+
Singspiel 2018 am Nockherberg: Erster Blick auf die Western-Bühne.

„Die glorreiche 7“ auf dem Nockherberg 2018

Erster Blick auf die Singspiel-Bühne - Rekord-Rolle für Murr

Am Mittwoch rauchen am Nockherberg die Colts. In seinem zehnten Jahr beim Salvatoranstich schlüpft Stefan Murr in seine fünfte Rolle – diesmal als Indianer im Singspiel.

Update vom 27. Februar 2018: Am Mittwoch 28. Februar, werden die Politiker wieder beim Starkbieranstich derbleckt. Wir haben bereits zusammengefasst, wie Sie den Nockherberg 2018 live im TV und Live-Stream sehen können.

Am Mittwoch rauchen am Nockherberg die Colts. Und Stefan Murr (41) ist mittendrin - der Nockherberg-Rekordhalter. Keiner hat beim Politiker-Derblecken mehr Rollen gespielt als er. In seinem zehnten Jahr beim Salvatoranstich schlüpft er in seine fünfte - diesmal als Indianer im Singspiel. „Die glorreiche 7“ heißt das Stück, das Mittwoch live ab 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen übertragen wird. Wie im Westernklassiker von 1960 geht es um sieben Cowboys (hier: Politiker), die ein Dorf gegen eine Gefahr verteidigen. Und was finden Politiker am bedrohlichsten? Den Durchschnittsbürger und seine Wünsche - verkörpert vom Indianer Stefan Murr.

Als Murr (41) vor zehn Jahren sein Debüt beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg gab, jubelte das Publikum. Er hatte als CSU-Shootingstar Karl-Theodor zu Guttenberg allen die Show gestohlen. Doch Guttenberg war bald Geschichte, und Murr hätte es sich wohl nie vorstellen können, dass er 2018 seine fünfte neue Rolle im Salvator-Singspiel übernehmen würde (Mittwoch, 19 Uhr, Bayerisches Fernsehen). Er stellte auch Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Florian Pronold (SPD) und Alexander Dobrindt (CSU) dar. Im Interview erzählt der Edel-Joker der Nockherberg-Schauspieler, was er am Mittwoch im Western „Die glorreiche 7“ als Indianer auf der Bühne treibt.

Ein erster Blick auf die Bühne.

Glückwunsch Herr Murr! Sie sind einsamer Nockherberg-Rekordhalter. So viele unterschiedliche Rollen wie Sie hatte beim Politiker-Derblecken noch niemand.

Stefan Murr: Ja, fünf Rollen, und jetzt auch noch ein Indianer. Das Problem ist: Jeder Politiker, den ich gedoubelt habe, hat danach an Bedeutung verloren: Den Indianern geht es unter Trump ja eh nicht so gut – müssen die jetzt aussterben?

Ihr Kollege Stephan Zinner ist als Markus Söder eine Bank, Sie sind der Edel-Joker des Nockherbergs. Neiden Sie ihm manchmal, dass er sich auf seine Rolle verlassen kann?

Murr: Überhaupt nicht. Der Stephan macht das perfekt. Es gehört natürlich auch immer Glück dazu, jemanden zu spielen, der im Amt bleibt. Am Anfang hat jeder gesagt: Den Guttenberg spielst du bis an dein Lebensende, wenn du willst. Natürlich habe ich dann geschluckt, als der plötzlich weg war. Ein toller Job, viel Publicity. Ja mei. Mittlerweile sehe ich das entspannt: Dann kommt halt nächstes Jahr ein anderer.

Stefan Murr bei den Dreharbeiten zur ZDF "Herzkino"-Reihe "Marie fängt Feuer" im Sommer 2017.

Vom Schauspielerischen her ist es sicher auch reizvoll, sich in etwas Neues einzuarbeiten.

Murr: Das ist extrem spannend. Stephan Zinner kann sich natürlich auf andere Dinge konzentrieren, er kann seine Figur weiter ausreizen. Ich nenne ihn unser Pointen-Trüffelschwein. Er weiß in jeder Situation, wie er was zu tun hat, das ist schon auch toll. Eine neue Figur auf die Beine zu stellen, bietet aber einen ganz eigenen Spaß.

Man hat das Gefühl: Der Murr ist im Singspiel gesetzt, komme was wolle. Was ist das für ein Gefühl?

Murr: Es ist eine große Ehre, dass die Macher des Nockherbergs sagen: Ohne den geht’s nicht. Und wenn sich kein Politiker aufdrängt, dann nehmen wir ihn halt als Indianer. Das ist fast eine Art Liebesbeweis.

Der bayerische SPD-Vorsitzender Florian Pronold (l) und sein Double, der Schauspieler Stefan Murr.

Was ist das für ein Indianer? Schauen Sie nur mal kurz vorbei oder ist es eine tragende Rolle?

Murr: Ich sage mal: Ich bin wohl der meistgenannte Mensch auf der Bühne – auch wenn ich nicht der meistgesehene bin. „Die glorreiche 7“ ist ja ein Western, und da braucht es einen Indianer, um die Cowboys durcheinanderzubringen.

