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So könnte der Kiosk aussehen: Ein moderner Kubus direkt neben der futuristischen Bus- und Tramhaltestelle an der Münchner Freiheit. 

23-Stunden-Kiosk an der Münchner Freiheit?

München - Alexander Vesely will dort nicht nur verkaufen, sondern auch Nachtschwärmern in Not Erste Hilfe leisten. Der Bezirksausschuss ist von der Idee begeistert

Die Idee ging Alexander Vesely einfach nicht aus dem Kopf. Nicht in all den Jahren, in denen er als Unternehmensberater und im Marketing gearbeitet hatte. Und auch nicht seit dem vergangenem Jahr, als er in der Marktstraße nahe der Münchner Freiheit den Feinkostladen „Gaumenspiel“ eröffnete. „Mein Vater hatte schon einen Kiosk in Bratislava“, erzählt er. „Und mein Traum war es auch immer, einen Kiosk zu haben.“

So realistisch wie heuer war dieser Traum aber noch nie. Der 42-Jährige, in Schwabing geboren und aufgewachsen, hat eine Idee ausgetüftelt: Ein Kiosk mit internationalen Zeitschriften, Süßigkeiten, Getränken, Souvenirs und Stadtplänen - gleichzeitig Treffpunkt für die Münchner und Anlaufstelle für Touristen, die Auskunft suchen.

Alexander Vesely will die Gegend damit nicht nur lebendiger, sondern gleichzeitig auch sicherer machen. „Ich möchte keine Leute anziehen, die nur Alkohol wollen“, betont er. Mangelndes Interesse an seinem Angebot fürchtet Vesely nicht. „Wenn man in der Ecke lebt und jeden Tag hier vorbeiläuft, fällt einem einfach auf, dass etwas fehlt.“ Sein Traum soll den Anwohnern den Weg zur nächstgelegenen Tankstelle oder den Anruf beim Lieferservice ersparen - 23 Stunden am Tag soll der Kiosk schließlich geöffnet haben.

Wegen der Öffnungszeiten sieht Vesely den Kiosk nicht nur als Treffpunkt und Verkaufsstand, sondern auch als eine mögliche Anlaufstelle in Notsituationen - etwa bei nächtlichen Schlägereien oder für den Fall, dass ein Betrunkener, der aus einer der unzähligen Bars in der Umgebung Richtung Haltestelle torkelt, sich nicht mehr auf den Beinen halten kann. Die Richtlinie, die sich Vesely selbst auferlegt hat: Jeder der künftigen Kiosk-Verkäufer soll eine Erste-Hilfe-Ausbildung absolvieren, um im Notfall eingreifen und helfen zu können.

Beim Bezirksausschuss (BA) Schwabing-Freimann stößt Veselys Idee auf große Zustimmung. Auf die brachliegende Fläche von 16 Quadratmetern, auf denen der Kiosk errichtet werden soll, haben zwar mehrere Bewerber ein Auge geworfen und beim Bezirksausschuss ihr Interesse bekundet. Doch Veselys Vorschlag überzeugt das Gremium mit Abstand am meisten.

Werner Lederer-Piloty, der Vorsitzende des Bezirksausschusses, sagt jedenfalls seine Unterstützung zu und lobt: „Ein sehr guter Ansatz, das wäre eine Bereicherung für die Gegend.“ Nachdem die Idee steht, gilt es nun, die konkrete Gestaltung des Kiosks zu klären. Sowohl Vesely als auch der Bezirksausschuss stellen sich ein modernes Ambiente vor. BA-Chef Lederer-Piloty plant, Studenten der Technischen Universität München mit einzubeziehen und von ihnen ein Konzept entwickeln zu lassen, um dem Kiosk ein möglichst münchnerisches und frisches Gesicht zu verleihen.

Wegen der Finanzierung macht sich Alexander Vesely bislang keine Sorgen: Er will den Kiosk aus seiner Privatkasse bezahlen. Für ihn gilt es nun, den Gang durch die Behörden anzutreten.

Als erstes wird er dem Planungsreferat sein Projekt vorstellen. Zwar weiß er, dass es noch ein langer Weg ist bis hin zum eigenen Kiosk. „Aber ich hoffe, dass es im nächsten Jahr Wirklichkeit werden kann.“

Kai Göpfert

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