Doris Wagner tritt bei der Bundestagswahl als Kandidatin für die Grünen im Wahlkreis München Nord an.
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Doris Wagner tritt bei der Bundestagswahl als Kandidatin für die Grünen im Wahlkreis München Nord an.

Bildung, Klima und Sicherheitspolitik

Für München-Nord in den Bundestag? Grüne schicken Doris Wagner ins Rennen

  • Claudia Schuri
    VonClaudia Schuri
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Eine Grünen-Politikerin mit Schwerpunkt Verteidigungspolitik: Die Münchnerin Doris Wagner kandidiert für die Bundestagswahl. Sie will das „Stadtklima erhalten“.

München – Verteidigungspolitik? Ausgerechnet sie, die noch nie etwas damit zu tun hatte? Doris Wagner war skeptisch. Die 58-Jährige kandidiert bei der Bundestagswahl 2021 für die Grünen für das Direktmandat* im Wahlkreis München-Nord*. Von 2013 bis 2017 war sie bereits im Bundestag – und hätte es damals fast abgelehnt, als ihr ein Platz im Verteidigungsausschuss angeboten wurde. Doch dann überlegte sie es sich anders. „Es muss mir doch möglich sein, so viel zu lernen, dass ich einen guten Job machen kann“, dachte sie sich – und fuchste sich in das Thema hinein.

Heute ist es ein Schwerpunkt ihrer Politik. Ein Bereich, mit dem einige Grüne noch fremdeln. „Ich bin aber der Meinung, wir müssen auch in der breiten Gesellschaft viel mehr über Sicherheitspolitik reden“, sagt sie. Menschenrechtsverletzungen, Bürgerkriege, digitale Angriffe: „Es ist wichtig, dass wir eine Haltung dazu haben“, findet sie. Und: „Man muss sich verteidigen können gegen die digitale Einflussnahme von außen, zum Beispiel auf Wahlen oder kritische Infrastruktur.“

  • Alter: 58
  • Beruf: Übersetzerin, Textilbetriebswirtin, aktuell: Leiterin Direktion der Messe München
  • Partei: Grüne
  • Wahlkreis: München-Nord
  • Geboren am: 28. Januar 1963
  • Familienstand: geschieden, keine Kinder

Bundestagswahl: Gegen Rüstungsexporte - Grünen-Kandidatin Doris Wagner für München Nord

Ein besonderes Anliegen ist ihr, Rüstungsexporte zu begrenzen. „Ich hoffe, dass wir endlich eine Mehrheit bekommen, um dieses Thema auch auf der europäischen Ebene noch einmal auf die Agenda setzen“, sagt sie. „Auch durch die Hintertüre von Lizenzvergaben dürfen keine Kriegsgeräte in Krisengebiete kommen.“ Derzeit sei das Wirtschaftsministerium zuständig. „Aber Rüstungsexporte sind keine Wirtschaftsfrage, sondern eine Sicherheitsfrage“, sagt sie. „Sie müssten unbedingt ins Auswärtige Amt.“

Viele Bürger aus ihrem Wahlkreis arbeiten beim Wehrtechnik-Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann. „Ich verstehe, wenn jemand um seinen Arbeitsplatz bangt“, sagt sie. „Es müssen Übergangslösungen gefunden werden, wenn Arbeitsplätze bedroht sind.“ Aber auch die Firmen müssten sich Alternativen suchen.

Bundestagswahl: Als Grünen-Kandidatin die IAA veranstalten? - Doris Wagner will „Stadtklima erhalten“

Doris Wagner* stammt selbst aus einer Bremer Arbeiterfamilie. Ihre Mutter war Krankenschwester, ihr Vater arbeitete in einer Zigarettenfabrik. Nach dem Abitur wurde sie Übersetzerin und war zeitweise in London, Mailand und Monza. Später machte sie eine Ausbildung zur Textilbetriebswirtin, arbeitete in der Veranstaltungsbranche und schließlich bei den Grünen. Der Partei war sie im Ende 2001 beigetreten – obwohl sie aus einer SPD-Familie kommt. „Aber bei den Grünen war einfach das Gesamtpaket für mich stimmig“, sagt sie. Heute ist sie Leiterin der Staatsabteilung Direktion der Messe München, dem Ausrichter der Automesse IAA*.

Wie passt das mit den Grünen zusammen? „Wenn wir es ernst meinen mit der Transformation des Verkehrs und es auch die IAA ernst damit meint, sich zu einer echten Mobilitätsplattform zu entwickeln, sollten wir ihr eine Chance geben“, sagt Wagner. Sie nutzt Car-Sharing, wenn sie ein Auto benötigt, und fährt ansonsten mit dem Fahrrad oder den Öffentlichen Verkehrsmitteln*. „Wir müssen das Stadtklima erhalten“, fordert sie. Kürzlich machte sie im Wahlkampf einen Klimaspaziergang. „Es ist unglaublich, wie der Temperaturunterschied zwischen dem gepflasterten Odeonsplatz* und dem Dichtergarten ist“, sagt sie. Die neue Regierung müsse alles tun, um eine weitere Klimaerwärmung zu verhindern.

Doris Wagner bei der Bundestagswahl: Bildung und Grundsicherung für Azubis und Studenten

Ein weiteres Anliegen ist ihr das Thema Chancengerechtigkeit. Sie selbst hat sich als Kind „quer durch die Stadtbibliothek gelesen“, erzählt sie. „Das war für mich prägend.“ Eine Erfahrung, die sie allen Kindern wünscht. „Besonders für Kinder, die aus irgendeinem Grund einen besonderen Förderbedarf haben, ist es wichtig, dass es für sie eine sehr individuelle Betreuung gibt“, sagt sie. Damit sei es aber nicht getan: „Kinder brauchen Geld für die Teilhabe“, fordert sie. Eine Kindergrundsicherung und weitere Leistungen abhängig vom Gehalt der Eltern seien genauso nötig wie eine Grundsicherung für Studierende und Auszubildende.

Im Wahlkreis München*-Nord deutet alles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Kampf um das Direktmandat hin. Doris Wagner sieht für sich einen Vorteil: „Ich bin auch wählbar für die Menschen, die das Gefühlt haben, abgehängt zu sein.“ Zurück im Bundestag möchte sie wieder Verteidigungspolitik machen. Dieses Mal ohne zu zögern.

Alle Infos zur Bundestagswahl 2021 in München: Den Zuschnitt der Wahlkreise, die Parteien, Kandidaten und Ergebnisse, finden Sie hier*. (C. Schuri) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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