besonders klar wird das in der Herz-Jesu-Kirche in München.

Von Holz zu Glas. Knapper lässt sich der Weg, den Pfarrer Robert Hof hinter sich hat, kaum beschreiben. Von der Holztür einer „Urwald-Kathedrale“ in Bolivien zu den 14 Meter hohen Glastüren der Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen, den größten Kirchenportalen der Welt. Der Unterschied ist offensichtlich, die Gemeinsamkeit entscheidend: Beide Portale wurden vom Vatikan zu „Pforten der Barmherzigkeit“ gekürt.

Pfarrer Hof, 45, hat sieben Jahre lang in der bolivianischen Kleinstadt Concepción gewirkt, einem ehemaligen Missionsdorf der Jesuiten. Seit wenigen Wochen ist er wieder in Deutschland. Dass sowohl in seiner alten als auch in seiner neuen Gemeinde eine jener Pforten steht, die Papst Franziskus sich im Heiligen Jahr gewünscht hat, mag man als glückliche Fügung bezeichnen. Hof sagt bloß: „Das ist etwas Großes.“

Es ist das erste Mal, dass es Heilige Pforten auch außerhalb Roms gibt. Die Tradition geht auf Papst Bonifaz VIII. zurück, der um 1300 zum ersten Mal ein Heiliges Jahr ausrief. Große Wallfahrten nach Rom setzten ein, die Gläubigen hofften auf einen besonderen Sündenablass, indem sie durch die Heilige Pforte traten. „Franziskus hat diese Tradition nun dezentralisiert“, sagt Monsignore Thomas Schlichting, Seelsorgereferent des Erzbistums. Das Entspricht seinem Programm: Der Glaube soll vor allem in den Diözesen gelebt werden.

Lesen Sie hier: Papst eröffnet Heiliges Jahr der Barmherzigkeit

In Bolivien haben sie schon am Dienstag ihre Pforte eingeweiht. In München ist es an diesem Sonntag soweit. Pfarrer Hof ist jedenfalls schon gut mit den Vorbereitungen beschäftigt. Entscheidend ist die Absprache mit dem Mesner. der ist nämlich dafür verantwortlich, dass die mächtigen Glastüren der Herz-Jesu-Kirche auf den Ruf von Bischofsvikar Rupert Graf zu Stolberg („Öffnet die Tore“) auch wirklich aufgehen. Das funktioniert nicht per Hand, sondern mittels Hydraulik – und auch nur, wenn das Wetter mitspielt. Zu Beginn der Liturgie stehen die Pforten dann tatsächlich für einige Minuten weit offen, die Gläubigen können hindurchtreten. Hof glaubt selbstverständlich nicht an Zauberei. Aber eines glaubt er doch: „Irgendwas macht das mit uns.“

Die Pforte zu durchschreiten, mag dann für manche ein spirituelles Erlebnis sein. Papst Franziskus legt aber den Fokus auf die Symbolik. „Es soll den Blick von innen nach außen ermöglichen, auf die Welt, wie sie ist“, sagt Monsignore Schlichting. Und es soll den Gläubigen dabei helfen, ihre Barmherzigkeit zu stärken – gerade mit Blick auf die Flüchtlingskrise. „Franziskus deutet das Symbol der Pforte auf unsere Zeit um“, sagt Schlichting. Er modernisiert es. Der gläserne, bewusst nüchterne Kirchenbau in Neuhausen spiegelt diesen Ansatz besonders gut wider.

Lesen Sie hier: Heiliges Jahr in Rom - Was es für Touristen zu sehen gibt

Pfarrer Hof hofft, dass viele Gläubige zur Eröffnungsmesse am Sonntag, 10.30 Uhr, kommen. So oder so wird er sich abends an seinen Rechner setzen und eine E-Mail mit Fotos der Eröffnung nach Bolivien schicken. Von Pforte zu Pforte quasi.

Die Eröffnungsmessen:

in München (Liebfrauendom und Herz-Jesu-Kirche), Freising (Konkathedrale), Rosenheim (Heilig Blut), Landshut (St. Martin), Berchtesgaden (St. Petrus und Johannes der Täufer) und Bad Tölz (Heilig Kreuz) finden am Sonntag statt. Die Pforte in der Klosterkirche Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck wird am Samstag, 19. Dezember, eröffnet.

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