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Zufriedener Gastgeber: Andreas Steinfatt (ganz links) mit Luise Kinseher, Regisseur Markus H. Rosenmüller und Musiker Gerd Baumann.

Nach der Fastenpredigt am Nockherberg

Paulaner-Chef Steinfatt: „Früher haben sich Politiker andauernd beschwert“

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München - Nach ihrer Fastenpredigt bei der Salvatorprobe am Nockherberg nimmt Paulaner-Chef Andreas Steinfatt "Mama Bavaria" Luise Kinseher in Schutz. Sie habe ihre bislang beste Rede gehalten.

Die Einschaltquoten waren gigantisch: 43,7 Prozent Marktanteil. Bundesweit 2,82 Millionen Menschen (und jeder zweite Münchner) haben am Mittwoch das Derblecken auf dem Nockherberg gesehen – und die geharnischten Reaktionen der CSU auf die Rede von Luise Kinseher. Wir sprachen mit Paulaner-Chef Andreas Steinfatt darüber.

Herr Steinfatt, was war heuer Ihr beeindruckendster Nockherberg-Moment?

Ganz klar: die Standing Ovations nach dem Singspiel. Es war jetzt der zehnte Nockherberg, den ich eröffnen durfte. Und so etwas gab’s noch nie.

Ganz am Anfang war die Stimmung eher düster: Die CSU hat eisig auf Luise Kinsehers Rede reagiert. Wie haben Sie sie denn wahrgenommen?

Ich finde, dass das Luises beste Rede war. Ja, sie war gesalzen und gepfeffert, es waren schon ein paar Hämmer drin. Aber Nockherberg ist Nockherberg. Und wie oft ist der Mama Bavaria schon vorgeworfen worden, sie sei zu sanft. Natürlich ist es eine schwierige Zeit – da sind die Angesprochenen logischerweise hochsensibel. Womöglich ist das ein oder andere bei ihnen auf eine Weise angekommen, die sie heute schon wieder anders sehen. Aber das gehört halt auch zum Live-Moment mit dazu.

Entwarnung aus dem Finanzministerium: Wir haben erfahren, dass Herr Söder der Mama Bavaria vergibt.

Er vergibt ihr. (lacht) Oh, das ist aber sehr nett. Nun ja, Herr Söder kriegt’s schon immer kräftig ab. Auf der anderen Seite: Dann stehst du eben auch im Mittelpunkt.

Haben Sie die Rede vorher gelesen?

Ja.

War sie für Sie problematisch?

Es ist ein Unterschied, ob du’s liest oder den Moment im Saal hast. Da sitzen 560 Leute drin. Diese Anspannung, wenn du da vorne drinsitzt – das spürst du. Wie betont die Luise, wie schaut sie – das verschärft natürlich durchaus das ein oder andere.

Das Fernsehpublikum wird ohnehin eine andere Wahrnehmung der Rede gehabt haben.

Absolut. Auch Ihr von der Presse habt sie ja durch die Bank positiv bewertet. Die Leute auf der Straße würden es noch schärfer lieben – hundertprozentig. Aber es war auch viel Hintersinniges und Nachdenkliches drin. Die Leute haben vielerorts Angst. Keiner weiß genau, was letztendlich wirklich auf uns zukommt. Diese Ratlosigkeit hat ja auch das Singspiel am Ende so stehen gelassen. Es war von daher ein besonderer Nockherberg. Und nach den nachdenklichen Passagen sitzen die satirischen Stiche sicher noch ein bisserl tiefer.

Wie stehen Sie zu den Vorwürfen, Kinseher sei frauen- und behindertenfeindlich gewesen?

Weil sie Söder als „emotionalen Legastheniker“ bezeichnet hat? Meines Wissens ist Legasthenie keine Behinderung. Emotionalität – da muss jeder selber bewerten, wie er Markus Söder sieht. Frau Stamms Vorwurf der Frauenfeindlichkeit: Ich weiß nicht, warum sie da so vorgeprescht ist. Ich habe mit Ilse Aigner und Ulrike Scharf gesprochen, die es ja am stärksten abbekommen haben – die fanden es nicht so schlimm.

Haben Sie als Gastgeber Angst, dass da von politischer Seite noch was nachkommt?

Wissen Sie, ich habe eben mit einem Mitarbeiter gesprochen, der schon seit Jahrzehnten bei uns ist. Der sagt, früher haben hier nach dem Nockherberg regelmäßig Politiker bis hin zum Ministerpräsidenten angerufen und sich beschwert. Aber in den letzten Jahren hat es da nichts gegeben.

Luise Kinseher ist zum sechsten Mal dabei gewesen. Marcus H. Rosenmüller zum vierten Mal. Ist es Zeit für Veränderungen oder würden Sie am liebsten so weitermachen?

Rosis Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Und es ist ein tolles Zusammenspiel zwischen Kinseher und dem Singspiel. Wir hoffen, dass beide weitermachen. Momentan wäre es aber Spekulation. Das ganze Team soll den Erfolg genießen und auch die kritischen Punkte sacken lassen. In ein paar Wochen schauen wir, ob’s und wie’s weitergeht.

Die Einschaltquoten waren ausgezeichnet – der Erfolg gibt Ihnen also Recht, oder?

Stimmt. Ich denke, das liegt daran, dass der Nockherberg mittlerweile auch sehr bundespolitisch ist. Mit Uli Bauers Ude-Parodie lag früher ein starker Akzent auf der Lokalpolitik. Heute haben wir zum Beispiel eine grandiose Angela Merkel dabei. Ich merke, dass wir bundesweit immer mehr Relevanz haben. Den Werbeeffekt hätten wir uns als Brauerei ehrlich gesagt nicht erträumt – aber wir freuen uns natürlich narrisch darüber.

Ein Blick in Seehofers Hirn: Das Nockherberg-Singspiel in Bildern

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