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Selcuk K. (roter Kreis) starb beim Amoklauf, jetzt steht Waffenhändler Philipp K. vor Gericht.

„Du sollst nie rauskommen“

Prozess um OEZ-Amoklauf: Opfer-Vater wütet gegen Waffenhändler

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Seit Montag steht Philipp K., der dem Amokschützen vom OEZ die Waffe geliefert hatte, im Hochsicherheitssaal der JVA Stadelheim vor Gericht. Ein Vater eines Opfers rastete komplett aus.

Vor 15 Monaten verloren sie ihre Liebsten, bis heute leiden die Angehörigen des Amoklaufs! Ihre Trauer ist nicht in Worte zu fassen – aber ihre Wut schon! „Du sollst nie rauskommen“, schrie Engin K. am Montag durch den Gerichtssaal – seine Worte zielten auf Philipp K. (32), der die Waffe für die schreckliche Tat geliefert hatte, bei der neun Menschen starben.

Darunter war auch Selcuk K., der Sohn von Engin K. Der Vater verlor nun im Gericht die Fassung. Mitten in der Verhandlung war er aufgestanden und schlug mit der Faust gegen eine Trennwand. Dann schrie er in Richtung des Angeklagten. Richter Frank Zimmer verwies ihn daraufhin des Saals.

Es war ein Schockmoment im Prozess. Und ein Moment, der zeigte, wie es um das Seelenleben der Nebenkläger bestellt ist: Sie fühlen sich frustriert, hilflos, wütend. Immerhin: Der Prozess gegen den Waffenhändler wird nun bis Ende Februar dauern. Somit können neue Details genau geprüft werden.

Seit Montag wird im Hochsicherheits-Gerichtssaal der JVA Stadelheim verhandelt. In dem Saal, der für 17 Millionen Euro gebaut wurde, soll eigentlich Terroristen und Schwerverbrecher der Prozess gemacht werden. Nun sitzt dort Philipp K. auf der Anklagebank: Ein jugendlich wirkender Computer-Freak, der den Waffenhandel gleich zu Prozessbeginn gestanden hatte. Aber auch von den mörderischen Plänen des Amokläufers David S. soll er gewusst haben – und traf sich sogar zweimal mit ihm. Beide teilten eine rechtsradikale Gesinnung. Aus gutem Grund forderten die Nebenkläger daher, dass Philipp K. nicht nur wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wird, sondern auch wegen Beihilfe zum Mord.

Der Hochsicherheitsgerichtssaal der JVA München Stadelheim.

Dass der Prozess nun nach Stadelheim verlegt wurde, hatte zunächst räumliche Gründe: Dort finden 250 Personen Platz, während der Verhandlungssaal im Strafjustizzentrum zuletzt überquoll. Aber die Verlegung hat auch eine inhaltliche Komponente: Denn Richter Frank Zimmer will die neuen Verhandlungstermine nutzen, um bestimmte Hinweise näher untersuchen zu lassen. So hatten es die Nebenklage-Anwälte Seda Basay und Yavuz Narin am Montag mit zwölf Anträgen gefordert.

Konkret geht es um die Protokolle von Chat-Gesprächen, die Philipp K. mit Amokläufer David S. und einem Zeugen im Internet geführt hatte. Brisant: Der Staatsanwaltschaft warfen beide Anwälte Absprachen mit dem Angeklagten vor, Narin nannte die Ermittlungsbehörde „völlig unfähig“. Staatsanwalt Florian Weinzierl bezeichnete die These als „plumpe Provokation“. Den Angehörigen versicherte er, dass es keine Absprachen gegeben habe.

Prozess um OEZ-Amoklauf: Wie es jetzt weitergeht

Ursprünglich sollte der Prozess nur bis Mitte September dauern. Zehn Verhandlungstage hatte Richter Frank Zimmer zunächst im Prozess gegen Philipp K. (32) angesetzt. Während der Verhandlung wurde aber klar, dass alles viel längern dauern wird – weil eine Mordanklage geprüft werden musste und neue Hinweise (wie Chatprotokolle) aufgetaucht waren, die Philipp K. belasten. Bis zum 13. November pausiert das Gericht nun, um diese zu prüfen. Danach finden zehn weitere Verhandlungstermine bis zum 28. Februar 2018 statt.

Andreas Thieme

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