Die Regisseure haben erzählt, dass der Indianer eine Bedrohung für die Politiker verkörpert. Welche?

Murr: Ich bin der Querschnitt der Bevölkerung, der etwas von den Politikern verlangt.

Der Wutbürger?

Murr: Na ja, einfach der Bürger. Der sich fragt: Was macht Ihr da, denkt Ihr auch mal an mich? Ich bin weder rechts noch links, aber ich will leben dürfen. Ist es vielleicht möglich, dass ich irgendwo mein Platzerl hab’ oder macht’s Ihr des auf politischer Ebene aus, dass es mich gar nicht mehr gibt? Dass von den 80 Millionen Deutschen 70 Millionen eigentlich so ein bisserl stören? Von der sozialen Schere bin ich sozusagen der dickere Part. Davor haben die Herren Cowboys natürlich Angst.

Warum fehlt im Titel das „n“ in „Die glorreiche 7“?

Murr: Es hat eine tiefere Bedeutung gegen Ende, aber ich sage nicht welche. (lacht)

Stefan Murr (r.) als Double von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger.

Mancher hätte ja eher damit gerechnet, dass Sie CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer spielen.

Murr: Ja, das war im Gespräch. Ich glaube halt, dass viele politischen Entwicklungen für den Nockherberg einfach zu spät kamen. Man musste sich beim Drehbuch schon auf bestimmte Dinge konzentrieren, um planen zu können. Wir haben auch über Christian Lindner von der FDP geredet – aber die Berliner Politker haben sich ja alle wieder rausgekegelt. Vielleicht spiele ich ja nächstes Jahr Kanzler Kurz aus Österreich? Wäre reizvoll.

Was wäre Ihre Traumrolle am Nockherberg?

Murr: Ich freue mich natürlich wie ein Schneekönig über jede Rolle, aber wenn ich einen Wunsch äußern dürfte, würde ich gern mal eine Politikerin spielen. Nur drängt sich gerade keine auf. Die Weidel von der AfD, aber die will ja keiner sehen...

Was ist das Besondere am Nockherberg für einen Schauspieler?

Murr: Das Spannende ist, dass man sich jedes Jahr aufs Neue im Februar mit einem Drehbuch zusammensetzt – und in drei Wochen entsteht etwas Bühnenreifes. Es ist ein bisschen wie ein Klassentreffen, man weiß, wie die Leute ticken. Neulingen flößt das schon Respekt ein – dieser helle Saal, überall wird rumgewuselt, das Spielen mit Funkmikro. Denen kann ich aber mittlerweile väterlich zur Seite stehen.

Umjubeltes Debüt: Stefan Murr als Double von Karl-Theodor zu Guttenberg (li.)

Welchen der Politiker haben Sie am liebsten gespielt?

Murr: Der Guttenberg war schon was Besonders. Es war mein erstes Mal am Nockherberg, und ich werde auch immer noch am meisten darauf angesprochen. Ich könnte wahrscheinlich einen Oscar gewinnen – die Leute würden immer noch sagen: „Sie sind der Guttenberg, gell?“

Schlimm?

Murr: Überhaupt nicht. Was aber schon komisch war: Mein Sohn ist in dem Jahr auf die Welt gekommen, in dem ich zum ersten Mal auf dem Nockherberg gespielt habe. Im Jahr darauf war Bundestagswahl, und einmal sind wir an einem Guttenberg-Wahlplakat vorbeigekommen. Mein Sohn deutet darauf und ruft begeistert: „Papa!“ Das war wirklich schlimm.

Johannes Löhr

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

S-Bahn: Kurzschlüsse legen Züge lahm - Stammstrecke gesperrt, Fahrgäste eingeschlossen
Viele Pendler sind in München auf die S-Bahn angewiesen. Doch immer wieder gibt es Störungen, Sperrungen und Ausfälle. Wir informieren Sie über alle News zur Münchner …
S-Bahn: Kurzschlüsse legen Züge lahm - Stammstrecke gesperrt, Fahrgäste eingeschlossen
AfD-Politikerin fliegt aus Münchner Bar - darum war das KEINE Diskriminierung
Die bayerische AfD-Frontfrau Katrin Ebner-Steiner wollte in einer bekannten Münchner Bar essen gehen. Dort wurde sie aber wieder vom Tisch weggeschickt.
AfD-Politikerin fliegt aus Münchner Bar - darum war das KEINE Diskriminierung
Schrecklicher Unfall bei Garching: Mann und Frau sterben bei Frontal-Crash auf B471
Ein schlimmer Unfall hat sich in Garching bei München am späten Freitagabend an der Ecke Münchner Straße/B471 ereignet.
Schrecklicher Unfall bei Garching: Mann und Frau sterben bei Frontal-Crash auf B471
Nockherberg 2019: Nachfolger der „Mama Bavaria“ steht fest
Nach dem Rücktritt von Luise Kinseher als „Mama Bavaria“ auf dem Nockherberg ist die Nachfolge geklärt. Der Favorit setzte sich durch. 
Nockherberg 2019: Nachfolger der „Mama Bavaria“ steht fest

Kommentare