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Hilble hatte im Dritten Reich Deportationen von Fürsorgeempfängern ins KZ Dachau veranlasst. Eine Bürgerin schlägt die Umbenennung in Heinrich-Hugendubel-Straße vor.

„Der Vorschlag der Bürgerin ehrt uns sehr“

Wird die Nazi-Straße umbenannt? Bürger wollen nun Heinrich Hugendubel ehren

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Wird in München eine Straße nach dem Buchhändler Heinrich Hugendubel benannt? Dafür setzt sich eine ehemalige Mitarbeiterin des Unternehmens in Absprache mit weiteren Angestellten ein. Ob es dazu kommt, wird frühestens im Herbst entschieden.

Der Vorschlag von Sabine Rydz hat einen aktuellen Anlass: Derzeit wird über die Umbenennung der Hilblestraße in Neuhausen diskutiert. Weil Hugendubel seinen Firmensitz an dieser Straße hat, fände Rdyz die neue Bezeichnung sinnvoll. „Das wäre doch eine tolle Sache für die Familie, für die Stadt und alle Hugendubel-Fans“, schreibt sie in einem persönlichen Brief an OB Dieter Reiter (SPD) und den Geschäftsführer der Buchhandlung, Maximilian Hugendubel.

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Heinrich Hugendubel (1936–2005) gilt als Erfinder des Buchkaufhauses. Er machte seit den 60er-Jahren aus der Buchhandlung den größten inhabergeführten Filialisten in Deutschland. Die Eröffnung der Filiale am Marienplatz 1979 mit Rolltreppen, Leseinseln und einem ungehinderten Zugang zum Buch galt in der Branche als revolutionär. Der Grundstein des Unternehmens wurde 1893 von Heinrich Karl Gustav Hugendubel mit einer Buchhandlung am Salvatorplatz gelegt. Heute führen die Geschwister Nina und Maximilian Hugendubel die Firma. Nina Hugendubel sagte am Freitag: „Der Vorschlag der Bürgerin ehrt uns sehr.“

Hilble war nicht Mitglied der NSDAP, galt aber als Verehrer

Bereits seit 2016 untersucht die Stadt auf Antrag der SPD-Fraktion die Benennung aller Münchner Straßen auf historische Belastungen. Das Ergebnis der Studie soll dem Stadtrat im Herbst vorgestellt werden. Das Stadtarchiv hat etwa 30 Straßen herausgefiltert, die problematisch sind und für eine Umbenennung in Frage kämen – eine davon ist die Hilblestraße. Das letzte Wort, welche Straßennamen aus dem Register verbannt werden, spricht allerdings der Ältestenrat des Stadtrats.

Friedrich Hilble (1881– 1937) war zwar nicht Mitglied der NSDAP, galt jedoch als glühender Verehrer der Nazis. Als Leiter des Münchner Wohlfahrtsamtes veranlasste er im Dritten Reich Deportationen von Arbeitslosen und Fürsorgeempfängern ins Konzentrationslager Dachau. Hilble wird Antisemitismus vorgeworfen – und die willfährige Vollstreckung von Nazi-Gesetzen. Der Verein Geschichtswerkstatt Neuhausen kritisiert die Entscheidung der Stadt, Hilble eine Straße zu widmen – sie datiert von 1956 – als „unverständlich“. In der Begründung der Namensgebung heißt es nämlich: Er sei „ein verdienter Leiter des städtischen Wohlfahrts- und Jugendamtes“ gewesen, und „auf seine Initiative hin wurde das Altenheim St. Joseph gebaut“. 

„Es wird langsam Zeit“

Der Bezirksausschuss (BA) Neuhausen-Nymphenburg und zuletzt die Bürgerversammlung 2017 haben ebenfalls beantragt, die Namensgebung zu ändern. Erst jüngst wurde die Stadt aufgefordert, dies endlich in die Tat umzusetzen. Die BA-Vorsitzende Anna Hanusch (Grüne) sagt: „Es wird langsam Zeit.“ Von der „Hugendubel-Idee“ hat sie allerdings noch nichts gehört und will sich nicht festlegen, ob dies die optimale Lösung wäre. „Grundsätzlich gilt es, die Frage offen zu diskutieren. Ein lokaler Bezug wäre schön“, sagt Hanusch. Das Kommunalreferat sammle derzeit Vorschläge, darunter seien auch Namen von Frauen, die sich um München verdient gemacht haben.

Von 2005 bis 2015 wurden in München fünf Straßen umbenannt, zuletzt der Friedrich-Berber-Weg in Neuperlach in Brunnthaler Weg. Berber war Mitglied der NSDAP und gehörte im Dritten Reich zu den Wissenschaftlern, die die Ideologie der Nazis mit aller Macht legitimieren wollten. Neben der Hilblestraße steht etwa die Alois-Wunder-Straße in Pasing auf dem Prüfstand. Wunder (1878– 1974) war vor der Eingemeindung Pasinger Oberbürgermeister und trat am 1. Mai 1937 der NSDAP bei. Ferner tauchen auf der noch geheimen Liste des Stadtarchivs Straßen auf, deren Namensträger in der Kolonialzeit eine unrühmliche Rolle gespielt haben.

Von Klaus Vick

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook -Seite „Neuhausen – mein Viertel“.

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