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Die Mietergemeinschaft Wagnerstraße 1 will um ihr Zuhause und den Erhalt der bezahlbaren Wohnungen kämpfen.

Abriss droht

Anwohner kämpfen um die Wagnerstraße 1

München - Anwohner in Schwabing geben ihren Kampf gegen den drohenden Abriss zweier Häuser nicht auf.

„Momentos Suspendidos“ – Schwebende Momente, heißt die Fotoinstallation von Mario Steigerwald im Treppenhaus der Wagnerstraße 1. In der Schwebe gelassen fühlen sich auch die Bewohner des Mietshauses in Schwabing. Im vergangenen Jahr hat BMW-Vorstand Friedrich Eichiner das Haus gekauft. Monatelang waren die Bewohner im Unklaren, was der Besitzerwechsel für ihr Zuhause bedeuten könnte. Ein Brief von Eichiners Anwalt beendete letztendlich die Ungewissheit. Allerdings nicht zur Erleichterung der Mieter. Von einer „Beendigung des Mietverhältnis“ zum Ende des Jahres und einem Abriss des Hauses war darin zu lesen. Die Entscheidung sei unumstößlich, eine Sanierung unwirtschaftlich.

Doch so leicht gibt man sich in der Wagnerstraße 1 nicht geschlagen. Gemeinsam mit den Bewohnern des ebenfalls vom Abriss bedrohten Hauses Wagnerstraße 3 hat man die Bürgerinitiative Pro-Schwabing ins Leben gerufen und sammelt Unterschriften gegen den Abriss und für die Sanierung beider Häuser.

Das Haus an der Wagnerstraße 1

Um auf diese Initiative aufmerksam zu machen, und auch um zu zeigen, was das Leben in dem 1895 erbauten Haus für sie so besonders macht, hatten die Mieter der Wagnerstraße 1 am Freitag zu einem Kunst- und Kulturabend in ihre „Wagnerburg“ geladen. Gekommen waren rund 200 Anwohner und Unterstützer. „Hier sind über Jahre freundschaftliche und nachbarschaftliche Verhältnisse entstanden. Wenn das aufgelöst wird, wäre das für uns alle schrecklich“, sagt Anwohnerin Isabel Neander. Und ihr Mitbewohner Misch Amon ergänzt: „Die Kombination von Leuten hier ist einfach einzigartig.“ Und so beteiligten sich dann auch alle Bewohner auf die eine oder andere Art am Gelingen des Abends, regelten den Einlass, kochten Gulasch für die Gäste oder traten selbst auf, so wie James Klopfenstein, der sich an einer Jam-Session im Treppenhaus beteiligte. Der Musiker zog vor 30 Jahren in die Wagnerstraße 1 und ist somit ihr dienstältester Bewohner. Heute wohnt er hier in einer „Familien-WG“ mit seiner Tochter, deren Mann und einer weiteren Familie aus Kolumbien. „Früher habe ich oft im Podium gespielt. Dessen Besitzerin hat mir geholfen die Wohnung hier zu finden“, erinnert er sich.

Auch das Podium, die Musikkneipe im Erdgeschoss der Wagnerstraße 1, müsste weichen, sollte das Haus wie geplant abgerissen werden. Hier scheint man sich mit dem baldigen Ende abgefunden zu haben, sucht schon seit längerem nach einer neuen Immobilie. Bisher allerdings ohne Erfolg. Musiker Rainer Blencke, der hier schon seit mehr als 30 Jahren auftritt, fasst die momentane Gefühlslage zusammen: „Wenn wir hier weg müssten, wäre das natürlich traurig. Letztendlich muss man aber auch Verständnis dafür haben, dass Eichiner das Haus gekauft hat und damit machen kann was er will.“ Für die Besitzerin des Podiums und auch für die anderen Mieter steht ein offizielles Kündigungsschreiben allerdings nach wie vor aus. Es scheint also so, als würde an der Wagnerstraße der Schwebezustand noch eine Weile andauern.

Annika Schall

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