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Vor dem Konzert sorgten lange Schlangen am Einlass für viel Unmut.

Kontrolle bei Konzerten

Beim Coldplay-Konzert: Chaos vor dem Oly sorgt für Ärger

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    Matthias Bieber
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Coldplay haben am Dienstag im Olympiastadion ein umjubeltes Konzert gegeben – doch vor der Arena herrschte Chaos. Der Grund dafür war sinnvoll, ärgerte dennoch viele.

München - „Viva la Vida“ heißt einer der Hits der Band Coldplay – „Es lebe das Leben“. Zum Feiern war allerdings tausenden Fans nicht zumute, die am Dienstag ins Olympiastadion pilgerten, um ihre Britpop-Heroen live zu sehen. Denn drei Stunden Wartezeit und mehr waren keine Seltenheit. „Massen von Fans standen fassungslos noch vor den Sicherheitskontrollen draußen, als Coldplay losspielten – mit Tränen in den Augen“, sagt Annika Erichslandwehr. Und Lenka Kraus (33) schimpft: „Wie kann ein Konzert dieser Größenordnung mit 70 000 Besuchern so schlecht organisiert sein?“

Vor den Eingängen zum Stadion stapelten sich Taschen, Schirme, Rucksäcke. Scheinbar herren- und frauenlos. Der Grund: Die Warteschlangen an den Zelten, in denen man seine Sachen aufbewahren konnte, waren teilweise noch länger als am Einlass. „Und kurz vor Konzertbeginn waren alle Kapazitäten ausgelastet“, erinnert sich Lenka Kraus. „Man konnte gar nichts mehr abgeben.“ Kraus, die mit ihrem Mann Markus in der Gastronomie arbeitet, ist fassungslos: „Wenn ich für 200 Leute nur zwei Bedienungen einstellen würde, würde ich von meinen Gästen ganz schön was zu hören bekommen!“

Lesen Sie hier die Nachtkritik zum Coldplay-Konzert.

Kurzfristige Verschärfung des Veranstalters sorgt für Ärger

Die überfüllten Zelte sind das eine, das andere die kurzfristigste Order des Veranstalters am Konzertabend, dass überhaupt keine Handtaschen – auch keine kleinen – ins Konzert gebracht werden dürfen. Dabei war im Internet auf der Homepage noch etwas ganz anderes zu lesen. Für die Architektin Mone T. (34) brachte die kurzfristige Änderung das Fass endgültig zum Überlaufen. Nach Stunden des Wartens ließ der Kontrolleur sie ihr Handtäschchen nicht mit hinein nehmen. „Ich bin wieder heimgefahren. Die Alternative wäre ja nur gewesen, meine Wertsachen irgendwo unter einen Baum zu legen.“ Das hätten übrigens etliche Besucher in ihrer Not getan, sagt sie.

Einer freute sich beim Coldplay-Konzert ganz besonders. Denn Ferdinand (19) durfte sogar auf die Bühne.

Laut Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats (KVR), legt der Veranstalter – in diesem Fall Marek Lieberberg – ein Sicherheitskonzept vor. KVR, Feuerwehr und Polizei prüfen es. Auch vor und während des Konzertes steht man in ständigem Austausch und reagiert bei Bedarf kurzfristig. Am Dienstag hatte der Veranstalter aufgrund des Sicherheitsgefühls entschieden, die Taschenkontrollen zu verschärfen. „Der überwiegende Anteil der Konzertbesucher hat die Maßnahme verstanden und war sehr diszipliniert“, sagt der polizeiliche Einsatzleiter, Walter Ross. „Die allermeisten stellten sich ganz friedlich in der Schlange an.“

Wie auf einem Flohmarkt sah es rund ums Olympiastadion aus: Taschen und Schirme lagen herum.

Für das Coldplay-Konzert hat laut Polizei keine konkrete Gefährdungslage vorgelegen. Aufgrund der bestehenden subjektiven Verunsicherung in der Bevölkerung unter den Eindrücken der Anschläge von Manchester und London hat man nach Angaben von Polizeisprecher Thomas Baumann die Zahl der Einsatzkräfte jedoch leicht aufgestockt. Etwa 100 statt der bei Konzerten üblichen 70 Beamte waren im Einsatz. Ross: „Ein gutes Sicherheitsgefühl der Menschen ist für uns sehr wichtig.“ Deshalb ist für die kommenden großen Konzerte – Depeche Mode am Freitag und Guns’n’Roses nächsten Dienstag – durchaus ein erhöhter Polizeikräfteansatz vorstellbar. Gäste sollten Handtaschen, Rucksäcke und Schirme lieber zu Hause lassen. Auch Gürteltaschen werden kontrolliert, es ist mit Wartezeiten zu rechnen. Beim Konzert von Depeche Mode wird es zusätzliche Einlasskontrollen mit Metalldetektoren geben, teilt der Veranstalter mit.

Fehlendes Personal bei Kontrollen

Veranstalter Lieberberg fordert indes stärkeren Polizeischutz für die Stars. In der SZ sagt er: „Es gibt Musiker, die Angst haben.“ Falls seiner Bitte nicht nachgegeben würde, könne es sein, dass Konzerte abgesagt werden müssten. „Das ist keine leere Drohung. Die Befindlichkeiten sind im Moment so, dass alle sehr aufgeregt sind.“

Laut Sprecher Baumann prüft die Polizei selbstverständlich „Personenschutzmaßnahmen, wenn wir konkrete Gefährdungserkenntnisse für eine Person haben“. Liege keine konkrete Bedrohungslage vor, sei der Schutz des Künstlers allerdings Aufgabe der Veranstalter.

Ob der Veranstalter allerdings an den Einlasskontrollen nachbessert – mehr Personal, mehr weibliche Kontrolleure fürs Körperabtasten weiblicher Fans – war am Mittwoch auf Anfrage nicht zu erfahren. Coldplay-Fan Lenka Kraus jedenfalls ist sicher: „Ich glaube, dass die langen Wartezeiten vor allem daran lagen, dass nur eine einzige Frau am Einlass gearbeitet hat.“

Video: So war Coldplay im Olympiastadion

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